Verlorene Schätze sind zurück

Gerhard Gingele (rechts) erklärt Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller (Mitte) und Bürgermeister Paul Iacob am Heiligenbild des Gutlacus, wie er die Bilder restauriert hat. Foto: Knoll

Füssen – Fünf Heiligenbilder hat die Stadt Füssen als Dauerleihgabe vom Kloster Neresheim erhalten, restauriert und nun der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ölgemälde gehörten ursprünglich in die steinernen Deckenmedaillons im Kloster Sankt Mang, doch sie gingen bei der Säkularisation verloren.

Germanus greift in seinen Beutel, holt eine Münze heraus und legt sie in die Schüssel des Bettlers, der vor ihm kniet: Dieses und vier andere Heiligenbilder hat die Stadt Füssen kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert. Sie gingen bei der Säkularisation des Klosters 1803 mit 328 anderen Heiligenbilder verloren. Wo die geblieben sind, das weiß laut Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller keiner. Und nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass fünf davon überhaupt ihren Weg zurück nach Füssen gefunden haben. Im März 2012 besuchte der damalige Abt des Klosters Neresheim, Norbert Stoffels, Sankt Mang, bemerkte die leeren Steinmedaillons und erinnerte sich, dass in seinem Archiv noch fünf Gemälde lagerten, die da hineinpassen könnten. 

Ursprünglich hatte Pater Emeran von Turn und Taxis sie mit ins Kloster gebracht, doch keiner wusste woher sie stammen. Also maß man die Medaillons aus und siehe da, die Bilder passten genau hinein. Außerdem sei die Malweise die gleiche wie bei den Bildern im Kapitelsaal, erklärte Riedmiller. Weil der bei der Säkularisation zur Kirche gehörte, blieben die Bilder dort erhalten. Auch zwölf Freskos, die im gleichen Stil gehalten sind, sind noch im Colloqium zu sehen. Der Rest der Tagesheiligen wurde bei der Säkularisation wohl mit den anderen Wertgegenständen flussabwärts in die Harburg, dem Stammschloss des Fürstenhauses Öttinger-Wallerstein, gebracht. 

Die wiedergefundenen Gemälde der Benediktinerheiligen Germanus, Toto, Gutlacus, Goderanus und Paulus erschuf 1719 Paul Zeiller aus Reutte. Für seine 16 Heiligen erhielt er damals laut den Rechnungsbüchern 32 Gulden, was „relativ viel Geld für damalige Verhältnisse war“, so Riedmiller. Orientiert hat sich der Maler dabei an den Kupferstichen aus dem Buch „Kalendarium Annale Benedictinum“, das sich damals im Besitz des Klosters befand. Vereinfacht und plakativ bannte er sie anschließend auf die Leinwand. 

Die Heiligen sollten als Vorbilder für die Mönche dienen, so Riedmiller. Jeden Tag wurde an die Verdienste eines anderen gedacht. „Es ist interessant, was für die Möche im 18. Jahrhundert als Vorbild galt. Für uns ist es großartig aus dieser Zeit Gemälde zu haben“, erklärte der Kulturamtsleiter. Die befanden sich aber in einem „desolaten Zustand“ als sie nach Füssen zurückkehrten, erklärte Restaurator Gerhard Gingele. Deshalb hat er sie während der vergangenen fünf Monaten unter anderem gereinigt, ausgekittet und die Leinwandrisse verschweißt. Zu sehen sein werden die Bilder künftig im Zuge des Interreg-Projektes „Schatz- und Wunderkammern am Lech“ im Museum der Stadt Füssen. kk

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