Spatenstich im Füssener Westen

Startschuss für sozialen Wohnungsbau

Gemeinsam vollziehen sie den Spatenstich für die neuen Sozialwohnungen im Füssener Westen: Architekt Norbert Pracht (v.l.), Bernhard Dopfer (Geschäftsführer Siedlungswerk), Mario Dalla Torre, Manfred Kreisle (Sparkasse), Füssens Rathauschef Paul Iacob sowie Karl- Heinz Elsner und Martin Haf (beide Siedlungswerk). Foto: Sommer

Füssen – Erstmals seit 23 Jahren wird in Füssen wieder sozialer Wohnraum geschaffen. Mit einem Spatenstich hat das Siedlungswerk Füssen jetzt den Bau für elf Sozialwohnungen begonnen. Es sei höchste Zeit für bezahlbaren Wohnraum, so Vorstand Karl-Heinz Elsner. Das Vorhaben gefällt aber nicht jedem.

Durchschnittlich 5,25 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche müssen die künftigen Mieter der neuen Wohnungen künftig bezahlen. Genossenschaftliche Mietwohnungen, wie Mario Dalla Torre, Vorstandsvorsitzender der Bau- u. Siedlungsgenossenschaft eG (BSG Allgäu) in Kempten, betonte. Die BSG-Allgäu war mit der Planung und der gesamten technischen Abwicklung der Baumaßnahme vom Siedlungswerk beauftragt worden. Genossenschaften wie die BSG oder das Siedlungswerk „schaffen für möglichst viele Menschen lebenswerten, dauerhaften und sicheren Wohnraum“, unterstrich Dalla Torre. Eine Kommune wie Füssen dürfe sich aus seiner Sicht glücklich schätzen, solch ein Wohnungsunternehmen vor Ort zu wissen. Die angestrebten Mieten lägen wesentlich unter dem Marktniveau bei Neubauten in der Stadt Füssen. 

Wie dringend der Bedarf für solchen Wohnraum ist, hatte zuvor schon Karl-Heinz Elsner gegenüber den versammelten Ehrengästen aus Politik und Finanz, betont. „1992 erstellte das Siedlungswerk die letzten mietpreisgebundenen Sozialwohnungen in der Mariahilferstraße 27 und 29, zusammen mit Werkswohnungen der Firma Sinterstahl“, erinnerte Elsner. Es sei also höchste Zeit etwas zu tun für bezahlbaren Wohnraum. „Ich glaube, dass niemand den Bedarf anzweifelt“. Bezahlbarer Wohnraum meine er in diesem Zusammenhang für Geringverdiener im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Der Bedarf werde, so Elsner aufgrund „ der unterschiedlichen Entwicklung des Einkommens und der zu beobachtenden Mietpreisentwicklung in Zukunft sicherlich noch erheblich zunehmen“. 

Dies sei ein Beweggrund gewesen, weshalb man seitens des Siedlungswerkes schon im Mai 2012 nach geeignetem Baugrund gesucht habe, um ein derartiges Projekt zu realisieren. Einige glückliche Umstände hätten die Finanzierung und die betriebswirtschaftliche Darstellung des Vorhabens und damit Realisierung möglich gemacht, so der Vorstand weiter. So war das Siedlungswerk zu großen Teilen bereits Eigentümer des Grundstückes, erläuterte Elsner. Der Rest des Grundstücks konnte „günstig von der Stadt dazu gekauft werden“. 

Gelegen kämen außerdem die zur Zeit sehr günstigen Rahmenbedingungen in der öffentlichen Finanzierung sowie der Restfinanzierung auf dem Kapitalmarkt. Ohne diese Umstände seien solche Objekte schwer zu realisieren, wobei Elsner damit die Hoffnung verband, auch künftig in der Stadt Füssen einen Partner zu haben, der solche Projekte unterstütze. 

Verständnis für Nachbarn 

Er habe großes Verständnis für die „anfänglichen Bedenken der Nachbarn“. Man habe aber durch Planungsänderungen im Dachbereich einen guten Kompromiss geschaffen, betonte Elsner, um die freie Sicht nicht zu sehr zu behindern. Natürlich bedeute das Bauvorhaben Veränderung, aber ohne diese sei kein Fortschritt möglich. 

Auf die Bedenken, die ein Nachbar mittels eines Transparentes sichtbar gemacht hatte, ging auch Füssens Bürgermeister Paul Iacob ein. Er gestand, dass der Herr, wie es auf dem Banner hieß, nicht zu ihm gesprochen habe. Er geißelte den „mutlosen Anonymgeist“ dieses Herrn. Man werde sich an positiven Dingen laben, so Iacob, nämlich „der positiven Zusammenarbeit zwischen BSG, Siedlungswerk und der Stadt Füssen“. Diese Kooperation sei ein wesentlicher Schritt für die Wohngestaltung in der Stadt. „Wir haben in Füssen ein Begehren auf Wohnraum“, so der Rathauschef, das nicht zuletzt durch den schöne Tourismusregion entstehe. 

Aber nicht alle Familien seien mit einem Beruf gesegnet, der es ihnen ermögliche, den zur Zeit im Weidach entstehenden Wohnraum nutzen zu können. Man habe ungemein erforderliche Berufe, sagte Iacob weiter. Die aber nicht so bezahlt würden, um damit ein Eigenheim beschaffen zu können. „Für diese Berufsgruppen“, so sei es der Verwaltung klar gewesen „müssen wir etwas schaffen“, ergänzte Iacob. Ihm sei klar, dass mit dem Bauvorhaben Veränderungen einhergingen. Aber niemand könne von sich behaupten, „mein Leben bleibt immer so wie es war“, ging Iacob auf die Bedenken der Nachbarn ein. Diese Veränderungen seien wichtig. Und als Stadtrat habe man immer nach den Bedürfnisse der Allgemeinheit, der Mehrheit in der Bevölkerung zu schauen. „Und das Interesse des Einzelnen zurückzunehmen, ohne ihm zu schaden“. Aus seiner Sicht habe man das hier realisiert. 

Es sei auch nicht das letzte Projekt, das man realisiere, gab er einen Ausblick auf die Zukunft. Es müsse jeder in dieser Stadt diese Möglichkeit haben, so Iacob, egal wie groß oder schwer sein Geldbeutel sei. Ein Gedanke, den auch Dalla Torre aufgegriffen hatte, indem er aus einem Artikel zitierte, der über das Teilen als der neuen Form des Besitzens, sprach. Insbesondere für eine Genossenschaft ist „eine Wohnung keine Ware, sie ist Allgemeingut“. Und ein Kämmerer, der das unterstütze, der fördere eine Gesellschaft, die sich ums Wohnen keine Sorgen machen müsse. gau

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