Das Schöne in der Natur

Angelika Hofer aus Füssen setzt sich mit viel Engagement für die Natur ein. Foto: cf

Füssen – Infos über Gänse zeigt Angelika Hofer in der Ausstellung „Mal in Gänze – Gänse“ im „Haus Hopfensee“. 25 Jahre sind vergangen, seit die Biologin mit dem „Tagebuch einer Gänsemutter“ bekannt wurde. Ihr Ziel sei es „das Empfinden für das Schöne in der Natur zu wecken“, so Hofer im Interview.

Gänse sind dumm. Da widersprechen Sie vermutlich vehement oder etwa nicht? 

Hofer: „Ich weiß nicht, woher es kommt, dass ‘dumme Gans’, ‘störrisch wie der Esel’ oder auch ‘schlau wie ein Fuchs’ gesagt wird. Tatsache ist: Kein Tier ist dumm. Das kann uns nur so erscheinen, wenn wir gedankenlos unsere und damit die falschen Maßstäbe anlegen. Ein Tier ist hervorragend mit Fähigkeiten ausgestattet, die überlebensnotwendig sind. Zum Beispiel erkennt mich der liebe Cleo, auch nach mittlerweile nun 20 Jahren, immer noch an meiner Stimme wenn ich ihn rufe.“ 

Wer ist Cleo? 

Hofer: „Wenn ich am Hopfensee spazieren gehe, kann ich den Ganter vom Himmel holen. Der vergisst mich nicht!“ 

Wie funktioniert Vom-Himmel-holen? 

Sind Sie ganz sicher, dass es sich immer tatsächlich um Cleo handelt? 

Hofer: „Ja, und das lässt sich beweisen. Er hat einen Schnabel, an dem ein Stück abgebrochen ist.“ 

Sie sollten damals im Auftrag des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie herausfinden, was Gänse besonders gern fressen. Wie sind Sie vorgegangen? 

Hofer: „Ich habe mir die Prägung zunutze gemacht.“ 

Das heißt? 

Hofer: „Ich brütete zehn Grauganseier in einer Brutglocke aus und war da, als die Gössel schlüpften. Wen auch immer die Küken nach dem Schlüpfen um sich haben, den nehmen sie als ihre Mutter an. Ab sofort war ich Gänsemutter und etwas später – wegen des Aufsehen erregenden „Tagebuchs“ – wurde ich das auch für die Medien.“ 

Schauen wir noch weiter zurück. Mit 17 hatte Angelika aus Füssen noch Träume? 

Hofer (lacht): „Träume habe ich natürlich noch immer und erfülle mir gerade einen mit der vierten Ausstellung in der früheren Bibliothek im Haus Hopfensee. Diesen Raum mag ich sehr. Aber zurück zu der eigentlichen Frage. Schon als Abiturientin hatte ich den Verhaltensforscher Konrad Lorenz zum Vorbild. Ich wollte bei ihm in Österreich als Gänseliesel arbeiten. Konrad Lorenz war als Verhaltensforscher längst eine Kapazität.“ 

Ihre Eltern sind von diesem Plan sicher begeistert gewesen?

Hofer: „Ganz und gar nicht und ich habe daher ordentlich Biologie in Regensburg und München studiert. Das Wissen, das ich mir als Diplom-Biologin angeeignet hatte, kam mir sehr zunutze, als ich 1986 meinen Traum, Gänseküken aufzuziehen, verwirklichen konnte.“ 

Was Sie in diesem Sommer und nochmals zwei Jahre später hautnah mit den Küken erlebt hatten, schildern Ihre Bücher „Ein Gänsesommer“ und „Tagebuch einer Gänsemutter“. Es gab auch eine erfolgreiche TV-Serie mit der Gänsemutter. Als was verstehen Sie sich: als Wissenschaftlerin? Als Promi? 

Hofer: „Verhaltensforschung war schon von klein auf meine Leidenschaft, doch ich wollte keine Karriere an einem Uni-Institut machen. Lehrerin wäre ich gerne geworden, aber ich wusste nicht, was ich als zweites Fach studieren sollte. Das Schicksal ließ mich kurz vor dem Diplom meinen Mann kennenlernen und damit konnte ich mir einen Lebenstraum verwirklichen und Tiere in freier Wildbahn beobachten. In erster Linie bin ich wohl Autorin und Assistentin eines Tier- und Naturfotografen.“ 

Mit Ihrem Mann Günter Ziesler, der als Naturfotograf bekannt ist, waren Sie seit 1981 viele Jahre lang mit dem VW-Campingbus in fast allen Kontinenten unterwegs. Sie besuchten auch den Regenwald und die Savannen Afrikas. Nicht nur zum Privatvergnügen? 

Hofer: „Na ja, wer hat schon das Glück reisen zu dürfen, dabei Spaß zu haben und dann auch noch damit Geld zu verdienen? Ich habe einen Beruf, der für mich Berufung ist. Ich konnte jeden Tag genießen. Tiere, denen wir hier in Freiheit begegnet sind, ermöglichten uns Einblicke in ihr Leben. Das geht auch aus den Bildbänden hervor, in denen wir über unsere Erfahrungen berichten.“ 

Ziesler und Sie haben folglich nicht nur die Wildgänse beobachtet. Welches Tier hat Sie außerdem besonders fasziniert? 

Hofer: „Ganz in der Tradition von Jane Goodall sind das die Schimpansen im Mahale-Mountains-Nationalpark. Deren Verhalten zu studieren ist faszinierend. Gleiches gilt für die von Auguste von Bayern beobachteten Krähen. Das sind intelligente Tiere, wie neue Studien belegen.“ 

Aber im „Haus Hopfensee“ ermöglichen Sie „nur“ Begegnungen mit den Gänsen? 

Hofer: „Ja, das Gänse-ABC, das ich mir dafür ausgedacht habe, gefällt bestimmt Kindern und Erwachsenen. Es gibt auch viele Bilder zum Thema Gans zu sehen, wie zum Beispiel Original-Cartoons von Klaus Puth und Wolf-Rüdiger Marunde. Wirklich alles über wilde Gänse und Hausgänse lässt sich auch hier natürlich nicht zeigen. Aber, wie ich meine, ganz schön viel.“

Frau Hofer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Ausstellung wird am heutigen Samstag, 21. Juni, um 13 Uhr eröffnet. Jeder Besucher, der heute kommt, erhält ein „Gans“ kleines Geschenk. Die Ausstellung läuft bis 6. Juli, geöffnet täglich (außer montags) von 13 bis 19 Uhr. cf

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