AWO-Familienforum erhält Zuschlag für Familienstützpunkt

"Der Bedarf ist da!"

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Ein gutes Dutzend junger Mütter und ihre Kinder trifft sich immer donnerstagsmorgens im AWO-Familienforum in der Spitalgasse 8.

Füssen – Um zehn Uhr ist im Erdgeschoss in der Spitalgasse 8 die Hölle los. Babys, Kleinkinder und ihre Mütter – alles schreit, weint, lacht und redet gleichzeitig. Dazu klappert und klirrt das Geschirr.

Ein gutes Dutzend junger Mütter trifft sich an diesem Morgen mit ihren Kindern im AWO-Familienforum, um gemeinsam zu frühstücken und sich unter Gleichen auszutauschen. „Für Mütter ist das einmal in der Woche ein entspanntes Frühstück“, sagt Meike Selig, selbst zweifache Mutter und Leiterin des Familienforums. 

Bis Dienstagabend vergangener Woche wusste sie jedoch nicht, ob die Einrichtung über das Jahresende hinaus Fortbestand haben wird. Erst da einigte sich der Finanzausschuss des Stadtrates einstimmig und ohne Diskussionen darauf, dem AWO-Familienforum den Zuschlag für die Einrichtung eines Familienstützpunktes des Landkreises Ostallgäu im kommenden Jahr zu geben. Mit 2000 bis 3000 Euro pro Jahr wird die Stadt den Familienstützpunkt ab dem kommenden Jahr finanziell unterstützen. Der Vertrag gilt zunächst für ein Jahr. Das Landratsamt in Marktoberdorf bezuschusst die Personalkosten mit jährlich maximal 12.000 Euro. Für familienbildende Angebote stellt es ein Budget von 2000 Euro pro Jahr zur Verfügung. 

Ein Grund für die jetzt schnell getroffene Entscheidung zugunsten der AWO-Einrichtung war auch, dass ein Mitbewerber, die Bürgerspital Vermietungs GmbH, sein Bewerbung Ende September zurück gezogen hatte. 

Bei Meike Selig und den jungen Müttern, die jeden Donnerstagmorgen in die Spitalgasse 8 kommen, ist die Erleichterung daher groß. Sie hatten bereits befürchtet, dass das Familienforum Ende des Jahres schließen muss, hätte sich der Ausschuss für die Bürgerspital Vermietungs GmbH als Standort für den Familienstützpunkt des Landkreises entschieden. „Wenn die Stadt gesagt hätte, das Bürgerspital bekommt den Zuschuss, hätten wir das hier nicht weiter finanzieren können“, ist sich Meike Selig sicher. 

Angst vor Schließung 

Als im September bekannt wurde, dass sich auch die Bürgerspital Vermietungs GmbH für den Stützpunkt bewirbt, war nämlich deshalb Unruhe unter den jungen Müttern aufgekommen. Gerüchte von einer drohenden Schließung des Familienstützpunktes machten die Runde, schließlich fingen die jungen Frauen an Unterschriften für den Erhalt der Einrichtung zu sammeln. Bis Dienstag vergangener Woche waren es bereits an die 125. 

Angebot wird erweitert 

Letztlich war die Sorge aber unbegründet. Auch Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU), der im Finanzausschuss Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vertrat, ließ keine Zweifel aufkommen. „Es stand nicht zur Debatte, dass das Familienforum geschlossen wird!“, betonte er. „Wir sind glücklich, dass die Stadt gezeigt hat, dass das Forum wichtig für Füssen ist“, freut sich Meike Selig über die Entscheidung des Ausschusses. „Das ist ein wichtiges Signal! Wir setzen damit im Ostallgäu ein Zeichen.“ 

Verschiedene Stadträte hatten sich bereits in vorherigen Sitzungen dafür ausgesprochen, den Familienstützpunkt an die AWO-Einrichtung in der Spitalgasse anzuschließen (der Kreisbote berichtete). Schließlich mache das Familienforum im Wesentlichen schon lange das, was die Familienstützpunkte künftig erledigen sollen – die Erziehungskompetenz der Eltern stärken. Tatsächlich wird sich für Meike Selig und ihre Helfer mit der Einführung des Familienstützpunktes im kommenden Jahr in der Praxis zunächst einmal nicht viel ändern. 

Denn vieles von dem, wofür der Stützpunkt eingerichtet werden soll, werde donnerstags in der Spitalgasse 8 bereits praktiziert, erklärt sie. „Wir machen da schon sehr viel.“ Mit der Einführung des Familienstützpunktes soll das Beratungs-, Vernetzungs- und Kursangebot für junge Eltern in der Spitalgasse jedoch erheblich erweitert und verbessert werden, kündigt sie an. „Wir möchten das Familienforum dadurch auch etwas weiter ausbauen.“ Wichtig sei, dass junge Eltern eine Anlaufstelle in Füssen hätten. „Der Bedarf ist da!“, betont Selig.

Matthias Matz

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