Allgäuer Schmetterling-Erlebniswelt droht die Zwangsversteigerung

"Ich gebe nicht auf"

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Zwischen 20 und 35 tropische Schmetterlingsarten sind in der Allgäuer Schmetterling-Erlebniswelt in Pfronten-Weißbach zu sehen. 

Pfronten – Die Rettung schien schon sicher, doch jetzt muss die Allgäuer Schmetterling-Erlebniswelt in Pfronten-Weißbach erneut zittern: Ihr droht Ende Juli die Zwangsversteigerung.

Doch Inhaberin Brigitte Hartmann will kämpfen: „Ich versuche alles, um das abzuwenden.“ Nachdem sie aber weder bei Banken, Investoren oder der Gemeinde Pfronten Erfolg hatte, wendet sie sich jetzt an die Politik – und an ihre Kunden.

Die vergangenen zwei Jahr waren wie eine Achterbahnfahrt für Brigitte und Wolfgang Hartmann – ein ständiges Auf und Ab. Im Februar 2015 konnte das Angebot einer Geldgeberin aus Nordrhein-Westfalen die erste Zwangsversteigerung der Schmetterlingswelt noch abwenden. Per Mietkauf wollten die Hartmanns dann in den kommenden zehn Jahren ihre kleine tropische Welt wieder zurückkaufen. So war der Plan.

Doch es kam ganz anders: Nachdem sie den Zuschlag von der Bank erhalten hatte, stellte die Geldgeberin „unseriöse Anträge ans Gericht“, erklärt Brigitte Hartmann. Die Frau war laut Hartmann der Meinung, dass der Rechtspfleger befangen gewesen sei und man ihr den falschen Preis genannt habe.

Die Bank wollte sich auf solche Diskussionen nicht einlassen. Sie nahm der Frau den Zuschlag wieder weg, zahlte das Geld zurück und erteilte den Hartmanns erneut den Zuschlag. Und die stehen jetzt vor einem Problem: „Obwohl wir wieder gestiegene Besucherzahlen und 46 Prozent mehr Umsatz vorweisen konnten, gewährt uns die Bank keine Zeit mehr“, so Brigitte Hartmann. „Die Bank lässt sich auf nichts ein.“

Obwohl schon seit 35 Jahren Kunde, habe ein Banker gesagt, „Blumen sind ein rotes Tuch für die Banken und dass man mit Schmetterlingen wirtschaftlich arbeiten kann, das können und wollen wir nicht glauben“, erinnert sich die Pfrontenerin. Deshalb droht am 22. Juli nun die zweite Zwangsversteigerung.

"Das Todesurteil"

Doch Hartmann gibt nicht auf, auch wenn sie bisher nur auf Ablehnung stieß. Jede Bank habe ihr bisher abgesagt. „Wenn man in der Schufa steht und im Grundbuch die Zwangsversteigerung drinsteht, ist dass das Todesurteil. Da können Sie machen, was Sie wollen“, habe ihr ein Banker erklärt. Und auch bei der Gemeinde Pfronten hatte die Betreiberin kein Glück. „Unserem Vorschlag die Schmetterlingswelt herauszukaufen, an uns zu verpachten mit Rückkaufgarantie stehen sie abwehrend entgegen“, so die Besitzerin der Schmetterlingswelt.

„Ich gebe nicht auf“, sagt Hartmann. Denn es gehe ihr nicht nur um ihre Existenz, sondern auch darum, die Leute für die Natur zu sensibilisieren. So hatte sie neulich erst eine 70-jährige Dame zu Gast, die erstaunt war, dass aus einer Raupe ein Schmetterling entsteht. Oder die Familie, die nur wegen der Schmetterlingswelt Urlaub im Allgäu gemacht hat. „Da kämpfe ich darum, dass wir das erhalten. Allein schon wegen der ganzen lieben Leuten, die uns unterstützen und wieder kommen wollen.“

Ihre Kunden kommen ihren Angaben zufolge mittlerweile bis aus München, Ulm, Reutte, Garmisch-Partenkirchen oder Oberstdorf. „Gerade die Großraumallgäuer haben uns sehr unterstützt. Das hat uns sehr viel geholfen.“ Großen Zuspruch erhält Hartmann auch über das Soziale Netzwerk Facebook.

