Gespräche über die Zukunft des Veranstaltungshauses sollen in dieser Woche stattfinden

Quo vadis, Festspielhaus?

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Mächtig steht das Füssener Festspielhaus am Ufer des Forggensees. Wie es mit dem Prunkbau weitergeht, ist derzeit offen.

Füssen – Für Eingeweihte kam das, was eine Sprecherin am vergangenen Donnerstag bekannt gab, wenig überraschend: Das Festspielhaus ist mal wieder pleite. Zum mittlerweile dritten Mal ist dem Veranstaltungshaus offenbar das Geld ausgegangen.

Am Montag zuvor hatte die Füssen Besitz GmbH & Co. KG am Amtsgericht Kempten Insolvenz beantragt. Doch anders als bei den ersten beiden Pleiten hält sich der Schock diesmal in Grenzen. Im Gegenteil: So sieht zum Beispiel Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) in der neuerlichen Insolvenz die Chance, den Betrieb des Prunkbaus endlich langfristig auf solide wirtschaftliche Beine zu stellen. „Wir wünschen uns eine zügige Lösungsfindung.“ Ideen gibt es demnach bereits.

Gerüchte um angeblich nicht unerhebliche Geldsorgen des Füssener Festspielhauses am Westufer des Forggensees machten bereits seit geraumer Zeit die Runde. Bekannt war auch, dass der Gesellschafter, ein Kemptener Geschäftsmann, die Immobilie seit Jahren verkaufen wollte. So gesehen kann die Nachricht vom dritten Insolvenzantrag am vergangenen Donnerstagmittag nicht wirklich überraschen. Von der Füssen Besitz GmbH wollte sich dazu auf Anfrage des Kreisbote niemand äußern bzw. war niemand erreichbar. Stattdessen wurde auf den Insolvenzverwalter verwiesen.

Wie schon bei den ersten beiden Pleiten in den Jahren 2004 und 2007 wurde erneut der Münchner Rechtsanwalt Dr. Marco Liebler zum Insolvenzverwalter bestellt. Wie es über den September hinaus – bis dahin sollen alle Veranstaltungen wie das „Königswinkel Openair“ oder die Neuauflage des Ludwig-Musicals wie geplant stattfinden – weitergehen soll, ist derzeit noch unklar.

Auf Anfrage des Kreisbote teilte Liebler Ende vergangener Woche lediglich mit, sich erst im Laufe dieser Woche zu weiteren Details äußern zu wollen. Gespräche mit Interessenten über eine Übernahme des Prunkbaus gegenüber Schloss Neuschwanstein soll es demnach aber bereits in dieser Woche geben.

Suche nach Investor

 Das bestätigte auch Füssens Bürgermeister Paul Iacob auf Anfrage unserer Zeitung. Er sehe die Insolvenz „mehr als Eigentümerwechsel“ denn als Pleite, sagte er. Schließlich habe es seit Jahren Verhandlungen über einen Verkauf des Hauses gegeben. Diese seien bisher allerdings vor allem am fehlenden Geld auf Investorenseite gescheitert.

So platzte laut Füssen aktuell beispielsweise ein Verkauf im Winter 2012 für elf Millionen Euro an eine Berliner Investorengruppe, obwohl die Kaufverträge seinerzeit schon unterschrieben gewesen sein sollen. Diesmal könnte die Situation aber eine andere sein. „Es sind Investoren da, die das stemmen könnten“, sagte Iacob am Montag, hielt sich aber hinsichtlich möglicher Namen bedeckt.

Dazu könnte offenbar auch der seit langem geplante Bau eines Hotel neben dem Festspielhaus gehören, für den der Füssener Stadtrat und das Landratsamt Ostallgäu schon vor Jahren die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen haben. Mit dem Bau eines hochwertigen Hotels soll das Festspielhaus Füssen auch für die Ausrichtung von Tagungen interessant werden. „Man braucht ein zweites Bein wie das Hotel“, so Iacob. „Die Kultur alleine stemmt das nicht.“ Von daher sei der Bau eines Beherbergungsbetriebs am Ufer des Forggensees unerlässlich für eine nachhaltige wirtschaftliche Zukunft des Hauses.

Vorbild bigbox? 

Ähnliche Wege hat das zweite große Veranstaltungshaus im Allgäu, die bigbox in Kempten, bereits vor rund zweieinhalb Jahren beschritten. Seitdem steht direkt neben dem Veranstaltungs- und Konzerthaus in der Kotterner Straße das neue bigbox-Hotel mit über 120 Zimmern. Gedacht ist es unter anderem für Tagungsgäste und Besucher der Konzerte und Veranstaltungen.

Die Stadt Füssen werde auf jeden Fall ihren Teil dazu beitragen, das Festspielhaus langfristig auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen, erklärte Iacob im Gespräch mit dem Kreisbote. So stehe die Stadt wegen der Installation einer Klassik-Reihe mit Bezug zu Richard Wagner und König Ludwig II im Festspielhaus mit der Bayerischen Staatsregierung in Gesprächen. Ein erster Schritt in diese Richtung sei bereits im vergangenen Jahr mit dem „Ring des Nibelungen“ gemacht worden.

Keine Auswirkungen

 Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier hofft ebenfalls auf eine Erweiterung des Angebots am Forggensee: „Eine Kombination aus profilbildenden Veranstaltungen, hochwertigen Tagungsmöglichkeiten und einem angeschlossenen Hotel höchster Qualität, all das in einer der schönsten Lagen des Allgäus, wäre eine deutliche Aufwertung nicht nur für Füssen, sondern für die gesamte Region“, sagte er auf Anfrage.

Der neuerliche Insolvenzantrag zerstöre aber zunächst einmal das Vertrauen in das Haus „und ist nachteilig für das Image des Tourismustandortes Füssen, der bereits unter den ersten beiden Insolvenzen des Hauses gelitten hat“, so Fredlmeier weiter. Schließlich habe sich das Haus in den vergangenen Jahren durch „hochkarätige Veranstaltungen bis hin zu Fernsehproduktionen“ wieder zu einem Veranstaltungsort mit einer Ausstrahlung weit über die Region hinaus entwickelt.

Allerdings, und das betont Fredlmeier, sei die strategische Tourismusentwicklung der Stadt Füssen von der Insolvenz nicht betroffen. „Das strategische Konzept wird durch den Insolvenzantrag nicht zentral gestört.“

Matthias Matz

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