Historische Umzüge locken am Wochenende tausende Zuschauer in die Altstadt

"Haben mehr Qualität geboten"

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Auf den Zinnen des Hohen Schlosses zeigen Teilnehmer der Renaissance-Tage, wie damals geschossen wurde.

Füssen – Am Kaiser-Maximilian-Platz, am Schrannenplatz, in der Reichenstraße und im Baumgarten wurde am Wochenende zwei Tage friedlich das Mittelalter gefeiert.

Dem bunten Völkchen der Renaissance-Tage gelang es, extremer Sonne und einer langen Gewitternacht zu trotzen. „Bei uns ging es lustig zu“, so Christiane Schewe vor dem zweiten historischen Umzug, der am Sonntag bei den Zuschauern auf große Begeisterung stieß. Mit dem Ammervolk aus Hohenpeißenberg hatte sie im Zelt Blitz, Donner und Regen getrotzt. 

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Die historischen Festumzüge „Füssen in der Renaissance“ – setzten sich am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag erneut zur Mittagszeit vom Magnuspark im Schritttempo in Richtung Altstadt in Bewegung. Die Menge, die sich an beiden Tagen an der Lechhalde postierte, um die Aufstellung des Zuges zu sehen, wuchs von Minute zu Minute. 

Brütende Hitze 

Hier, ungeschützt im prallen Sonnenschein, glänzte jedes Gesicht. Eine Rüstung tragen, wie es die mitmarschierenden Kaiser Maximilian Ritter gewohnt sind, wurde dagegen ebenso zur Last wie die edlen Roben in Samt und Brokat. Landsknechte und Marketenderinnen kamen – wie in Geschichtsbüchern verbürgt – luftig daher. Ein einsamer Mönch im Habit trug mit guter Laune seinen Bierkrug spazieren. Ein armer Kerl in Fesseln musste hingegen Blut und Wasser schwitzen. 

Die Fußgruppen mit über 500 Teilnehmern – darunter Gäste aus Italien – ernteten lauten Beifall und sogar Jubel beim Publikum. Was hier in Füssen auf die Beine gestellt wurde, verdiente zweifellos das Prädikat wertvoll, wie aus Volkes Munde zu hören war. „Bei uns gibt es so etwas nicht. Das ist ein schöner Zug mit viel Liebe zum Detail“, so kommentierte Martin Narjes das Geschehen, das er als Mitglied einer Touristengruppe aus Norddeutschland miterlebte. Somit huldigte auch Rotenburg anno 2015 Helmut und Emilia Huttenloher. Beide zeigten sich einmal mehr hoch zu Ross.

Viel Wissenswertes 

„Wir waren schon 2008 hier beim Kaiserfest dabei“, sagte Markus Heider von der Fahnen schwingenden Gruppe, die sich nach längerer Pause wieder den Weg aus Kaufbeuren nach Füssen zeigen ließ. Am Stadtbrunnen, wo jede Gruppe gleich zwei Mal vorbei zog, hatte Herold Michael Corneli viel Wissenswertes zu verkünden: über eine Zeit, in der fürchterliche Gemetzel jahrelang angedauert hatten. 

Die Füssener Umzüge wollen demzufolge mehr sein als eine reine Schau höfischer Pracht. Auch die im 16. Jahrhundert herrschenden Schatten werden nicht verschwiegen. Dank Corneli, der auf der Bühne am Stadtbrunnen sprach, kam das Ungeheuerliche der von Wallenstein und anderen Feldherrn geführten Kriege deutlich zur Sprache. 

Großer Beifall 

Hauptsächlich dienten die Umzüge aber natürlich der Unterhaltung. Im Beifall aus dem Kreis vieler Zuschauer sonnten sich edle, tanzende Paare am Brotmarkt. Beim Bummel auf dem Kaiser-Max-Platz wurden im einladenden Dorf der Buden die Gauklerspiele entdeckt. Das Lagerleben im Baumgarten musste in der Nacht zum Sonntag dem Wahnsinnsgewitter trotzen. „Wichtig ist nicht allein, dass der Zug größer geworden ist, sondern auch, dass wir mehr Qualität geboten haben“, so Manfred Wagner. 

Der Kaiser-Darsteller war mitten im Volk zu sehen, dass sich bei der Stadtapotheke über die Falknerei informieren konnte – und Kindern spendierte er nebenan eine Kugel Eis. „Findet der Umzug jetzt jede Woche statt?“, fragte eine Touristin den Veranstalter in der vom Trommelklang erfüllten Altstadt. Die Wirte hatten – auf ausdrücklichen Wunsch von Christian Baumer aus dem Füssener Organisationsteam – die Stühle so gestellt, dass der Zug hier einigermaßen bequem passieren konnte.

Chris Friedrich

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