Schwangaus Altbürgermeister übernimmt die Nachlassverwaltung von Karl Singer

Sontheimer folgt auf Merk

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Mit dem Forggensee verband Karl Singer sehr viel, deshalb treffen sich Christine Velle (v.l.), Altbürgermeister Reinhold Sontheimer und Ernst Walz sowie Magnus Perreson und Stefan Rinke, um die Arbeit Zeno Merks (Mitte in blau) zu würdigen.

Schwangau – 25 Jahre lang war der Füssener Zeno Merk Vorsitzender der „Karl Singer Stiftung“ und quasi Nachlassverwalter des Schwangauer Ehrenbürgers und Fotografen, der bis zu seinem Tod das Leben im Dorf im Foto festgehalten hat.

„Aus Altersgründen“, wie Zeno Merk bei einem Essen zu seinen Ehren meinte, gebe er das Amt nun ab. Sein Nachfolger wurde Altbürgermeister Reinhold Sontheimer.

Die Geschichte von Zeno Merk ist fest verknüpft mit der von Karl Singer. Denn ohne Zeno Merk gäbe es keine Stiftung. Ohne ihn wäre das Erbe des Karl Singer wohl nicht erhalten geblieben und damit zahlreiche Dokumente, vor allem Fotografien, Dias, Negative und Alben aus der Zeit zwischen 1930 und den späten 1980-iger Jahren vernichtet worden. Denn als einer der ersten hielt Karl Singer das Leben in Schwangau mit seiner Filmkamera, einer Rolleiflex, fest.

Geschätzt zwischen 50.000 und 80.000 Aufnahmen beherbergt das Archiv der Singerstiftung, die Zeno Merk seinerzeit nach dem Tode Singer gegründet und geführt hat. Wobei erst die Drohung, das Material dem Verein Alt-Füssen zu überlassen, die Wege für die Stiftung und die Arbeit Merks bereitet hatte.

Die Familien- und Erbschaftsverhältnisse machten es nötig, dass eine Person sich um die Hinterlassenschaft Singers seinerzeit kümmerte, erzählt Zeno Merk den Interessierten. Es sei darum gegangen, dass das „geistige Erbe erhalten bleibt für die Gemeinde Schwangau“, so Merk bei seiner Verabschiedung. Für diese hatte Bürgermeister Stefan Rinke mit Bedacht den Gasthof am See in Waltenhofen gewählt.

Denn zum Forggensee hatte Karl Singer ebenfalls eine besondere Beziehung. Einerseits geben nur seine Fotos noch Zeugnis davon, wie das Leben in den Ortsteilen Deutenhausen und Forggen, die heute unter den Wassermassen des Stausees verschwunden sind, ausgesehen hat.

Geld für Infrastruktur

Andererseits ist es auch Karl Singer zu verdanken, dass die Gemeinde vom Bau profitierte, hatte doch Singer den Schwangauer Vertrag durchgesetzt, in dem der Verkauf der Grundstücke geregelt wurde.

Darin wurde auf die Aufdeichung Brunnens verzichtet und der damalige Betreiber, die BAWAG, zur Zahlung von gut 1,5 Millionen DM für die Verbesserung der Infrastruktur Schwangaus, etwa dem Bau der Grundschule sowie der Kläranlage, verpflichtet, wie in der Chronik Schwangaus nachgelesen werden kann. Deshalb auch meinte Merk, der vor 30 Jahren in den Nachbarort zog, dass die Nachlassverwaltung „bloß a Schwoagar“ machen könne und übernahm bis zur Gründung der Stiftung 1991 pro Forma die Aufgabe nach dem Tode Singers 1988. Hatte Karl Singer zu seinen Lebzeiten schon seine Bilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, übernahm diese Aufgabe dann schließlich der frühere Kurdirektor Schwangaus, Georg „Schorsch“ Grieser.

Es dürfte kaum einen Gast geben, der nicht einen der unvergessenen Vorträge Griesers gehört und dazu die einzigartigen Bilder Singers gesehen hat – sei es nun die Heuernte im Bereich des heutigen Forggensees oder die Fahrt mit dem Schneepflugschlitten durch das Mitteldorf, vorbei an Singers Haus. Grieser war unter Zeno Merk der Kurator der Sammlung, mittlerweile abgelöst durch Christine Velle und Ernst Walz, die nach wie vor die zahlreichen Bilder katalogisieren. Vor allem versuchen sie aber, die Namen der auf den Bildern zu sehenden Personen festzuhalten.

Dank an Merk

 Ein Umstand, den auch Reinhold Sontheimer erwähnte, verblasse doch mittlerweile die Erinnerung an die Personen von einst. Dabei seien neben dem Aufnahmedatum vor allem eben der Ort und die Beteiligten interessant. Sontheimer, wie auch sein Amtsnachfolger Stefan Rinke, dankten Merk für die gute Zusammenarbeit in all den Jahren. „Die Chemie hat gestimmt“, unterstrich der Altbürgermeister, und betonte, dass es für die Arbeit Fachleute gebraucht habe, eben wie einen Georg Grieser mit seinen Vorträgen, den mittlerweile verstorbenen Heimatforscher und -pfleger Hermann Pfeiffer, oder jüngst auch den Filmemacher Klaus Roeder, der Christine Velle und Ernst Walz mit dem Scannen der Bilder unterstützt. Gerade erst habe man Angebote erhalten, so Rinke, für eine professionelle Bearbeitung der so unterschiedlichen Bildträger, damit diese, insbesondere die Papierbilder, vor dem Verfall bewahrt werden könnten.

Auch Merk bedankte sich für die Zusammenarbeit. Er meinte, „es war mir ein Vergnügen. Die Unterstützung ging zu Herzen und war wohltuend“. Solchermaßen sei die Aufgabe eben keine Last, sondern eben ein Vergnügen gewesen und er habe sich immer wohl gefühlt. Mit der Wahl Reinhold Sontheimers schaut die Stiftung nun wieder in die Zukunft. Zuletzt waren insbesondere die Vorgaben bezüglich der Erben immer schwerer einzuhalten gewesen. Die Aussichten seien sehr gut, waren sich die Beteiligten einig.

Mittlerweile genießen historische Fotos auch wieder einen größeren Stellenwert als noch vor einigen Jahrzehnten, als man sie möglichst schnell entsorgen wollte, wie Stefan Rinke berichtete. Insbesondere bestehe nun die Möglichkeit, diese Bilder dank der modernen Technik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so Rinke. Entsprechende Ideen gibt es bereits, etwa die Neuauflage von Büchern oder neue Bildbände. Das aber werde die Zukunft zeigen.

Oliver Sommer

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