Festival "vielsaitig"

Synthese aus Alter Musik, Rock und Jazz

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Partner bei der Reise durch die Musikgeschichte: Marthe und Hille Perl (v.l.) mit dem Gitarristen Lee Santana und ihren elektrisch verstärkten Instrumenten im Kaisersaal.

Füssen – Über hundert Besucher freuten sich beim Festivals „vielsaitig“ auf eine erneute Begegnung mit Hille Perl. Diese hatte an der Gambe in Füssen vor einem Jahr zu den zahlreichen Mitwirkenden gehört, die im Museum die „Kunst der Fuge“ zelebriert hatten.

Heuer präsentierte Perl und ihr Ensemble eine Synthese aus Alter Musik, Pop und Jazz. Dem Publikum gefiel das professionell gestaltete Programm des Trios mit Perls Tochter Marthe (Streichinstrumente) und ihrem Lebenspartner Lee Santana an der Gitarre nicht nur gut, sondern sogar glänzend. Der Dank drückte sich im tosenden Beifall, erst zum Konzertschluss und nach der Zugabe aus. Die Fantasie der begeisterten Zuhörer ließ bei den voraus gegangenen Tanzstücken eher eine dörfliche Szene und keine Bilder eines Hofballs für kurze Zeit vorüber flimmern.

In ihrer Begrüßung hatte Hille Perl, die Lady in Black an der Gambe, dem Füssener Publikum bescheinigt, dass man „äußerst mutig“ sei, weil sich der Auftritt im experimentellen Bereich abspielen werde. Das gut eingespielte Ensemble forderte die Zuhörer aber nicht durch ungewöhnliche Ton-Experimente. Selbst Kammermusik-Puristen dürften sich keineswegs durch die Synthese des historischen Materials ab 1400 mit Rock der 1970er Jahre und elektronischem Klang aus der Neuzeit provoziert gefühlt haben.

Auch wer – wie eine Dame auf dem Weg in die Pause kommentierte – „diese Mischung noch nie gehört hatte“, ließ sich Perls großer Kunst als neu gewonnener Fan anschließen. Kritik am Abend hatte die Instrumentalistin geschickt vorgebeugt. Mit der Programmüberschrift „Born to be mild“ wurde signalisiert: Gitarrist Lee Santana würde nicht den Spuren der wilden Gruppe „Steppenwolf“ folgen. Dafür bekam jeder im Alter um die 60 Jahre Gänsehaut, weil das E-Gitarrespiel an Peter Green erinnerte, den Gründer von „Fleetwood Mac“.

In der ersten Stunde, die geschlossener als der zweite Programmteil wirkte, klang Perls Ensemble manchmal wie die Band „Velvet Underground“ mit John Cale an der Viola. Nach der Pause verbeugte sich das Trio vor dem Genie des Bassisten Charlie Haden, der 2014 verstorben ist. Von dem Haden-Titel „Silence“ zu Eigenkompositionen Lee Santanas wirkte der stilistisch Wechsel etwas zu abrupt, um später mit den gängigen Melodien eines Egberto Gismonti, Jahrgang 1947, und John Playford (1623 -1686) den gelungenen Abend ausklingen zu lassen.

Chris Friedrich

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