Mähen oder gedeihen lassen? Wegränder sorgen für Diskussionen

Mehr Verständnis

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Verständnis wecken für die Notwendigkeit, dass Wegränder voller Wildblumen anders aussehen als liebevoll gepflegte Gärten, das wird auch bei Führungen versucht. Dr. Ina Schicker und Walter Hundhammer leisten Aufklärungsarbeit vor Ort. Das Foto zeigt beide Naturschützer an einem Moosangerwiesen-Weg.

Füssen – Geht es um die Ränder der Wege, sind der Ordnungssinn der Bürger und der Schutz der Artenvielfalt oft nur schwer unter einen Hut zu bekommen. Um eine Lösung zu finden, trafen sich am Mittwoch Naturschützer und Vertreter der Füssener Bauverwaltung zu einem Ortstermin bei den Moorangerwiesen.

Als Ergebnis stand dabei bald fest, dass in Füssen künftig Mähen in reduzierter Form praktiziert werden soll. Um für Thema „Artenvielfalt“ zu sensibilisieren, hatte der Bund für Naturschutz am Mittwochvormittag an die Moorangerwiesen zur gemeinsamen Begehung eingeladen.

Dabei ging es vor allem um die Frage, wie häufig die Ränder der Wege oft gemäht werden sollten. Einmal im September reiche völlig aus, so Walter Hundhammer, Beirat der Unteren Naturschutzbehörde. Dem pflichtet Dr. Ina Schicker bei.

Die Füssener Stadtverwaltung und der Bauhof ernten dagegen Kritik, wenn es an den Wegesrändern anders aussieht als es der Bürgerordnungssinn für ordentlich hält. „Wir bekommen regelmäßig Anrufe mit der Frage, warum da und dort nicht gemäht wird“, sagt Thomas Baier vom Tiefbauamt, das für die Landschaftspflege zuständig ist.

Weitere Teilnehmer des Treffens waren Robert Berchtold vom Forstamt sowie Adolf Zintl vom städtischen Bauhof.

Gegen häufiges Mähen

 Das Ablaufen von zwei sich kreuzenden ländlichen Wegen machte anschaulich, was Hundhammer zuvor auf einem Info-Blatt zur Artenvielfalt dokumentiert hatte. „Wird hier einmal im September gemäht, sind am Wegesrand 32 verschiedene Arten zu entdecken“, so Hundhammer. „Die Anzahl reduziert sich auf sechs Arten, wenn mehrmals im Jahr gemäht wird“.

Biologin Schicker erläuterte außerdem: „Häufiges Mähen zieht einen Rattenschwanz nach sich. So werden zum Beispiel Insekten und Schmetterlinge immer seltener.“ Vieles greife ineinander – mit negativer Wirkung für Mensch und Natur.

Mehr Aufklärung

 Die Teilnehmer der Begehung waren sich einig, dass mit Aufklärungsarbeit die Einsicht zu gewinnen sei, dass ein Weg zwischen Wiesen anders aussehen sollte als ein gepflegter Rasen am Eigenheim oder auf dem Golfplatz. Alles einfach nach Herzenslust blühen lassen, sei aber ebenso falsch wie allzu häufige ordnende Eingriff in den natürlich Wachstumstrieb.

Darüber herrschte bei der Begehung ebenfalls Übereinstimmung unter den Füssener Fachleuten. Die örtlichen Landwirte – die im Auftrag des Landespflegeverbands Arbeiten zum Schutz der Natur erledigen – und Wiesenbesitzer für den Naturschutz weiter zu sensibilisieren, könnte gewährleisten, dass sich Bocksbart, Hornklee oder Sauerampfer am Wegesrand halten werden.

In Hundhammers Beispiel vom mehrmaligen Mähen kamen diese Arten in der Auflistung nicht mehr vor. „Wir wollen nicht, dass wirkliche Schätze verloren gehen“, bekräftigte Schicker das Anliegen der Naturschutz-Initiative. Mit sachlichen Infos sollten Einheimische und Touristen auch bei Führungen aufgerüttelt werden. Es sei schließlich nicht selbstverständlich, dass Spaziergänger sich über einen Schmetterling freuen dürfen, ergänzte Hundhammer.

Als Ergebnis der Info-Stunde bei strahlendem Sonnenstein stand schnell fest, dass in der Stadt Füssen künftig Mähen in reduzierter Form praktiziert werde. Darüber den „zuständigen städtischen Ausschuss“ informieren, war ein Vorschlag von Berchtold von der Forstamtsleitung.

Chris Friedrich

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