Auch nach einer großen Infoveranstaltung ist keine Einigung im Wasserstreit in Sicht

Offener Interessenkonflikt

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Wie auf dieser Darstellung gut zu erkennen ist, liegt Hohenschwangau künftig komplett in der Zone III des neuen Wasserschutzgebietes (blaue Linien).

Schwangau/Füssen – Die Fronten sind verhärtet. Derart verhärtet, dass Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke für die Politik ungewohnt deutlich wurde. „Es gibt einen offenen Interessenkonflikt“, sagte er vergangene Woche im Schlossbrauhaus.

Dorthin hatten die Stadt Füssen und die Gemeinde Schwangau eingeladen, um ihre Bürger über ein geplantes neues Wasserschutzgebiet (WSG) zu informieren. Dieses liegt zwar auf Schwangauer Grund, soll aber die Wasserversorgung der Stadt Füssen sicherstellen. Vor allem die unmittelbar davon betroffenen Hohenschwangauer laufen gegen diese Pläne Sturm – sie befürchten massive Auflagen und somit Nachteile für Grundstücke, Häuser und Tourismus. 

Um den Schwangauern, allen voran den Hohenschwangauern, die Befürchtungen und Ängste etwas zu nehmen, hatten beiden Verwaltungen sich für vergangenen Mittwochabend Unterstützung durch Experten des Kemptener Wasserwirtschaftsamtes, des Landratsamtes Ostallgäu und der Lohmeyer Hydroprojekt GmbH aus München geholt. 

Denn tatsächlich ist die Lage verfahren, eine Annäherung zwischen den beiden Kommunen auch nach Mittwochabend trotz vielfältiger Informationen nicht in Sicht.

Die Situation ist folgende: Die Stadt Füssen bezieht wegen fehlender eigener Quellen ihr Trinkwasser aus zwei Brunnen in der Schwangauer Ebene bei Bullachberg, die 1984 gebaut wurden. Gesichert werden die Brunnen durch eine in den 80er Jahren erlassene Wasserschutzgebietsverordnung. Diese endet am 31. Dezember 2017. Darüber hinaus haben Fachleute im Laufe der vergangenen Jahre festgestellt, dass die Grundwasserströme nicht so fließen wie vor 30 Jahren angenommen. Damals dachten die Verantwortlichen, das Grundwasser komme vom Schwansee. 

Tatsächlich stammt es aber wohl vom Alpsee, wie Bernhard Ebner von der Lohmeyer Hydroprojekt GmbH am Mittwoch erklärte. „Wir wissen mittlerweile sehr gut Bescheid, wie sich das Grundwasser ausbreitet“, sagte er. „Es herrschen recht spezielle Verhältnisse und deutlich andere als früher angenommen.“ Die Konsequenz: Die Schutzgebietsverordnung muss durch das Landratsamt aktualisiert werden, die Grenzen verschieben sich. 

Das wiederum ruft die Schwangauer Bürger, vor allem die Hohenschwangauer auf den Plan. Denn der Ortsteil würde nach den bisherigen Planungen künftig komplett in der Zone III des aktualisierten Schutzgebietes liegen. Sie befürchten deshalb massive Einschränkungen für Grundstücke, Häuser und Tourismus durch die behördlichen Auflagen, die ein WSG mit sich bringt (siehe Infokasten). „Hier tickt eine Wasserzeitbombe“, sagte Helmut Sailer von der „Schutzgemeinschaft der Wasserschutzgebietsbetroffenen der Stadt Füssen in der Gemarkung Schwangau“ (SGWB). Bei einer möglichen Verschmutzung des Grundwassers durch Öl, Benzin, Baustoffe oder ähnlichem müsste das Schutzgebiet auf unabsehbare Zeit für den Tourismus gesperrt werden, argumentiert er. Für den Ort der Königsschlösser kaum verkraftbar.

 Keine Alternativen 

Wie die Experten am Mittwochabend aber mehrfach betonten, gebe es keine Alternative zu den beiden Brunnen auf Schwangauer Grund. So seien seit den 80er Jahren 20 Alternativstandorte in und um Füssen und bei Pinswang untersucht worden. Jedoch sei bei den meisten untersuchten Orten entweder die Wassermenge (Schüttung) oder die Wasserqualität nicht ausreichend gewesen, wie Stefan Reil von der Hydroprojekt GmbH erläuterte. Weitere Bohrungen auf Schwangauer Grund sind dagegen vom Schwangauer Gemeinderat bereits vor geraumer Zeit untersagt worden. Dr. Michael Procher vom Wasserwirtschaftsamt Kempten betonte ebenfalls: „Es drängt sich keine Alternative auf!“ 

Das zweifelten einige der Anwesenden jedoch an, vor allem da die Daten bereits 20 bis 30 Jahre alt seien. „Nesselwang und Pfronten haben Wasser, dann kommt die Wüste Gobi Füssen und dann wieder Schwangau mit Wasser“, ätzte Helmut Sailer von der SGWB. „Hier soll an alten Positionen festgehalten werden!“ 

Gudrun Hummel, Abteilungsleiterin für Bauen und Umwelt am Landratsamt Ostallgäu, wies darauf hin, dass das Verfahren noch ziemlich am Anfang stehe. Der Beginn sei erst für Februar oder März geplant. Da auch die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes den ganz normalen Genehmigungsweg durch die Behörden gehen müsse, bestehe für die Schwangauer noch ausreichend Zeit und Gelegenheit, Einwände und Einsprüche gegen das WSG zu äußern. „Wir werden das gründlich mit Ihnen besprechen“, sagte sie. Darüber hinaus bestehe für betroffene Grundbesitzer die Möglichkeit der Entschädigung oder des Ausgleichs. 

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) kündigte außerdem an, auf Füssener Grund noch einmal Alternativen prüfen zu lassen – auch durch Bohrungen. Trotzdem gehe er davon aus, dass die Stadt auch in Zukunft weiter auf die Schwangauer Brunnen angewiesen bleibe. „Es ist nicht einfach geeignetes Wasser zu finden“, betonte er. Sein Kollege Stefan Rinke kündigte unterdessen an, die Hohenschwangauer in ihrem Kampf zu unterstützen. „Wir werden die Interessen unserer Bürger in Hohenschwangau vertreten und alle Mittel ausschöpfen“, sagte er.

Matthias Matz

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