Keine Sozialwohnungen auf der Guggemoswiese

Günstig aber nicht billig

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Auf der Guggemoswiese will die Firma Hubert Schmid Wohnungen bauen. Ein Architektenwettbewerb soll die Details dafür festlegen.

Füssen – In Füssen herrscht ein eklatanter Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Trotzdem sollen auf der sogenannten Guggemoswiese zwischen Sonnen- und Glückstraße keine Sozialwohnungen gebaut werden.

Mit 12:6 lehnte der Stadtrat am Dienstagabend einen entsprechenden Antrag von Ilona Deckwerth (SPD) ab. Stattdessen wird die Firma Hubert Schmid dort zumindest zum Teil „familienfreundliche und bezahlbare Wohnungen“ bauen. Zunächst soll aber ein umfangreicher Planungswettbewerb stattfinden – doch auch das sorgte für Diskussionen. 

Die „Guggemoswiese“ im Besitz des Marktoberdorfer Bauunternehmens Hubert Schmid zwischen Sonnen- und Glückstraße im Osten und Westen und der Von-Freyberg- und Kirchstraße im Norden und Süden ist eines der letzten großen unbebauten Grundstücke im Herzen der Stadt. „Das äußerst stadtzentrumsnahe Grundstück stellt eine wichtige Entwicklungsfläche im Rahmen der städtebaulichen Innenentwicklung der Stadt dar“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer am Dienstagabend.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und angesichts der guten Anbindung an die Innenstadt biete sich das Areal förmlich an, hier Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungen in einem „urbanen Quartier“ zu errichten. Demzufolge soll ein Viertel der dort zu bauenden Wohnungen „preisgünstig und familiengerecht“ errichtet werden. Die Architektur soll sich an die Umgebung anpassen. 

Möglich ist außerdem die Ansiedlung von „nichtstörendem Gewerbe“. Gleichzeitig wird gewünscht, im Umfeld der Christuskirche die Flächen neu zu ordnen, um unter anderem einen Kirchplatz für die Gemeinde zu schaffen. Wegen der Wichtigkeit des Geländes und um böse Überraschungen wie beim neuen Bahnhof zu vermeiden, soll diesmal aber auf Vorschlag der Regierung von Schwaben in Augsburg und zusammen mit der Firma Hubert Schmid ein sogenannter Einladungswettbewerb stattfinden. 

„Auf Basis einer vom Stadtrat vorgegeben Auslobung mit konkreten Planungszielen und Rahmenbedingungen sollen sieben bis zehn Planungsbüros Konzept-Vorschläge unterbreiten, die von einem Preisgericht aus Vertretern des Stadtrates, des Grundstückseigentümers, der Verwaltung und externen Fachleuten bewertet werden“, erklärte Angeringer. Das Ergebnis des Verfahrens werde als Grundlage für das folgende Bebauungsplan-Verfahren dienen. Abgeschlossen sein soll der Prozess Ende 2016. Die Kosten trägt Hubert Schmid. 

"Flagge zeigen" 

Was zunächst am Dienstagabend grundsätzlich auf Zustimmung bei den Stadträten stieß, sorgte im Detail für Diskussionen. So beantragte Ilona Deckwerth von der SPD, die Firma Hubert Schmid zu verpflichten, 25 Prozent – oder auch nur 15 Prozent – der Wohnungen als Sozialwohnungen anzubieten. „Wir sind berechtigt festzusetzen, dass dort nur Wohnungen für Gruppen mit besonderem Wohnbedarf entstehen“, sagte sie. „Eine Kommune hat Planungsrecht über alle Grundstücke im Stadtgebiet.“ 

Neu-Stadtrat und Fraktionskollege Georg Waldmann wollte Sozialwohnungen auf dem Gelände zumindest von vornherein nicht ausschließen. „Hier kann Füssen Flagge zeigen“, betonte er. Auch Jörg Umkehrer von den Grünen unterstütze Deckwerths Antrag. „Wir sollten das prüfen bis zum Letzten und nicht von vornherein ausschließen“, appellierte er. In München funktioniere das auch. Ansonsten sehe er die Gefahr, dass es in Füssen zu einer räumlichen Trennung von Arm und Reich komme. 

Stadträte sind dabei 

Aber weder bei der Verwaltungsspitze noch bei den anderen Fraktionen stieß der Antrag Deckwerths auf Zustimmung. „Der Grundstückspreis schließt jeglichen Sozialen Wohnungsbau aus“, sagte beispielsweise Andreas Ullrich von den Freien Wählern (FW). Bürgermeister Paul Iacob (SPD) verwies ebenfalls auf die Grundstückskosten. Sozialer Wohnungsbau sei dort wirtschaftlich nicht darstellbar, betonte er. Das funktioniere nur auf kommunalen Grundstücken, die die Stadt günstig hergebe. 

So lehnte das Gremium nach einigem Hin und Her das Ansinnen Deckwerths mit 12:6 ab. 

Andere Stadträte wie Dr. Christoph Böhm (CSU) oder Magnus Peresson (UBL) sahen dagegen die Einflussmöglichkeiten des Stadtrats in dem vorgesehenen Verfahren als nicht ausreichend gewährleistet. „Ich möchte vermeiden, dass wieder wie beim Bahnhof der Verdacht aufkommt, da ist bereits eine Vorauswahl getroffen worden“, warnte Böhm. 

Zwar versuchte Bürgermeister Iacob Böhm zu beschwichtigen, indem er betonte, die Planungshoheit liege zum Schluss einzig und allein bei der Stadt. Aber auch Dr. Anni Derday (FW) forderte, dass ein noch abzuschließender städtebaulicher Vertrag unbedingt von Bauausschuss oder Stadtrat abgesegnet werden müsse. Magnus Peresson bat außerdem um Sensibilität bei der Bebauung des Areals. 

„Es handelt sich um ein besonderes Gebiet“, so der Architekt. „Man sollte da keinen Kontrast reinhauen“, appellierte er. Das Gremium einigte sich schließlich auf folgende Ergänzungen zum Antrag der Stadtverwaltung: Neben Verwaltung und Vertretern der Firma Hubert Schmid werden auch drei Stadträte sowie Vertreter der Regierung von Schwaben mitbestimmen, welche Architekturbüros schließlich an dem Wettbewerb teilnehmen werden. 

Auch bei dem Einladungswettbewerb selbst werden drei Ratsmitglieder dabei sein. Außerdem wird nun statt dem Fraktionsbeirat der Bauausschuss im Preisgericht vertreten sein. Den Städtebaulichen Vertrag muss nach Angaben Iacobs ohnehin der Stadtrat absegnen. Dieser Lösung stimmte das Gremium schließlich einstimmig zu.

Matthias Matz

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