Steigende Zahl der Asylbewerber stellt ehrenamtliche Helfer zunehmend vor Probleme

AK Asyl kommt ans Limit

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Im Gespräch über Hilfe für Flüchtlinge: Martina Ruhland (links). Die Caritas-Mitarbeiterin hält das Eingangsreferat beim Info-Abend in Füssen.

Füssen – Der Arbeitskreis Asyl stößt an seine Grenzen. Das wurde jetzt bei der Info-Veranstaltung „Flüchtlingsarbeit” deutlich. So könne er nicht mehr jedem Flüchtling einen Deutschkurs anbieten. Auch bei der Wohnungssuche tun sich Flüchtlinge schwer.

Hier seien sie „fast chancenlos” hieß es jetzt im „Haus der Begegnungen”. Neben seinem Frust berichteten die Beteiligten aber auch über Erfolgserlebnisse. Referenten waren Martina Ruhland von der Caritas, Elke von Schönfeldt und Ingrid Stubbe vom Arbeitskreis Asyl. Die Leitung hatten Pfarrer Joachim Spengler und Diakon Christoph Schwarzer. 

Was wie Unzuverlässigkeit bei Asylbewerbern aus afrikanischen und anderen Ländern wirke, sei oft nur auf die großen Verständigungsschwierigkeiten zurückzuführen. Die Einheimischen, die sich ehrenamtlich engagieren, brauchen deshalb viel Geduld, bis es selbstverständlich sei, dass Termine pünktlich wahrgenommen werden. Über solchen Frust, aber auch über etliche Erfolgserlebnisse berichtete das Publikum bei der Veranstaltung in der Kirchstraße. 

Drei Einsatzfelder in der „Flüchtlingsarbeit“ wurden den 40 Teilnehmern vorgeschlagen: Hilfe zur Selbsthilfe beim Fahrradreparieren, Sprachpatenschaften sowie „Gestaltung eines wöchentlichen Treffpunkts“ unter dem Motto „Internationales Café“. 

Zu wenig Deutschkurse 

Eingeladen hatten der Ökumenische Arbeitskreis Füssen und sein aktiver Partner, der Asylkreis, der sich seit September 2013 engagiert. Dieser lockere Verbund wurde hauptsächlich durch seinen Deutschunterricht bekannt. „Pro Kurs stehen 500 Euro zur Verfügung, die für Lehrmaterialien ausgegeben werden. Kein Lehrer bekommt hier fürs Engagement Geld“, stellte Ingrid Stubbe klar, weil es diesbezüglich schon ein Missverständnis gab. Der Arbeitskreis Asyl, für den sie das Wort ergriff, begrüße es, dass zusätzlich ein Kurs von Profis angeboten werde. 

„Wir haben als kleine Gruppe mit dem Unterricht begonnen, sind gewachsen, aber trotzdem nicht mehr in der Lage für alle in Füssen untergebrachten Flüchtlinge den wichtigen Deutschunterricht anzubieten“, sprach Stubbe über Grenzen, die das Ehrenamt derzeit in diesem Bereich erfahre. Nach Angaben von Martina Ruhland von der Caritas, die zwei Mal in der Woche in Füssen Sprechstunde abhält, leben 179 Asylbewerber in der Stadt. Die Tendenz ist steigend. „755 Menschen sind es im gesamten Ostallgäu. Es sind 31 unbegleitete Minderjährige hier“, so die hauptamtliche Asylsozialberaterin. 

Nach ihren Angaben sind in Deutschland 141.000 Asylverfahren am Laufen. Bis es zu einer klaren Entscheidung komme, könne es viele Monate dauern. Die Bewerber stehen während dieser Zeit unter enormen Druck. Die Gefahr, während des Wartens seelisch krank zu werden, sei groß. Die Info-Veranstaltung, die sehr sachlich verlief, moderierte Diakon Schwarzer aus der Pfarreiengemeinschaft Füssen. 

Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) erinnerte an die Nazi-Zeit, als aus Deutschland viele Verfolgte geflüchtet sind. „Wir sind in der Lage, Menschen aus vielen Ländern zu helfen, die dringend Schutz und eine neue Perspektive brauchen“, betonte er. 

Schwierige Integration 

Wie Elke von Schönfeldt aus dem Arbeitskreis Asyl ausführte, sei es sinnvoll sich am Seeger Vorbild der Sprachpatenschaft zu orientieren. „Einmal wöchentlich mit einem Jugendlichen zu sprechen, zum Beispiel über Hausaufgaben, fördert die Integration“, gab sie ein typisches Beispiel dafür, was ein solcher Pate tun könne. Ideen zur Freizeitgestaltung seien hier immer gefragt, so von Schönfeldt weiter. Schwierig, ergänzte Ingrid Stubbe, sei es leider „Asylbewerber und Füssener Vereine zusammenzubringen“. Erste Erfolge zeigten sich dagegen mit Blick auf Jobs. „Die Asylbewerber, die als erste hierher eingeteilt wurden, sind heute überwiegend beschäftigt. Nur Personen mit Deutschkenntnissen kann der Schritt in die Arbeitswelt gelingen.“ 

"Fast chancenlos" 

„Fast chancenlos“, so hieß es weiter, seien die Asylbewerber in Füssen und Umgebung bei ihrer Wohnungssuche. Das gelte insbesondere für Familien mit Kindern. „Da muss was passieren“, reagierte Pastor Günther Wolke von der Freien Evangelischen Gemeinde auf die behördliche Maßnahme Asylbewerber mit dem Zug von München nach Füssen zu schicken. Ohne eine Begleitung, nur mit ihrer Unterkunftsadresse in den Händen, kommen sie dann schließlich in der Lechstadt an. Stubbe erklärte: „Wir kennen die Ankünfte nicht. 

Deshalb können wir nicht da sein, um die Menschen, die hier völlig fremd sind, freundlich abzuholen.“ Mutig weiter das Engagement „in christlicher Nächstenliebe fortzuführen“, dazu appellierte Pfarrer Joachim Spengler im Schlusswort. Er sagte: „Wir alle sind Kinder Gottes.“

Chris Friedrich

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