Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Füssener ein

Ein Fall von Notwehr

+
Auf der Theresienbrücke ereignete sich Ende April der tragische Vorfall, der wohl im Dezember vor Gericht verhandelt wird.

Füssen – Ein halbes Jahr nach dem tragischen Tod von Augusto C. im Anschluss an eine Schlägerei auf der Theresienbrücke hat die Staatsanwaltschaft Kempten nach eigenen Angaben Anklage gegen einen Freund von C. erhoben.

Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 

Das Verfahren gegen einen Füssener, der die beiden Italiener im Laufe der Prügelei von der Brücke in den Lech geworfen hatte, ist dagegen eingestellt worden. Der Mann habe offenkundig aus Notwehr gehandelt. 

Der Vorfall hatte bis Italien für Schlagzeilen gesorgt: Zwei junge Italiener aus Füssen, einer 33 und der andere 29 Jahre alt, griffen nach einem Besuch der „Schiffwirtschaft“ offenbar betrunken Ende April einen damals 48-jährigen Mann aus Füssen auf der Theresienbrücke an. Nachdem zunächst verbal die Fetzen geflogen sein sollen, gingen die beiden Freunde den Älteren schließlich auch körperlich an, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Dabei sollen die zwei, so Bernhard Menzel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten auf Anfrage des Kreisboten, auch mit Bierflaschen auf den Mann losgegangen sein. Dem körperlich deutlich überlegenen Füssener gelang es aber im weiteren Verlauf, beide Angreifer zu packen und über das Brückengeländer in den kalten Lech zu werfen. 

Während der 29-Jährige schnell gerettet werden konnte, blieb Augusto C. – der nach Informationen des Kreisboten wegen einer Schulterverletzung einen Arm in Gips trug und wenige Tage später operiert werden sollte – trotz intensiver Suchmaßnahmen in der Nacht vermisst. Seine Leiche wurde erst Wochen später von einem Mitarbeiter des AÜW bei Reinigungsarbeiten an einem Rechen des Hornwehrs entdeckt.

Die Staatsanwaltschaft in Kempten nahm daraufhin Ermittlungen gegen beide Beteiligte auf. Während die Behörden nach dem Fund der Leiche gegen den Füssener wegen Totschlags ermittelten, lautete der Vorwurf gegen den Italiener gefährliche Körperverletzung. 

Füssener handelt in Notwehr 

Mittlerweile, so Behördensprecher Menzel, seien die Kemptener Strafverfolger zu einer abschließenden Bewertung gekommen. Demzufolge sind die Ermittlungen gegen den seinerzeit 48 Jahre alten Füssener wegen Totschlags eingestellt worden. 

„Es muss davon ausgegangen werden, dass er in Notwehr gehandelt hat“, erklärte Menzel gegenüber unserer Zeitung. Zuvor sei geprüft worden, „ob der Brückenwurf erforderlich, geeignet und geboten war, um einen rechtswidrigen Angriff abwehren zu können.“ Aufgrund der Ermittlungsergebnisse und vorliegenden Zeugenaussagen aus jener Nacht sei das offenkundig der Fall gewesen.

Der mutmaßliche Angreifer wird sich hingegen voraussichtlich Anfang Dezember vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen, so Menzel gegenüber unserer Zeitung.

Matthias Matz

Meistgelesene Artikel

Neue Ideen

Pfronten – Für frischen Wind beim diesjährigen Neujahrsempfang der Gemeinde Pfronten im Pfarrheim St. Nikolaus sorgten jetzt die Geistlichen Andreas …
Neue Ideen

"Irgendjemand steuert das"

Füssen – Die erste Sitzung des Stadtrates hat noch nicht einmal stattgefunden, da erlebt die Stadtpolitik bereits ihren ersten Eklat im neuen Jahr.
"Irgendjemand steuert das"

Die "Talschlampe" und der "Cousin"

Füssen – Ob Schweizer Militärfahrrad, XL-Mountainbike oder Bergabrad: Bei ihrer eintägigen Schau haben Hannes Zacherl und Albert Müller, Betreiber …
Die "Talschlampe" und der "Cousin"

Kommentare