Beim Derblecken liegt vor den Pilgern ein beschwerlicher "Iacob(s)weg"

Auf dem Weg "vom Iacob weg"

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Bissig, ironisch, sarkastisch: Reinhold Kahle (v.l.), Michael Jakob, Magnus Peresson und Wolfgang Dzierzon beim „Frisör“.

Füssen – Beim traditionellen Starkbieranstich nicht derbleckt zu werden, bedeutet für einen Politiker in der Regel nichts Gutes. Entweder ist er zu unbedeutend oder er besitzt zu wenig Persönlichkeit, um wahrgenommen zu werden.

So gesehen steht es um Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bestens. Denn vor allem auf ihn schossen sich die Kabarettisten beim Derblecken im Hotel „Hirsch“ ein. Diesmal begegneten sich die Fünf am Abend des Aschermittwoch als Pilger auf dem langen und beschwerlichen „Iacob(s)weg“. Dafür war ihnen der tosende Applaus des Publikums aber gewiss. „Füssener G’schichten beim Frisör“ heißt die beliebte Kabarettreihe, die seit vielen Jahren in der Starkbierzeit im „Hirsch“ stattfindet.

Derblecken im Hirsch

 Rund 150 Zuhörer waren am Aschermittwoch der Einladung von Christine Bletschacher und ihrer beiden Kindern Eva und Harald Schwecke gefolgt. Sie erlebten mit Magnus Peresson, Michael Jakob, Wolfgang Dzierzon, Reinhold Kahle und Musiker Roland Kurz eine Kabaretttruppe auf dem „Iacob(s)weg“ – oder vielmehr auf dem Weg „vom Iacob weg“ – und in Hochform. Kaum ein kommunalpolitisches Thema oder Protagonist war vor ihrer bissigen, nicht immer politisch so ganz korrekten Ironie sicher. 

Den Anfang machte Reinhold Kahle als Stadtpolizist, der die Anwesenden nachdrücklich darauf hinwies, dass in Füssen und vor allem im Stadtrat Lachen streng verboten sei – vor allem für Ehrenbürger. Für Ordnung in der Stadt sorge da schon allein „die Carmen“ (Settele), die die Einhaltung der Satzungen strengstens kontrolliere: „Werbebanner unbefugt: 15 Euro. Dreieckständer unbefugt: 30 Euro. Kleiderständer über dem Limit: 35 Euro!“ Man sei „schließlich nicht auf einem orientalischen Basar“. 

Was dann kam, musste unweigerlich kommen: Das Quintett zog den Wirbel um den neuen Bahnhof sowie einige andere Bauprojekte des Unternehmens Hubert Schmid (dessen Geschäftsführer Florian Schmid ebenfalls anwesend war und durchaus mitlachen konnte) durch den Kakao. 

Nicht gut weg kam auch der abgewählte Ex-Landrat „Johann der Weinerliche“ oder „Johann ohne Land“ Fleschhut, dem mit dem Ausbau der Straße zwischen Seeg und Lengenwang immerhin „Das Wunder von Seeg“ gelungen sei. 

Wunder am Kapellenberg 

Im „Tal des Wunders“ wähnten sich die Pilger hingegen in Bad Faulenbach, wo die Schneeräumung am Kapellenberg des „Baron Haumichblau“ wundersamerweise perfekt funktioniere. An die Geschichte von „Don Camillo“ erinnerte sie dagegen der Streit des Lechbrucker Pfarrers Drosihn („Ein Mann voller Frohsinn ist Pfarrer Drosihn.“) mit der Füssener Stadtverwaltung wegen eines Knöllchens, das er für Parken am Thersienhof bekam. „Wie bei Don Camillo – ein roter Bürgermeister gegen einen schwarzen Pfarrer“, sinnierten die Fünf und befanden: „Bei der Geschichte hätte man ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl walten lassen sollen!“ 

Die Dauerbaustelle in der Hinteren Gasse, das Schwanken des Baumkronenwegs, eine Drogenrazzia und eine verirrte Schneeschuhwanderin am Tegelberg waren weitere Themen, die die Pilger pointiert und bissig auseinandernahmen. 

Zum Ende seines mit viel Applaus bedachten Auftritts blickte das Quintett in die Zukunft, genauer in das Jahr 2020, das Jahr, in dem sie vom „Iacob(s)weg“ zurückkehren bzw. die Amtszeit des Bürgermeisters endet. Füssen werde dann schuldenfrei sein, da Hubert Schmid dann auch noch das Kloster St-Mang gekauft und die Stadtverwaltung es von der Firma geleast habe.

Alles wird besser 

Die Verkehrsprobleme werden in fünf Jahren ebenfalls gelöst sein, denn: „Der Schlösserverkehr wird durch den Grenztunnel gelotst und dann durch den Ammerwald vorbei an Linderhof, Ettal, Unter- und Ober- und so weiter und von Buching her in die neue Unterwassergarage in der Brunner Bucht geschleust. Von hier wird dann nach Hohenschwangau geshuttlet, und zwar stündlich.“ Nicht ganz so gut werde es allerdings wohl mit der Wasserversorgung aussehen, denn der Füssener Brunnen sei bis dahin von Separatisten aus Hohenschwangau und Altersschrofen besetzt worden. 

Zumindest hätten aber die Herren Huttenloher und Wagner bis dahin den „Frieden vom Ziegelanger“ geschlossen. Weitere Aufführung im „Hirsch“ finden am Samstag, 28. Februar, und Freitag, 6. März, statt. Um Reservierung wird gebeten.

Matthias Matz

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