Füssener gedenken auf dem Galgenbichl der Hexenverfolgung im Allgäu

Vergeltung ist keine Lösung

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Vor der Hütte des ehemaligen Skiliftes sammeln sich die Teilnehmer mit den Fackeln in den Händen, kurz bevor sie auf den mit Lichtern abgesteckten Weg hinauf zum Bichl gehen.

Füssen – Anlässlich des „Internationalen Tags der Ächtung von Gewalt gegen Frauen“ fand am Dienstagabend auf dem Galgenbichl eine Gedenkveranstaltung statt. Die Füssener erinnerten dort an die Opfer der Hexenverfolgung im Allgäu.

Am Galgenbichl nahm jeder aus der Teilnehmergruppe von insgesamt etwa 20 Frauen und Männern still eine Fackel in die Hand. Anschließend bildeten sie einen Kreis. Vor dem besinnlichen Aufstieg zu den einzelnen Stationen erinnerte Organisatorin Elisabeth Wintergerst an den Grund für die gemeinsame Versammlung mit Mahnwache an diesem kalten Novemberabend. 

Es war völlig still, als sie sagte: „Anlässlich des internationalen Tags der Gewalt gegen Frauen gedenken wir gemeinsam in Füssen den Opfern der Hexenverfolgung im Allgäu und Umgebung.“ Wie Wintergerst ergänzte, „sind auch Männer der Hexerei angeklagt worden“. An der ersten Station berichtete Wintergerst über die Verfolgungen in Obergünzburg. Neun Hexenprozesse habe es dort gegeben. „1716 wurde Anna Maria Eglin hingerichtet.“ Ihr Vergehen war laut Urteil „Schadenszauber“. 

Die Geständnisse der Beschuldigten wurden seinerzeit oft durch Folter erpresst. Damit waren allein in Schongau 60 Frauen gequält worden. Still lauschte die Gruppe den Berichten. „In Augsburg gab es 15 Hinrichtungen, letztmals 1694“, so Wintergerst. Das Opfer war Ursula Grünin aus Kaufbeuren. Sie war ungefähr 80 Jahre alt, als das Todesurteil gefällt wurde. In Oberstdorf im Oberallgäu, so ein weiterer Bericht, gab es 1586/1587 „den wohl größten Hexenprozess des Allgäus. „Es gilt als wahrscheinlich, dass 21 Frauen hingerichtet wurden.“ 

Wintergerst zählte die Namen auf, die aus historischen Quellen bekannt sind. Vergeltung üben sei keine Lösung, betonte sie abschließend. „Vielmehr muss man sich zurückbesinnen auf die ureigensten weibliche Werte.“ Das heißt: „Leben schenken und schützen!“

Chris Friedrich

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