Empfehlungen des Landesdenkmalrates für die Hanfwerke gehen über Kompromiss hinaus

Übertroffene Hoffnungen

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Dort, wo unterhalb der Mauer frische Erdarbeiten zu sehen sind, verlief früher der Mühlkanal. Dieser soll nun teilweise wieder offen gelegt werden.

Füssen – Die ohne Genehmigung erfolgte Verrohrung und Verschüttung des denkmalgeschützten Mühlkanals auf dem Gelände der ehemaligen Hanfwerke wird womöglich weitreichende Folgen für die Besitzer haben.

Der auf Drängen der „Aktiven Bürger“ eingeschaltete bayerische Landesdenkmalrat hat nun einen Maßnahmenkatalog für das Gelände vorgelegt, der weit über den Kompromissvorschlag der Stadt Füssen hinausgeht. Unterstützung erhalten die Denkmalschützer dabei vom Landratsamt.

Als im Frühjahr bekannt wurde, dass der historische und denkmalgeschützte Mühlbach bei umfangreichen Sanierungs- und Bauarbeiten auf dem Gelände des Magnusparks verrohrt und zugeschüttet worden ist, war der Aufschrei in Teilen der Füssener Bevölkerung groß. Vor allem der Verein Alt Füssen unter dem Vorsitz von Stadtrat Magnus Peresson (UBL) und die „Aktiven Bürger Füssen“ um ihren Sprecher Harald Vauk drängten daraufhin vehement auf Aufklärung. Im Landratsamt Ostallgäu zeigten sich die zuständigen Stellen ebenfalls irritiert über das Vorgehen des Besitzers, der Firma Glass (der Kreisbote berichtete mehrfach).

 Die „Aktiven Bürger“ schalteten daraufhin den Bayerischen Landesdenkmalrat unter dem Vorsitz des CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel ein. Zwei Wochen nach einer Ortsbesichtigung gab der nun in der vergangenen Woche seine Stellungnahme ab, die auch dem Kreisbote vorliegt.

Diese geht weit über einen Kompromissvorschlag des Füssener Bauausschusses hinaus und legt außerdem den Verdacht nahe, dass bereits in der Vergangenheit der Denkmalschutz bei Arbeiten auf dem Grundstück nicht immer beachtet wurde. So heißt es: „Die vorgelegte Planung auf dem Gelände beeinträchtigt den Bestand der vorhandenen Baudenkmäler.“

Das könnte nun aber womöglich weitreichende Folgen für das Industriearal unmittelbar am Lech haben.

Umfassendes Konzept

„Nachdem bereits ein Teil der geplanten Maßnahmen ohne bau- bzw. denkmalrechtliche Würdigung und Genehmigung durchgeführt wurde, sind nach Auffassung des Bayerischen Landesdenkmalrates Schritte zur Wiederherstellung/Lokalisierung der Denkmäler notwendig“, heißt es in der Mitteilung unter anderem.

Der Denkmalrat empfiehlt daher, die Firma Glass dazu aufzufordern, den Mühlkanal im vorderen Teil des Geländes auf etwa 100 Meter Länge wieder offenzulegen. Außerdem soll im Südwesten des Areals – in Richtung Ziegelwies – der Mühlkanal im unverfüllten Zustand erhalten bleiben. Gleiches gelte für die Turbinenanlagen, Stollen und Schleusenanlagen. Außerdem empfehlen die Münchner Denkmalschützer eine „ablesbare Sicherung des Verlaufs des Triebwerkskanals auch bei Maßnahmen zur Nachfolgenutzung in den Gebäuden und Hallen der ehemaligen Hanfwerke“.

Auch die vor dem Fabrikgebäude liegende Einlaufwanne soll demnach wieder sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus wünscht sich der Rat eine Freiflächengestaltung, „die den Verlauf des Triebwerkskanals erkennbar macht sowie eine Gestaltung im Uferbereich des ehemaligen Auslaufbauwerkes, die die historische Funktion der beiden Elemente verdeutlicht“, heißt es weiter.

Daher solle für das gesamte Areal ein Freiflächengestaltungsplan erarbeitet werden, der den wieder geöffneten Mühlkanal ebenso darstelle wie die Freiflächengestaltung zum Verlauf der ehemaligen Triebwerkskanäle. Dazu komme ein Erschließungs- und Stellplatzkonzept sowie die Kartierung erhaltenswerter Bäume und ein Grünkonzept.

Rechtlich nicht bindend

Rechtlich verbindlich sind die Empfehlungen des Landesdenkmalrates zwar nicht. Allerdings haben die Münchner das Landratsamt Ostallgäu auf ihrer Seite, das nun das Gespräch mit der Firma Glass suchen will. „Der Beschluss enthält ohnehin die Rechtsauffassung des Landratsamtes“, sagte Gudrun Hummel, Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt am Landratsamt, am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. „Das war das von uns geplante Vorgehen.“

Daher sollen – wenn möglich – noch im August Gespräche mit der Firma Glass und anderen beteiligten Behörden wie dem Wasserwirtschaftsamt Kempten stattfinden. „Die Planungsunterlagen müssen so überarbeitet werden, so dass sie den Rechtsauffassungen entsprechen“, erklärte sie die Ziele der Verhandlungen.

Freude bei Vauk

Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer äußerte sich zufrieden über die Stellungnahme es Denkmalrates. „Der Mindestforderung der Stadt ist damit Rechnung getragen“, sagte er im Gespräch mit dem Kreisbote. Tatsächlich hatte sich der Bauausschuss Anfang Juni darauf verständigt, der Firma Glass das kommunale Einvernehmen in Aussicht zu stellen, sollte sie den verfüllten Kanal bis zur Baumreihe im Eingangsbereich wieder offenlegen (der Kreisbote berichtete).

Magnus Peresson, Vorsitzender des Vereins Alt Füssen, äußerte sich erleichtert über die Stellungnahme aus München. „Wenn der Denkmalrat diese Empfehlung gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass man da sehr viel verwässern kann“, sagte er.

„Das Ergebnis hat all meine Hoffnungen bei weitem übertroffen“, frohlockte hingegen Harald Vauk von den „Aktiven Bürgern“. „Dieser Entscheid verpflichtet uns, verantwortungsvoll und weitsichtig gemeinsam mit der Firma Glass für eine wirtschaftliche und kulturelle Gestaltung der ehemaligen Hanfwerke einzutreten“, so Vauk weiter.

Adriana Rehmann von der Firma Glass war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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