Mit neuen Methoden wollen heimische Zahnärzte Patienten die Angst nehmen

Angst war gestern

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Jens Heinrich und Zahnärztin Christina Geiger gelingt es, Vertrauen aufzubauen und ihren Patienten die Angst zu nehmen. Geiger informiert dabei auch über die Hypnose, die sie zur Entspannung einsetzen kann.

Füssen/Trauchgau – Die Zahnmedizin hat sich zunehmend hin zu sanften Behandlungsmethoden entwickelt.

Das schließt trotzdem nicht aus, dass sich aus Angst nicht nur Kinder, sondern oft auch gestandene Männer vor einem medizinisch notwendigen Termin auf dem modernen Stuhl einer zahnärztlichen Praxis drücken. Zahnärztinnen wie Christina Geiger in der Füssener Altstadt und Martina Moeller, die in Trauchgau praktiziert, wissen das längst aus Erfahrung. Beide machen ihren Patienten deshalb unterschiedliche Angebote: Bei Geiger ist es die Hypnose, Moeller bietet Lachgas an. 

Die beiden Zahnärztinnen betonen allerdings ihre Gemeinsamkeit und die mit Kollegen: Erster großer Schritt beim Kontakt in der Praxis sei, „Vertrauen aufzubauen“, betont Geiger beim Gespräch mit dem Kreisboten. Sie ist angestellt in der Gemeinschaftspraxis für Zahnheilkunde von Dr. Georg Gropper, Jens Heinrich und Dr. Natalie Sickinger in Füssen. 

Heinrich betont: „Die Angst vorm Bohren sollte keiner Person peinlich sein.“ Das gelte auch für die Spritzen. Er gibt den folgenden Rat: Der Patient solle über seine Angst sprechen und sich Informationen zur Behandlung direkt vom Praxisteam holen. Widerstände gegen Hypnose verschwinden, wenn dem Patienten erklärt werde, „dass er ansprechbar bleibt“, während die Zahnärztin arbeitet. „Mein Patient liegt völlig entspannt da. Die Muskeln sind locker, der Mund gibt nach. Ihm fehlt das Zeitgefühl.“ 

Der Patient werde jedoch keinesfalls zum „willenlosen Opfer“, betont Geiger. Weil der Patient durch die Hypnose geduldig sei, könne die Behandlung gut vorankommen. „Bei der medizinischen Hypnose wird unser Patient in einen Trancezustand versetzt. Er konzentriert sich dabei auf sehr angenehme Vorstellungsbilder.“ Das könnte ein ganz entspannter Lauf mit Blick auf die Königsschlösser sein. Ihre Hypnose-Weiterbildung absolvierte sie in Stuttgart. 

Solche Entspannungsverfahren werden – wenn es notwendig ist – durchaus auch mit Spritzen kombiniert. „Jeder Patient wird als Einzelfall individuell beraten. Vertrauen ist das A und O“, weiß Geiger. Kollegin Martina Moeller pflichtet dem bei. Dass auch ihre mit der früher üblichen und längst weiter entwickelten Lachgas-Methode beruhigten Patienten zur Behandlung angstfrei kommen und sich „auf meinem Zahnarztstuhl sogar minutenlang erholen“, berichtet Moeller. 

Sie hat vor ihrer Praxisübernahme Ende 2014 zehn Jahre praktische Erfahrung gesammelt. „Nach 15 Minuten ist unser Patient wieder fahrtüchtig. Nebenwirkungen sind praktisch ausgeschlossen, während eine Vollnarkose immer eine Belastung für den Patienten ist.“ Wer den Besuch beim Zahnarzt scheue, habe diesen Trend zur sanften Zahnheilkunde in gemeinsamer entspannter Atmosphäre wohl noch gar nicht richtig mitbekommen. 

Wohlfühlatmosphäre 

In der Praxis wird der Patient mit eine leisen Hintergrundmusik empfangen. Früher gab es die typischen Zahnarztgerüche, die auch angstfreien Patienten ziemlich unangenehm waren. Sie sind wie weggeblasen. Lange, die Angst weiter verstärkenden, Wartezeiten vor Ort gehören ebenfalls der Vergangenheit an. „Es wird versucht, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen“, erklärt Moeller. „Das Lachgas-Gemisch wird individuell für jeden Patienten dosiert. Das Ziel ist, den besten Behandlungszustand zu erreichen.“ Beide Zahnärztinnen und die Kollegen in der Region seien sich aber auch im Klaren darüber, dass ihre Angebote nicht „in jedem Fall“ helfen, so Moeller. 

Die medizinische Behandlung wird weiterhin mit Geräuschen des Bohrers und dem sehr engen Kontakt im Kopfbereich verbunden sein. Ein Tipp von Geiger und Moeller leuchtet aber sofort ein: der Königsweg heiße Prävention. Wenn auf die Zahnpflege geachtet und regelmäßig zur Untersuchung gegangen werde, lasse sich das Risiko von Zahnschmerzen minimieren. Moeller – sie ist Mutter von zwei Buben – hat sich mittlerweile spezialisiert: auf dem Gebiet der zahnärztlichen Kinderheilkunde. 

Sie gibt diesen Rat: „Erwachsene sollten trotz ihrer früheren negativen Erfahrungen in einer Praxis mit einem anderen Arzt ihres Vertrauens die Zähne pflegen. Längst stehen uns moderne Verfahren und neue Techniken für Vorsorge und Behandlung zur Verfügung. Patienten werden nicht kritisiert, wir helfen ihnen und ihren Zähnen.“ Christina Geiger unterstreicht: „Es ist faszinierend, was mit Hypnose und Lachgas in entspannter Atmosphäre bei der praktischen Behandlung alles geht.“

Chris Friedrich

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