Vom "Blind Date" zur Partnerschaft

Kurz vor Mitternacht unterzeichnen die Bürgermeister Manfred Rinderle (Seeg, links) und Guy-Marie Maudet (St. Laurent) die Partnerschaftsurkunden. Foto: nis

Seeg – Der Festakt zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrag zwischen Seeg und St. Laurent sur Sèvre im Gemeindehaus begann am Freitag mit deutsch-französischen Liedern des Schulchors der Seeger Grundschule. Schließlich trat Dr. Theo Waigel als erster Festredner ans Rednerpult.

Unruhe kam im Saal auf, als viele bemerkten, dass die Übersetzung auf der Leinwand nicht mit dem gesprochenen Wort übereinstimmte. „Ich halte mich nicht an die von mir vor Wochen eingereichte Rede. Mir ist erst vorgestern eingefallen, was ich zu diesem bedeutenden Anlass sagen werde.“ entschuldigte sich Waigel. Er bedauere, dass er nicht wie seine Frau und sein Sohn französisch spreche. Er bewundere gleichermaßen Charles de Gaulle, wie auch andere deutsch sprechende Politiker, denen er in seiner politischen Laufbahn begegnet sei. 

Der Finanzminister a.D. erzählte, er habe vor kurzem das Bajonett seines Vaters gefunden, das dieser vor fast genau hundert Jahren im ersten Weltkrieg im Nahkampf in den Vogesen hatte einsetzen müssen. Dass solch furchtbare Instrumente nie mehr eingesetzt werden, dafür stünde auch der Elysée-Vertrag, der dazu geführt habe, dass Frankreich und Deutschland sich näher gekommen, das Herzstück der EU geworden wären. Der beste Ansatz zu einer breiten Allianz für Europa – auch in schwierigen Zeiten - seien Partnerschaften zwischen Gemeinden in beiden Ländern. Diese Freundschaften und Begegnungen auf allen Ebenen - der Kultur, des Sports, des täglichen Lebens - schafften tiefes Verständnis für das andere Land. Darum gratulierte er St. Laurent und Seeg zu ihrer Partnerschaft und zur Vertragsunterzeichnung, wünschte den Menschen der Gemeinden und allen Menschen beider Völker eine gute europäische Zukunft. 

Landrat Johann Fleschhut hielt es für ein Privileg – auch für die Partnerschaft von Seeg und St. Laurent – den Elysée-Vertrag, die Freundschaft beider Länder, die historische und besondere Bedeutung für die nächsten Generationen von Theo Waigel zu diesem Anlass erläutert zu bekommen. Die vielen symbolischen Umarmungen in Kultur, Sport, wirtschaftlich und gesellschaftlich hätten nach der Vertragsunterzeichnung 1963 in Paris zu einem engen und unbelasteten Netzwerk zwischen Deutschland und Frankreich geführt. Allein im Ostallgäu gäbe es eine Vielzahl von internationalen Partnerschaften, mit Frankreich bestünden allein zehn. Wie die beiden Bürgermeister von Seeg und St. Laurent bedankte auch er sich bei Ulrich Wagner, dem Vorsitzenden des Bürgerforums und bei Renate Carré, die übers Internet St. Laurent vor fünf Jahren ausgesucht hatte. 

„Eine Gemeinde, ungefähr so groß wie Seeg - mit einer Kirche“ hätte sie sich vorgestellt. Dass das „Blind Date“ zwischen beiden Dörfern erfolgreich zustande gekommen war, sei ihrem Bauchgefühl und den beiden soliden Bürgermeistern geschuldet. Bürgermeister Guy-Marie Maudet schloss sich den Ausführungen seiner Vorredner an, erläuterte den Text des Vertrages, der den Willen hervorhebt, die bestehenden Beziehungen zwischen beiden Gemeinden zu vertiefen und zu verstärken. Diese seien ohnehin schon eng geworden und über die verschiedenen Kultur-Treffen und Schülerbesuche hinaus bereits zur Realität des Alltagslebens geworden. Diese Tatsache bestärke den Willen der Gemeindevertreter, zusammen mit den Vertretern der jeweiligen Dorfkomitees, den Partnerschafts-Eid abzulegen. 

Der Abschluss einer Partnerschaft nach nur fünf Jahren sei zwar ungewöhnlich, aber nicht verwunderlich, hätte es doch schnell eine Vielzahl freundschaftlicher Beziehungen gegeben. „Standing Ovations“ gab es für Renate Carré, die Initiatorin der Dorf-Partnerschaft, als ihr für ihre Idee, ihren unermüdlichen Einsatz und die Organisation der Festwoche erst einmal ein Blumenstrauß von Bürgermeister Rinderle überreicht wurde – ein Essen werde folgen. Anschließend unterschrieben beide Bürgermeister und die jeweils beiden Vorsitzenden der Komitees aus den beiden Dörfern die Urkunden des Partnerschaftsvertrags. Danach wur- den die Fahnen beider Länder vor dem Gemeindehaus gehisst. jl

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