Hoffen auf die Politik

Daraus zieht Hartmann ihre Kraft. „Bei der ersten Zwangsversteigerung hab ich sehr, sehr Angst gehabt. Das ging an die Nerven. Jetzt bin ich relativ ruhig. Denn im ersten Jahr habe ich gesehen, wie viele Menschen hinter uns stehen. Das hat mich stark gemacht“, so die Pfrontenerin. „Ich traue mich heute Sachen, die ich mir früher nicht getraut habe.“ Beispielsweise Politiker anzuschreiben und um Unterstützung zu bitten. So wandte sie sich neben den Landtagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU), Paul Wengert (SPD) und dem Bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) auch an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) – und erhielt tatsächlich eine Antwort.

Schäubles Büro schrieb ihr, „dass ich das ,Nein´der Banken nicht akzeptieren soll, dass ich mich bei der Bankenaufsicht beschweren und spezielle Förderprogramme in Anspruch nehmen soll für in Schieflage geratene Unternehmen.“

Investoren lachen

Allerdings sei die Bankenaufsicht der Ansicht, dass sie dafür nicht zuständig seien. Und auch bei den Förderprogrammen gibt es einen Haken. Ein Mitarbeiter der Bayerischen Staatsregierung kam am Ende allerdings zu der Erkenntnis: Alle Förderprogramme benötigen eine Bank. Und die Firmen, die investieren, wollen eine hohe Rendite. Beträge, um die es im Fall der Pfrontener Schmetterlingswelt geht, sind für sie uninteressant. „Förderprogramme helfen mir nichts, weil keine Bank ,ja´sagt“, so Hartmann.

Und die Einstellung möglicher Investoren bekam die Pfrontenerin schon am eigenen Leib zu spüren. Einer habe sie ausgelacht: „Unter 300.000, 400.000 Euro fängt er gar nicht erst an“, so Hartmann.

Kraft aus dem Glauben

Trotzdem lässt sich die Pfrontenerin nicht runterziehen. Kraft zieht sie auch aus ihrem Glauben. Soviel Unterstützung würde der „Herrgott“ ihr nicht schicken, „wenn er uns zerstören will. Das ist auch meine Hoffnung“, so Hartmann. Brigitte Hartmann hat auch schon eine Idee, wie sie ihre kleine tropische Welt vielleicht doch noch retten kann: Sie setzt jetzt auf die Unterstützung ihrer Kunden.

Unter http://iallgaeu.de/schmetterling können Interessierte eine Spende abgeben. Bei der Spendenseite war Hartmann wichtig, dass das Geld sicher verwahrt wird. „Falls es schief geht, dass ich den Leuten das Geld zurückgeben kann.“ Hartmann ist aber überzeugt: „Wenn die große Finanzierung weg ist, schaffen wir den Rest allein.“ Denn bis Juni besuchten heuer bereits über 8500 Gäste die Schmetterlingswelt. Das seien zwei Drittel der Besucherzahlen des vergangenen Jahres.

Und falls sie die Zwangsversteigerung doch noch abwenden kann, hat Hartmann schon ein neues Projekt im Blick: Ein Teil des Moorlehrpfads zu werden. „Wir liegen da mittendrin.“ Auf dem Grundstück hätte sie genug Platz Hoch- und Niedermoorbeete anzulegen. „Mit den richtigen Pflanzen könnte man den Moorbläuling (einen Schmetterling- Anmerk. d. Rd.) ansiedeln. Vor Ort hätten wir dann ein kleines Stück vom Lehrpfad“, so Hartmann. Und eine Möglichkeit die Menschen auch für die Natur vor Ort zu sensibilisieren.

Katharina Knoll

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