Großzügigkeit statt Postenschacherei

Harmonie und guter Wille haben die konstituierende Sitzung des neuen Füssener Stadtrats am Dienstag geprägt. Vom Poker um Pöstchen keine Spur, stattdessen überlies die SPD-Fraktion das Amt des Dritten Bürgermeisters den Freien Wählern, die im Gegenzug ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundeten. Neben Ursula Lax (CSU), die wie zuletzt zweite Bürgermeisterin ist, steht nun Andreas Ullrich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) als Stellvertreter zur Seite.

Vergessen – oder zumindest verdrängt – schienen die Querelen vergangener Tage zu sein, als sich der neu gewählte Stadtrat am Dienstag zum ersten Mal im großen Sitzungssaal traf. Nach drei Monaten Zwangspause nahmen die 20 alt gedienten zusammen mit vier neuen Stadträten offenbar motiviert und optimistisch ihre Arbeit auf. Wie es sich im Vorfeld bereits abgezeichnet hat, stellen nun auch die Freien Wähler einen Bürgermeister. "Große Geste" FW-Fraktionsvorsitzender Michael Wollnitza schlug Andreas Ullrich als Kandidaten für den Dritten Bürgermeisterposten vor, der vor allem auch wegen seines hohen Stimmenanteils bei der Wahl geeignet sei. „Er hat die Akzeptanz der Bevölkerung“, erklärte Wollnitza. Kein Veto kam von der SPD, der traditionsgemäß dieser Posten zugestanden hätte. Die Sozialdemokraten hatten nach der CSU nämlich die zweitmeisten Stimmen bekommen. „Im guten Willen für eine effektivere und produktivere Zusammenarbeit“, so SPD-Fraktionschef Lothar Schaffrath, verzichteten die Genossen auf einen eigenen Kandidaten. 14 Stimmen entfielen in geheimer Wahl für Ullrich, der sich für die „große Geste“ bei der SPD-Fraktion bedankte. Er hege die Hoffnung „auf eine künftig gedeihlichere Atmosphäre“ im Stadtrat. „Wir sollten mehr miteinander reden als übereinander“, gab er an. Zuvor hatten die Räte auf den Vorschlag von Stadtrat Dr. Hans Martin Beyer Ursula Lax erneut zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Sie versprach „mit allen weiterhin gut zusammen zu arbeiten“. Knauss CSU-nah Die Ausschüsse besetzte das Gremium wie gewohnt im Verfahren nach D’Hondt und nicht nach Hare-Niemeier, wie von Grünen-Stadträtin Petra Schwartz gefordert. Das, erklärte Iacob, hätte ohnehin keine Änderung in der Besetzung gebracht. Denn wie zuvor bilden Grüne, FDP, Bürger für Füssen und UBL, die je einen Stadträte stellen, eine Ausschussgemeinschaft und profitieren somit nicht von einer Änderung. Das wäre lediglich für Stadtrat Günther Knauss, dem einzigen Rat des Bürgerblocks, relevant gewesen. Jedoch, so der Bürgermeister, tritt die CSU ihm ohnehin eine Sitz ab. „Es ehrt mich, dass Sie so für mich kämpfen“, meinte Knauss an die Adresse von Schwartz. „Ihr hättet allein bleiben sollen, dann wäre der Antrag gerechtfertigter“, sorgte er für die einzige Stichelei der Sitzung. So sitzt Knauss nun im Bau- Umwelt- und Verkehrsausschuss und vertritt den CSU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Hipp im Werkausschuss und im Haupt- Finanz- und Personalausschuss. Bei einer anschließenden Feier im Colloquium rief Bürgermeister Iacob die 24 Stadträte dazu auf, Ideologien beiseite zu legen. „Schenken Sie mir Ihr Vertrauen, ich schenke Ihnen meines“, so der Rathauschef.

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