Schloss Neuschwanstein: Endlich hüllenlos

Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer auf dem großen Bergfried des Schlosses. Dieser wird mit Hilfe eines Ringankers gesichert. Auch dieser Schritt gehört zu den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die jetzt fertig sind. Foto: gau

Schwangau – Für den bayerischen Finanzstaatssekretär ist es der Fingerabdruck bayerischer Geschichte: Schloss Neuschwanstein. Nach über einem Jahrzehnt der Baumaßnahmen und der Verhüllung ist der millionenfach fotografierte Besuchermagnet seit vergangener Woche wieder uneingeschränkt zu besichtigen.

„Was für ein Ausblick“ freute sich Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, nachdem er die Dutzenden Stufen auf den großen Bergfried gemeistert hatte. Es ist der höchste und wohl auch schönste Außenposten des bayerischen Finanzministeriums und als Besuchermagnet auch verläßliche Einnahmequelle. Die aber nach über 100 Jahren allmählich Ermüdungserscheinungen aufwies. 

Insbesondere der Fugenproblematik galt das Augenmerk der Arbeiten, so Thomas Kischke, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt in Kempten. In vier Abschnitten war das Schloss seit 2000 immer wieder eingerüstet worden, um die maroden, 130 Jahre alten Fugen zu sanieren. Teilweise konnte man die Fassadenplatten aus der Wand ziehen, beschreibt Ralf Gehrke die Gefahr. 

Während die Muschelkalk-Platten, die seinerzeit im Schwanseepark abgebaut worden waren, relativ unbeschädigt geblieben sind, bereiteten vor allem die Fugen, gerade im basalen Bereich dem extrem rauen alpinen Klima ausgesetzt, den Experten Sorge. So mussten in den vergangenen 13 Jahren die Fassade, immerhin 14.000 Quadratmeter, zunächst vermessen werden. 

Wozu auch digitale Scanner, teilweise mit Helikopterhilfe, zum Einsatz kamen. Desgleichen wurden auch die Innenräume gescannt, sodass nunmehr ein komplett digitaler Bauplan und Grundriss des Schlosses, das König Ludwig um 1869 bauen ließ, vorliegt. Anschließend wurden die Gerüste, auch auf der Schluchtseite des Schlosses in Stellung gebracht, um den Handwerkern den Zugang zur Baustelle zu ermöglichen. Hier seien nur hoch qualifizierte Mitarbeiter zum Einsatz gekommen, keine Leiharbeiterfirmen. 

Fünf Millionen Euro investierte das Ministerium in die Sanierungsmaßnahmen, die unter anderem auch Anker umfasst, mit denen etwa der Bergfried gesichert wurde. Aufgrund des Eigengewichts, so Kischke, hätten sich die Mauern nach außen gedrückt, nunmehr hält ein Ringanker das Mauerwerk zusammen. An Spitzentagen zähle man hier um die 8000 Besuchern, so Pschierer über das Alleinstellungsmerkmal Bayerns, mit dem man in allen Auslandsniederlassungen des Freistaates werbe. 

Er hob auch die Technik, die im Schloss verbaut wurde, hervor. Ludwig sei ein Technikaffiner Mensch gewesen, so Pschierer, und diese Technik verleihe dem Schloss auch die schwebende Leichtigkeit, mit der es nun, nach der Verhüllung, wieder auftreten könne. Damit sei nun auch die Zeit enttäuschter Besucher vorbei, die nur ein verhülltes Schloss vorgefunden hätten, so der Staatssekretär. Zu tun wird es allerdings auch weiterhin viel für die Mitarbeiter des Bauamtes geben. So beträgt allein der jährliche Bauunterhalt eine Viertel Million Euro. gau

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