Genauer Unfallhergang noch unklar

„Das war grob fahrlässig“, so Franz Bucher. In einem Fernsehinterview am Samstagmorgen erhob der Geschäftsführer der Tegelbergbahn schwere Vorwürfe gegen den Unglückspiloten vom Freitagmittag. Entgegen den Vorschriften habe dieser versucht, die Seilbahn ohne Mindesthöhe zu überqueren und dabei den Unfall verursacht, der die Bahngesellschaft mittlerweile um die 70.000 Euro gekostet habe, vom Rettungseinsatz noch gar nicht zu reden. Am Sonntag fuhr die Tegelbergbahn jedoch wieder an. Inzwischen ermittelt die Polizei gegen den Piloten wegen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Gegen 13.15 Uhr am Freitagnachmittag war der 54-jährige Unglückspilot und Fluglehrer mit einem Gast im Tandem gestartet. Kurz nach dem Start allerdings prallte das Duo in die Seile der Tegelbergbahn, rund 50 bis 70 Meter unterhalb der Bergstation irgendwo zwischen Skipiste und Gratweg. Wanderer, die aus nächster Nähe Zeugen des Unfalls wurden, sprachen am Freitag von einer Böe. Ein Gast aus Biberach, der auf dem Gratweg aufgestiegen war, erzählt: „Ich hab nur gehört, ‚rechts nach rechts‘. Dann hat‘s geknallt“. Das Flugrecht schreibt ausdrücklich vor, dass eine Seilbahn in mindestens 50 Metern Abstand überflogen werden muss. Deshalb müssen die Flieger nach dem Start am Tegelberg nach rechts, also in Richtung Buching wegziehen und erst auf Höhe, beziehungsweise entsprechende Entfernung kommen, ehe sie in Richtung Südwesten zum Schloss hinfliegen dürfen. Im Fernsehinterview äußerte Franz Bucher schon am Samstagmorgen den Verdacht, dass der Pilot seinem Fluggast, einem 35-jährigen Münchner, der zu einem Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks gehört habe, einen Flug über Neuschwanstein habe bieten wollen und sich deshalb grob fahrlässig über die Vorschriften hinweggesetzt habe. Der Pilot soll mittlerweile wieder in die Schweiz zurückgekehrt sein. Am Sonntag bestätigt schließlich der Bayerische Rundfunk, dass Filmaufnahmen am Tegelberg stattgefunden haben. Amateurbilder im Netz Am Samstag schon hatte Manfred Laudahn, Gleitschirmflieger aus Roßhaupten und am Unglückstag auf dem Berg, auf seiner Homepage Fotos des Vorfalls online gestellt. Der Pilot sei ihm bekannt. Der sei schon einmal mit einem Fluggast in die Bäume geknallt. Schlimmer noch, er zeigte ein Bild anhand dessen er behauptet, „dass der Pilot nach dem Ausdrehen die rechte Bremse nicht in der Hand hat“, so Laudahn wörtlich. Unfassbar sei es, dass der Pilot das Problem nicht in den Griff bekam. Allerdings kann auch er den eindeutigen Beweis nicht liefern, dass der Fluglehrer tatsächlich ohne Hand an der Bremse geflogen ist. Zu sehen ist nur ein Bild kurz vor dem Abheben. Der Tegelberg ist ein beliebter Flugberg und gehört zu den schönsten Revieren Europas. Allerdings sei der Berg nicht „ganz ohne“. Immer wieder gibt es Böen, was am Freitag auch die Polizei erkennen musste. Die brach aufgrund der Windverhältnisse den Versuch ab, die Menschen mit dem Hubschrauber zu retten. Und schon einmal, vor fast genau sieben Jahren, am ersten September 2004, war eine Gleitschirmpilotin kurz nach dem Start in die Seile der Tegelbergbahn gekracht. Damals konnte sie aber in die Gondel gezogen und gerettet werden. Schon am Sonntagnachmittag fuhr die Kabinenbahn wieder, zunächst allerdings nur zur Überprüfung durch den TÜV. gau

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