Skepsis wegen Bahnübergang und Kindern

Dieser von zwei Bahnübergängen in der Mariahilfer Straße macht es schwierig hier eine Fahrradstraße einzurichten. Denn an Bahnübergängen gilt das Eisenbahnquerungsgesetz und das kollidiert hier mit den Regeln einer Fahrradstraße. Foto: Knoll

Füssen – Stadtrat Heinz Hipp (CSU) will an seiner Idee, die Mariahilfer Straße in eine Fahrradstraße zu verwandeln festhalten. Deshalb hat er das Konzept jetzt noch einmal im Verkehrsausschuss vorgestellt. Doch wirklich überzeugen konnte er die meisten seiner Kollegen nicht. 

Das Projekt „liegt mir sehr am Herzen“, meinte Hipp. Man wolle schließlich die Füssener dazu animieren, aufs Rad zu steigen. In einer Fahrradstraße haben Radler Vorrang, aber keine Vorfahrt, die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 30 km/h, sie dürfen nebeneinander fahren und mit einem Schild könnte man die Straße auch für Autofahrer frei geben. Dafür brauche man nur ein Schild und ein „bisserl Werbung“. In München klappe das gut, so Hipp. Dort gebe es bereits 22 Fahrradstraßen und noch in diesem Jahr sollen 25 neue hinzukommen. 

Bereits im Juni vergangenen Jahres hat der Verkehrsausschuss über eine Fahrradstraße in der Mariahilfer Straße diskutiert und schließlich grünes Licht dafür gegeben. Da es laut Manfred Schweinberg von der Stadtverwaltung aber viele Gründe gebe, die „dagegen sprechen“, wurde das Thema nie im Stadtrat diskutiert. Die beiden Bahnübergänge sind dabei das Hauptproblem. Denn laut dem Eisenbahnquerungsgesetz haben Züge dort Vorrang, erklärte Schweinberg. Und das kollidiert eben mit den Regeln einer Fahrradstraße, in der Radler Vorrang haben. 

Allerdings könnte man die Fahrradstraße dort unterbrechen, schlug Polizist Thomas Meiler vor. Das sahen jedoch Dr. Anna Derday und Jürgen Doser (beide Freie Wähler) kritisch. Denn wie solle man das Kindern verständlich machen, dass sie von der Froschenseestraße bis zur Jugendherberge nebeneinander, dann 50 Meter hintereinander und dann wieder nebeneinander fahren dürfen, so Derday. Nachvollziehen konnte Sonderschullehrerin Ilona Deckwerth (SPD) dieses Argument nicht. Denn „Kinder, die ein Fahrrad haben, sind intellektuell durchaus in der Lage zu unterscheiden, wann sie nebeneinander fahren dürfen und wann nicht“, so Deckwerth. Insgesamt hielt sie das Konzept „für eine klug durchdachte Geschichte“. 

Dabei ließ sie sich auch von Schweinberg und Meilers Einwände nicht abschrecken, dass Fahrradstraßen und deren Regeln in Bayern kaum bekannt seien und man deshalb eine intensive Aufklärungsarbeit leisten müsste. Nur weil „Bayern noch nicht soweit ist, würde ich mich nicht davon abhalten lassen“, sagte Deckwerth. Man könnte das schließlich ein halbes Jahr mal ausprobieren und sich dann nochmal zusammensetzen. Ob man hier überhaupt neue Regeln braucht, warf Franz Nagel (CSU) in den Raum. Denn er als Anwohner könne sich nicht daran erinnern, dass es hier schon einmal Probleme gegeben hätte. „Das funktioniert ausgezeichnet so“, meinte er. Am Ende einigte sich das Gremium darauf den Punkt zurückzustellen und erst in den Fraktionen zu besprechen wie man den Radverkehr in der Mariahilfer Straße fördern könnte. kk

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