Arbeitskreis Asyl eröffnet "Radlgarage" in Füssen West

Integrationsprojekt zur Selbsthilfe

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Otto Siegfried Wilkening vom Arbeitskreis Asyl (rechts), stellt die Zielsetzung des Projekts „Radlgarage“ in Füssen-West vor. In der Fahrrad-Werkstatt arbeitet auch Zacher Kalaji (links) aus Syrien mit.

Füssen – Die „Radlgarage“ in Füssen West hat jetzt offiziell ihren Betrieb aufgenommen. Bei der Eröffnung der Werkstatt übergab der Arbeitskreis Asyl 57 Räder, die unter anderem Christian Vogel verkehrssicher hergerichtet hatte, an Asylbewerber. Diese bedankten sich auf Deutsch dafür.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Lions Club, die christlichen Kirchen und zahlreiche weitere Unterstützer im Füssener Land haben das soziale Projekt möglich gemacht.

Über die kleine Werkstatt sagte Otto Siegfried Wilkening vom Arbeitskreis Asyl: „Das ist ein richtungsweisendes Integrationsprojekt für Flüchtlinge in Füssen, das zur Selbsthilfe dient.“ Wilkening sprach als Projektleiter bei der Eröffnung Reparatur-Werkstatt, die in einer Garage untergebracht ist.

Ganz praktisch nahm dieses Projekt, bei dem die Verkehrssicherheit die zentrale Rolle spielt, jetzt Fahrt auf. Vor dem Wohnhaus in Füssen-West, wo früher eine Pizzeria die Anlaufstelle war, erlebten Besucherscharen, wie die Fahrräder verteilt wurden. Die Übergabe erfolgte nach festgelegten Regeln. Wer ein Radl wollte, musste zum Beispiel ein Sicherheitsschloss vorweisen. Für jedes gekennzeichnete Fahrrad, das nach der Reparatur in neue Hände kam, wurde ein Geldpfand hinterlegt. Ein Fahrradpass wurde nach dem Sicherheitscheck ausgefüllt. Ingrid Schlosser vom Arbeitskreis Asyl betont: „Es sind zwei gelbe Streifen, die als Zeichen für ein in der Werkstatt repariertes Rad dienen.“

 Christian Vogel versteht sich nicht als Chef der Werkstatt, aber er sorgt dafür, dass der Laden läuft. „Wir haben viel Arbeit hier“, weiß Zaher Kalaji aus Syrien. „Das Licht muss funktionieren.“ Der junge Mann habe das Zeug zum Gesellen, wie Vogel in der Zusammenarbeit feststellte. „Zaher hat geschickte Hände“. Der sieht das Herumbasteln aber „nur als Hobby“ an. Zahers Traumberuf ist Physiotherapeut, weiß Vogel.

Während beide Männer eine defekte Bremse in Angriff nehmen, zeigen draußen vor der Werkstatt ausländische Jugendliche, die jetzt in Füssen wohnen, Mut: Sie bedanken sich in Deutsch fürs Fahrrad, das ihnen Wege zur Schule oder zur Arbeit erleichtern wird. „Das Projekt ist sehr wichtig. Wir haben 2500 Euro gespendet, damit die Werkstatt das notwendige Material kaufen kann. Zur Anschubfinanzierung haben wir außerdem noch 1000 Euro gespendet“, so Christine Wälzholz, amtierende Präsidentin des Lions Clubs.

Brigitte Protschka, Ortsvorsitzende von der AWO Füssen-Schwangau, begrüßte ebenfalls den Aufbau der Werkstatt. Sie sagte auf Nachfrage, dass 500 Euro von der AWO in das Projekt geflossen sind. Von Projektleiter Wilkening gab es auch ein Dankeschön für die Sachspenden aus dem Werkzeugkasten, die griffbereit im Regal liegen.

Werkstattteam aufbauen 

Dass die Werkstatt gut gestartet ist, zeigt der Blick auf den ausgehängten Wochenplan, der Öffnungs- und Einsatzzeiten festhält. Zaher, der fingerfertige Syrier, erklärt derweil einem Landsmann, wie man mit einem Reifenplatten umgeht. Im Gespräch mit dem Kreisbote stellt Werkstattleiter Vogel klar: „Ich verstehe mich nicht als Samariter. Meine Motivation ist, Menschen kennen zu lernen.“ Der Pensionär war Berufssoldat. „Ich war im technischen Bereich zu dieser Zeit auch einmal im Auslandseinsatz. Jetzt können wir in Füssen ein gutes Werkstattteam aufbauen, das aus Flüchtlingen und Deutschen besteht.“

Chris Friedrich

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