Investorengruppe kauft Festspielhaus

Ein Investorentraum wird wahr

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Das Festspielhaus am Ufer des Forggensees hat seit Donnerstag neue Besitzer. Diese wollen das berühmte Veranstaltungshaus zu neuem Leben erwecken.

Füssen – Den Moment, als Jan Dieter Leuze das erste Mal vor dem Festspielhaus am Ufer des Forggensees stand, wird der Konstanzer Geschäftsmann nicht vergessen. "Es war Liebe auf den ersten Blick!“

Seitdem hat ihn der Theaterbau gegenüber von Schloss Neuschwanstein nicht mehr losgelassen. Am Donnerstag vergangener Woche ist sein Traum wahr geworden: Gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Manfred Rietzler und Henrik Peter Mayer hat er das Veranstaltungshaus gekauft um dort Kultur, Kunst und Entertainment „als Erlebnis für die ganze Familie“ zu etablieren. Die Pläne für ein Outletcenter sind damit vom Tisch.

Happy End

Mit der Einigung zwischen der Investorengruppe um Leuze und Insolvenzverwalter Dr. Marco Liebler vom vergangenen Donnerstag geht ein Krimi zu Ende, der seit Sommer Öffentlichkeit und Kommunalpolitik im Ostallgäu in Atem hielt. Seit die Musiktheater Füssen Besitz GmbH als Betreiberin im August Insolvenz angemeldet hatte, sah es lange Zeit nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden so aus, als ob es keine Rettung mehr geben wird (der Kreisbote berichtete mehrfach). Dem Aushängeschild der Stadt Füssen drohte die Zwangsversteigerung.

Tatsächlich fand die Vertragsunterzeichnung vom Donnerstagabend offenbar in letzter Sekunde statt. „Der Verkauf erfolgte im letzten Zeitfenster des Insolvenzverfahrens, bevor das Licht endgültig ausgegangen wäre“, erklärte Insolvenzverwalter Dr. Marco Liebler. Und das buchstäblich, da der Strom nicht mehr hätte bezahlt werden können. Bereits Ende September hatte der Insolvenzverwalter davor gewarnt, dass demnächst „die finanziellen Mittel ausgehen“. 

Haus wird renoviert

Die Investorengruppe um die beiden Konstanzer Leuze und Mayer sowie den Marktoberdorfer Unternehmer Rietzler wollen dem Prunkbau gegenüber Schloss Neuschwanstein nun neues Leben einhauchen. Dafür haben sie bereits vor etwa einem Jahr die Ludwigs Grundbesitz GmbH in Konstanz gegründet. Deren Aufsichtsratsvorsitzender ist der Füssener Steuerberater Dr. Hans Ketterl (mehr zu den Investoren lesen Sie hier). Das Trio plant nach eigenen Angaben, nach Renovierung des zum Teil maroden Festspielhauses den Spielbetrieb so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. 

Derzeit werde an einem Konzept unter dem Titel „Kultur, Kunst und Entertainment als ein Erlebnis für die ganze Familie“ gearbeitet, das in etwa drei Monaten vorliegen soll. 

Outlet ist vom Tisch - Aus für Open-Airs?

Allerdings: Die beliebten Open-Air-Festivals wird es nach Angaben von Leuze vom Freitag künftig wohl nicht mehr geben, um Gebäude und Gärten zu schützen Zunächst einmal soll das stellenweise sanierungsbedürftige Gebäude aber technisch überprüft und saniert werden. Wir bringen das wieder in einen guten Zustand“, sagte Neueigentümer Leuze im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir gehen das seriös und mit Bedacht an.“ 

Vom Tisch sind damit Leuzes Pläne, am Forggensee ein modernes Outletcenter zu bauen. Diese hatten im Spätsommer für heftige Kritik vonseiten der Kommunalpolitik und Bevölkerung gesorgt. 

Offenbar war es schließlich der Marktoberdorfer Rietzler, der Leuze von einem Verzicht auf das Outletcenter überzeugte: „Als gebürtiger Allgäuer ist es mir eine Herzensangelegenheit, das Kronjuwel Festspielhaus zu erhalten und meiner Heimat damit weiterhin ein entsprechendes Kulturangebot zu ermöglichen“, so Rietzler.

Kommt ein Hotel?

Und auch Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) hat wohl hinter den Kulissen ihren Teil dazu beigetragen, das Gebäude als Veranstaltungshaus zu erhalten. Zwar habe sie beim eigentlichen Verkauf keine Rolle gespielt. „Selbstverständlich war sie aber von Beginn an im konstruktiven und vertraulichen Austausch mit dem Insolvenzverwalter und den potenziellen Kaufinteressenten mit dem Ziel, die konzeptionellen Vorstellungen zu begleiten“, heißt es dazu auf Anfrage des Kreisbote aus dem Landratsamt. Diese vertraulichen Gespräche seien beiden Seiten wichtig gewesen. 

Ob das Trio auch Pläne für den Bau eines Hotels hat – der von vielen als Voraussetzung für einen wirtschaftlich langfristig rentablen Betrieb des Festspielhauses angesehen wird – ist derzeit noch unklar. Hauptgesellschafter Leuze sagte dazu am Freitag gegenüber unserer Zeitung: „Das ist momentan kein Thema.“ 

Die Investorengruppe kündigte am Donnerstag außerdem an, alle bisher festangestellten Mitarbeiter des Festspielhauses weiter zu beschäftigen. Darüber hinaus soll das Team laut Leuze erweitert werden. Bereits am Freitag soll nach Informationen unserer Zeitung eine Mitarbeiterversammlung vor Ort stattgefunden haben. 

Doch wie ist es zu der überraschenden Wende gekommen, nachdem lange Zeit vieles auf eine Zwangsversteigerung hindeutete? 

Rechtsprobleme gelöst

Mitentscheidend für die Rettung in letzter Sekunde war laut Insolvenzverwalter Liebler, „dass in der Schweiz verfahrensrelevante Rechtsprobleme kurzfristig erfolgreich gelöst werden konnten.“ 

Dabei handelte es sich offenbar um zwei im Grundbuch eingetragene Grundpfandrechte einer Schweizer AG, die 2013 und 2014 knapp 2,5 Millionen Euro an das damals schon in finanzieller Schieflage befindliche Festspielhaus gezahlt hatte. Mittlerweile soll die Schweizer AG jedoch selbst pleite sein und wird abgewickelt. Diese Grundpfandrechte konnten nun anscheinend gelöscht werden. 

Außerdem hat Leuze es offenbar geschafft, zusammen mit seinen Partnern die Finanzierung des Kaufs zu stemmen. „Das den Gläubigern unterbreitete Angebot war finanziell am interessantesten und seriös finanziert“, teilte Liebler mit. Zwar sei über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart worden. „Die Insolvenzgläubiger können somit mit einer angemessenen Quote rechnen“, so der Anwalt weiter. 

Staatsanwaltschaft ermittelt

Allerdings sei das Insolvenzverfahren mit dem Verkauf noch nicht abschlossen. „Es wird nun die Vergangenheit aufzuarbeiten sein.“ Was das konkret heißt, dazu wollte sich Liebler auf Nachfrage unserer Zeitung allerdings nicht äußern. 

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Augsburg bestätigt, dass sie gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Musiktheater Füssen Besitz GmbH wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt. „Die Ermittlungen dauern an“, so Oberstaatsanwalt Nickolai auf Anfrage des Kreisbote.

Matthias Matz

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