Erster Schritt ist getan

Patrick Reichler(v.l.) von der Firma Schmid Kläranlagen, Karlheinz Scheibel vom Bauunternehmen Scheibel, Richard Ernst, Vorstansvorsitzender der HST Systemtechnik, Baumamtsleiter Christoph Uhl, Bürgermeister Franz Erhart, Norbert Schmid von Schmid Kläranlagen, Dieter Amann, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Ammann & Bäumler, Planer Josef Waldinger, Wilfried Maag, Bauleiter der Firma Scheibel und Bauleiter des Ingenieurbüros Dipppold und Gerold Dietmar Schröder versammeln sich zum Spatenstich. Foto: Knoll

„Hier hat man ja schon gewütet, war das der Herr Hermann?“, scherzte Nesselwangs Bürgermeister Franz Erhart am vergangenen Dienstag an der Kläranlage Nesselwang. Nachdem man noch schnell einen Spaten besorgt hatte, konnte der Bürgermeister dann den offiziellen Spatenstich zur Sanierung der Kläranlage vornehmen. Die soll laut dem Geschäftsführer der Ammann & Bäumler GmbH, Dieter Ammann, noch vor Weihnachten in Betrieb gehen.

Die Sanierung entspreche „annähernd einem Neubau“, so Richard Ernst, Vorstands- vorsitzender der HST Systemtechnik. Zwar bleibe das Gebäude bestehen, aber die Technik werde komplett erneuert. So werden auf dem Gelände SBR (Sequencing Batch Reactor)-Anlagen gebaut. Der Unterschied zum konventionellem Klärverfahren ist, dass der biologische Prozess und die Sedimentation nicht mehr räumlich, sondern zeitlich getrennt werden. Außerdem können, so Ammann, die Anlagen bedarfsgerecht und somit Energie schonend gesteuert werden. Überwachen kann die Kläranlage dann jeder, dessen Computer eine Berechtigung und einen Internetanschluss hat, fügte Ernst hinzu. Dass die Qualität des Abwassers verbessert werden muss, darauf hat das Wasserwirtschaftsamt die Gemeinde 2004 zum ersten Mal aufmerksam gemacht. Der Grund für die schlechte Qualität sei laut dem Bürgermeister, dass der Mühlbach als sogenannter Vorfluter zu klein sei. Deshalb müsse die 30 Jahre alte Kläranlage relativ niedrige Schadstoffwerte erreichen. Während diese beim Kohlenstoff kein Problem gewesen seien, haben die Bakterien im Klärschlamm zu wenig Stickstoff, Ammoniak und Nitrate abgebaut, als im Abwasser erlaubt sei, erklärte Norbert Schmid von der Betreiberfirma Schmid Kläranlagen. Erst vier Jahre später, als das Wasserwirtschaftsamt seine Einleitungsgenehmigung in den Mühlbach bis 2012 beziehungsweise 2013 beschränkt hatte, sei man, so Erhart, ernsthaft an die Sache herangetreten. Das beauftragte Ingenieurbüro Dippold und Gerold aus Germaringen hatte daraufhin sieben mögliche Varianten für eine Sanierung untersucht und die Kostenschätzung belief sich auf rund 3,6 Millionen Euro. Bei der Ausschreibung hat dann das Ingenieurbüro Ammann & Bäumler einen „Sondervorschlag“ eingereicht, der um fast 600.000 Euro günstiger war. Die drei Millionen Euro teure Sanierung soll, laut dem Rathauschef, jeweils zur Hälfte von Gebühren und einer Beitragszahlung finanziert werden. Das sei, so Erhart, „für alle erträglich“. Außerdem habe man die Kapazität der Anlage aufgrund der Brauereischließungen auf 7000 Einwohner zurückgefahren. Dass man versuche den Bau unfallfrei und termingerecht umzusetzen, versprach Karlheinz Scheibel vom Bauunternehmen Scheibel. Um die Ortsdurchfahrt zur Baustelle zu vermeiden, habe man extra eine Brücke, die „noch im Lager lag“ über den Mühlbach aufgestellt. Am Montag vergangener Woche haben dann die Arbeiten begonnen. „Ein gutes Abwasser zu liefern, ich denke mit der Anlage schaffen wir das“, meinte der Rathauschef. Damit das auch auf längere Sicht gewährleistet werden kann – falls die staatlichen Werte verschärft werden sollten – hat die Anlage noch Platz für eine vierte Stufe, so Ammann. Dann könnte man nachträglich einen Sandfilter und Aktivkohle anbauen, die pharmazeutische Stoffe aus dem Wasser filtern.

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