Füssener Japan-Delegation berichtet von ihren Erlebnissen in Fernost

Big in Japan

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Die Füssener Michael Schmück (10.v.l.), Wilhelm Schwecke (6.v.r.), Bürgermeister Paul Iacob (5.v.r.) und Hauptamtsleister Andreas Rist (3.v.r.) bei der Zeremonie in Himeji.

Füssen/Himeji/Numata – Die Begeisterung ist auch eine Woche später noch greifbar. „Wir haben eine Herzlichkeit erfahren, da können sich die Deutschen eine Scheibe von abschneiden“, schwärmt Wilhelm Schwecke, wenn er von seinem jüngsten Besuch in Japan spricht.

Dorthin war er Ende März zusammen mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD), Hauptamtsleiter Andreas Rist und Stadtrat Michael Schmück (CSU) gereist, um an der Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens zwischen den beiden „weißen Schlössern“ Neuschwanstein und Himeji teilzunehmen. 

Zwei Tage später feierte die Delegation außerdem bei den Festivitäten zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Füssen und Numata mit. 

Die lange Reise von Füssen nach Japan über die drei großen Flugverkehrsdrehkreuze München–Frankfurt–Osaka hat bei allen Teilnehmern tiefe Eindrücke hinterlassen. Das wurde am Donnerstagmorgen in einem Pressegespräch im Rathaus schnell deutlich. Vor allem die überaus herzliche Gastfreundschaft der Japaner und ihr Organisationstalent hat es den Ostallgäuern angetan. 

Big in Japan

„Ich bin sehr beeindruckt von der Wertschätzung dort drüben“, berichtete Füssens Bürgermeister Paul Iacob. „Wir wurden als Ehrengäste behandelt.“ Dazu gehörten unter anderem Empfänge durch den Gouverneur der Präfektur Hyogo, Ido San, Bürgermeister und andere hohe japanische Beamte und deutsche Diplomaten. Und natürlich die Teilnahme an der Zeremonie zur Unterzeichnung der Schlösser-Partnerschaft und die Feierlichkeiten anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Füssen und Numata. 

„Wir werden uns anstrengen müssen, mit der gleichen Höflichkeit aufwarten zu können“, sagte Iacob im Hinblick auf den geplanten Gegenbesuch einer Delegation aus Numata im kommenden Herbst.

Feuchte Augen 

Schwecke, der sich seit Jahren für eine enge Partnerschaft zwischen Japan und dem südlichen Ostallgäu einsetzt um die Schlösser-Kooperation initiiert hatte (der Kreisbote berichtete), lobte ebenfalls den „überaus herzlichen Empfang für uns“. 

Hauptamtsleiter Andreas Rist ergänzte: „Es war äußerst beeindruckend, sehr ergreifend.“ Immer noch ganz begeistert war auch CSU-Stadtrat Michael Schmück: „Die haben uns gezeigt, was es heißt, Wertschätzung entgegen zu bringen“, sagte er. Die Feierlichkeiten selbst und wie ihre japanischen Gastgeber diese organisiert haben, haben ebenfalls einen bleibenden Eindruck bei den Füssenern hinterlassen. 

Vor allem die Vertragsunterzeichnung in Himeji „war eine sehr ergreifende Feierlichkeit“, schwärmte Rist, der zusammen mit den anderen Füssenern das Geschehen unmittelbar aus einer der ersten Reihen beobachten durfte. „Und unter weißblauem Himmel fand dann die Unterzeichnung statt – das war schon toll.“ 

Besonders gut gefallen habe ihm, dass eine Formation Kunstflieger weiße Streifen am strahlend blauen Himmel hinterlassen habe. „Ein schöner Bezug zu Bayern“, so Rist. Auch Michael Schmück ist heute noch angetan von der Zeremonie: „Da wird es einem feucht in den Augen“, berichtete er. Nicht weniger beeindruckend sei die Feier anlässlich 20 Jahren Städtepartnerschaft zwischen Füssen und Numata gewesen. 

Anschub für Tourismus 

Doch wer nun denkt, bei dem neuntägigen Trip nach Japan sei es nur ums Feiern gegangen, der irrt sich. 

Ein weiteres Ziel war, Füssen und die Region der Königsschlösser in Fernost noch weiter bekannt zu machen. „Unsere Region wird dadurch in Japan populär“, zeigte sich Iacob überzeugt. „Es gab überall Fachgespräche.“ Wilhelm Schwecke hofft gar, dass die Partnerschaft mit der Burg Himeji Schloss Neuschwanstein dem Prädikat Weltkulturerbe ein Stück näher bringt. Denn das japanische Partnerschloss habe diesen Status bereits. 

In diesem Zusammenhang regte er an, auf den Eintrittskarten für Schloss Neuschwanstein die Silhouetten beider Schlösser abzubilden, um die Partnerschaft zu unterstreichen. „Ich möchte den Tourismus anschieben“, betonte er. „Es ist kein Automatismus, dass die Japaner zu uns kommen.“ Dafür müsse beständig am touristischen Angebot und den Beziehungen gearbeitet werden. Vor allem sollten sich die hiesigen Gastgeber von der Vorstellung verabschieden, Japaner seien „Billigtouristen“. 

„Die Billigtouristen sind wir Deutschen“, kritisierte er. Verstimmt sind die Füssener auch darüber, dass weder jemand von der Gemeinde Schwangau noch Vertreter der bayerischen Staatsregierung an der Reise teilgenommen haben. Der für die bayerischen Schlösser zuständige Finanzminister Markus Söder habe sich lediglich kurz per Videoübertragung zu Wort gemeldet. „Persönlich bin ich davon enttäuscht gewesen“, so Iacob. 

Die japanischen Gastgeber dagegen hätten der Schlösserpartnerschaft und dem Jubiläum der Städtepartnerschaft eine viel höhere Bedeutung beigemessen und einen riesigen Medienauflauf veranstaltet. Laut Rist habe die Berichterstattung in Japan über 51 Millionen Japaner erreicht. „Das ist eine unbezahlbare Imagewerbung“, so Schwecke. In Deutschland gab es dagegen lediglich eine dürre Pressemitteilung der Schlösserverwaltung.

Matthias Matz

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