Lechtaler Unternehmer engagiert sich im Kleinkraftwerkebau im unzugänglichen Gelände

Genügend Strom trotz wenig Wasser

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Umweltschonend in die Wasserfassung einzubauen: Der Coanda-Rechen, der in Häselgehr hergestellt wird.

Griessau - Unscheinbar in einem Stadelwerk mit Garage versteckt wird im mittleren Lechtal nicht alltägliche feine Technik produziert. Ein Eineinhalb-Mann Betrieb hat sich der Herstellung von ganz besonderen Maschinensätzen gewidmet.

Stocker-Mechatronik hat mit diesen Aggregaten eine Nische besetzt und sich auch schon mit Erfolg an der größten einschlägigen Messe Europas in Salzburg präsentiert. Kleine Bächlein in unerschlossenen Gebirgsregionen und Wasserfassungen weit außerhalb des Siedlungsgebietes haben schon seit einiger Zeit die Neugier eines Lechtaler Mechatronikers geweckt. 

Die Nutzung dieser Ressourcen haben die Gehirnwindungen von Peter Stocker aus Griessau, eines Ortsteiles von Häselgehr im mittleren Lechtal, zu großer Aktivität veranlasst. Er hat sich mit seiner Firma „stocker-mechatronik“ dem Bau von Kleinwasserkraftwerken verschrieben. Was zum Bau solcher Anlagen technisch bedingt nicht im eigenen Betreib hergestellt werden kann, bezieht der Kraftwerkbauer von Betrieben aus der Region. Ihm ist es wichtig, dass im Kreislauf des Geschehens die Wertschöpfung in der Region bleibt. Er beschäftigt sich intensiv mit Sekundenlitern und Kilowatt. 

Von 100 W bis zu größeren Anlagen von 100 KW spannt sich der Bogen der Apparaturen. Ob Insel- oder Einspeisungsbetrieb ist eigentlich zweitrangig. Rund 40 Kraftwerke der verschiedensten Dimensionen in Tirol, Vorarlberg, Deutschland, der Schweiz und Südtirol hat er schon realisiert. Almen, Berghäuser und Jagdhütten sind die bevorzugten Standorte. Alle weit außerhalb und oberhalb der Siedlungsräume. Für die Nutzer eröffnet sich durch die Stromerzeugung in unmittelbarer Nähe ein Standard der dem gewohnten Leben im Tal an nichts mehr nachsteht. Neben der Beleuchtung, der Kühlung und anderer Annehmlichkeiten können auch Melkmaschinen und andere elektrische Gerätschaften komfortabel genutzt werden. 

Das wissen Senner, Hüttenwirte und Jagdgenossen sehr zu schätzen. Die Produktion sogenannter Coanda-Rechen, die die Wasserfassung vereinfachen und sicherer machen, steht am Beginn eines Projektes, nachdem wissenschaftlich fundierte Daten über Durchflussmengen und Fallhöhen erhoben wurden. Die Rechen sind umweltschonend einzubringen, ohne besondere Landschaftseingriffe vornehmen zu müssen. Die Anlagen werden sozusagen maßgeschneidert geliefert, montiert und in Betrieb genommen. Sogar abgelegene Ortsteile von Gemeinden könnten versorgt werden. Wie zum Beispiel in seinem Heimatort, in dem das Werk mit 80 KW die Energie für rund 100 Haushalte liefert. 

Sein Augenmerk gilt auch sogenannten Trinkwasserkraftwerken. In bestehende Trink-wasseranlagen werden dabei Turbinen zur Stromerzeugung eingebaut. Als Beispiel kann hier eine Anlage bei den Stadtwerken von Deggendorf in Bayern gelten. Die Stromversorgung von Hochbehältern und die Ausstattung mit UV-Wasserreinigungsanlagen zählen ebenso zu seinem Metier. 

Vermehrt am Materialseilbahn tüfteln 

Neben der Nutzung von Wasserkraft hat sich der „Tüftler“ auch der Transportprobleme im alpinen Bereich angenommen. Vermehrt will er sich dem Seilbahnbau widmen und seinen Betrieb schrittweise in beide Richtungen ausbauen. Eine Materialseilbahn auf die Winnebachsee-Hütte ist bereits realisiert, ein großes Projekt im Bereich der Geraer-Hütte ist derzeit im Bau. Stocker, Jahrgang 1966, hat sich die Grundlagen für seine Arbeit in einer Werkzeugmacherlehre im Lechtal geholt. Nach einigen „Strawanzerjahren“ im Ausland hat er sich berufsbegleitend als „Spät-berufener“ dem Studium der Mechatronik gewidmet und sein Diplom absolviert. Die Diplomarbeit natürlich über Wasserkraft, die seit dem den größten Teil seines Arbeitens beherrscht.

Hans Nikolussi

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