Räte diskutieren Umzug des Wochenmarkts

"Der Markt wird immer dünner"

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Viele Parkplätze stehen Kunden, die den Wochenmarkt besuchen, auf der Morisse zur Verfügung. Bei einem Umzug würden diese dann fehlen, befürchten einige Markthändler.

Füssen – Einen Umzug des Wochenmarkts vom Morisse-Parkplatz in die Kemptener- und Luitpoldstraße haben jetzt verschiedene Stadträte ins Gespräch gebracht.

Während Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und Werbegemeinschaft der Idee durchaus aufgeschlossen gegenüber stehen, sind die Händler aber geteilter Meinung. Außerdem müssten beide Straßen zunächst saniert werden.

Weil die Parkplätze Morisse, Achmühle und Sparkassen-Tiefgarage seit Jahren ein Zuschussgeschäft für die Stadt sind, wird mindestens schon genauso lange nach Lösungen für das Dilemma gesucht (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Eine könnte nach Ansicht von Stadtrat Christian Schneider (Füssen-Land) die Verlagerung des immer donnerstags stattfindenden Wochenmarkts vom Morisse-Parkplatz sein, wie er am Dienstagabend im Werkausschuss erklärte. Und Brigitte Riedlbauer von der SPD ergänzte, dass sie sich eine Verlegung des Wochenmarkts von der Morisse in die Innere Kemptener Straße durchaus vorstellen könne.

Auch Bürgermeister Iacob meinte: „Eigentlich wäre das ein positiver Schritt.“ Allerdings soll zunächst mit der Werbegemeinschaft Füssen darüber gesprochen werden.

Belebung der Innenstadt

Gegenüber dem Kreisbote äußerte sich Iacob konkreter. Demnach scheinen die Überlegungen zur Verlagerung des Marktes schon weitaus konkreter zu sein als bislang gedacht. „Das ist eine ganz wichtige Sache zur Belebung der Innenstadt“, betonte Iacob auf Anfrage.

Allerdings müssten zunächst die Innere Kemptener und auch die Luitpoldstraße saniert werden, erklärte er. An einem Straßensanierungskonzept werde mit Hilfe des neuen Straßenzustandsregisters (der Kreisbote berichtete) bereits gearbeitet. Möglicherweise schon im November soll der Stadtrat auf dieser Basis diskutieren und entscheiden, wann welche Straße in Angriff genommen wird. Die Umsetzung werde aber wohl Jahre dauern. „Das ist also eine Überlegung für die Zukunft“, sagte Iacob.

Doch auch die Verantwortlichen der Werbegemeinschaft stehen einem Umzug des Marktes aufgeschlossen gegenüber. Man befürworte eine Verlegung grundsätzlich, teilte Vorsitzender Alexander Mayerhofer auf Nachfrage unserer Zeitung mit, „um einen Kopplungseffekt mit dem stationären Handel und der Gastronomie zu bewirken.“

Eine „mögliche Option“ sei in diesem Zusammenhang tatsächlich die Innere Kemptener Straße. „Es sind aber von unser Seite eventuell auch noch andere vorstellbar“, so Mayerhofer weiter. Allerdings wolle er den Verhandlungen mit dem Werkausschuss nicht vorgreifen.

Uneinigkeit bei Händlern

Die Markthändler sind dagegen geteilter Meinung. Die Einen erhoffen sich durch eine Verlagerung in Richtung Stadtzentrum mehr Laufkundschaft, die Anderen befürchten einen geringeren Umsatz, wenn die Parkplätze nicht mehr direkt daneben liegen. So meint Klaus Roth von der Gärtnerei Baumgartner: „Ich bin dagegen.“

Denn in der Inneren Kemptener Straße fehlten die Parkplätze. Wenn es zur Umsiedlung komme, werde seine Gärtnerei „50 Prozent weniger Umsatz haben“, schätzt er. Kunden würden schwere Sachen nicht zu ihrem Auto tragen, „wenn der Parkplatz weiter als 300 Meter weg ist“, ist er überzeugt.

Ganz anderer Meinung sind da Markus Völkel vom Fruchtkörble und Gertrud Sandner von Sandner Früchte. Völkel findet die Idee „sehr gut“, auch wenn der Platz an der Morisse „nicht schlecht sei.“ Allerdings fehle es hier in der Nachsaison an Laufkundschaft. Vor allem im Winter sei es „für ältere Bewohner sehr mühsam herzukommen“, meint auch Lutz Kretschmer vom „Der Fischmann“. „Ich wäre ganz dringend dafür“, so Kretschmer. Durch die Umsiedlung „profitieren die Marktgeschäfte und es profitieren die Einzelhändler“, so Kretschmer. Auch sein Stand könnte dadurch 40 Prozent mehr Kundschaft erzielen, vermutet Völkel. Für diese würde er auch den Mehraufwand, die der geringere Platz mit sich brächte, auf sich nehmen. Auch Sandner würde die Umsiedlung gefallen, wie sie erklärt. „Die Leute parken hier und laufen am Markt vorbei in die Stadt. Es fehlt die Laufkundschaft. Der Markt wird immer dünner.“

Konzept aufstellen

Erst die Rahmenbedingungen abwarten wollten dagegen Dieter Wilhalm vom Obsthof Wilhalm, Maria Luise Menner von der Gärtnerei Menner und Andreas Stora von der „Oliven + Öl Compagnie“. So müsse unter anderem geklärt werden, ob die Händler vor Ort ihre Transporter abstellen können, wie es mit dem Strom läuft und welche Regeln sie im Bezug auf die Anlieger einhalten müssten. Außerdem sollte der neue Standort nicht zu weit weg vom Parkplatz sein. Allerdings wäre die Nähe zum Stadtkern „eine Chance“, sagt Wilhalm.

Denn das Problem in Füssen sei: „Der Markt ist bei der Bevölkerung nicht verankert.“ Je größer die Vielfalt sei, desto attraktiver sei der Markt für die Kunden. Doch in Füssen fehle genau die. Das Dilemma: Die Kundschaft sei zu gering, um neue Händler zu etablieren, die wiederum neue Kunden anziehen würden, erklärt Wilhalm. „Eine Veränderung wäre bestimmt gut“, meint auch Stora. Der Markt an der Morisse sein in den vergangenen Jahren „eingeschlafen.“

Matthias Matz/Katharina Knoll

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