"Festival vielsaitig": Das Peter Lehel Quartett lässt mit Welthits Jazzgeschichte Revue passieren

Eine musikalische Geschichtsstunde

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Durfte nicht ohne Zugaben gehen: das Peter Lehel Quartett kommt im Kaisersaal mit seiner Jazz-Schatzkiste gut beim Publikum an.

Füssen – Bücher über die etwa 150-jährige Jazzgeschichte füllen ganze Bibliotheken. Das Peter Lehel Quartett hat jetzt als Gast des „Festivals vielsaitig 2014“ lediglich 90 Minuten im Kaisersaal gebraucht, um die heißen Kapitel aufzuschlagen.

Die 120 Zuhörer in Füssen dankten für einen mündlichen Vortrag, der selbst den Fans des „Sounds des 20. Jahrhunderts“ auch Neues bieten konnte. „Take Five“ wurde, wie Lehel anmerkte, überhaupt nicht von Dave Brubeck geschrieben, sondern vom Saxofonisten des berühmten Quartetts. 

Er heißt Paul Desmond. Dieser hat geregelt, dass nach seinem Tod die Tantiemen alle ans Rote Kreuz fließen sollen.  Das Publikum genoss dieses und zahlreiche andere live servierten Welthits, die das Jazz-Quartett aus dem Badischen als typische Beispiele für den jeweiligen Jazz-Stil hervorgekramt hatte. 

Deutlich wurde: Jazz entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einer im Brauchtum verwurzelten mehr oder weniger regional bedeutsamen Musik über seine Funktion als swingender oder rockiger Pop hin zu einer Kunstmusik, die wie der Free Jazz kein breites Echo im Zuhörerkreis findet. Wenn er als Arrangeur arbeitet, fühlt sich Saxofonist Lehel – typisch für den neuen Jazz – einer Fusion verpflichtet: er pflegt die Nähe zur Klassik. 

Alter Musik neue Impulse einhauchen 

Mit dieser künstlerischen Ambition, der alten Musik neue Impulse einzuhauchen, passt er zum Festival, das offen für neue Töne ist. Die professionelle Performance löste im Publikum dank der bekannten Titel wie zum Beispiel „Birdland“ immer wieder starke nostalgische Gefühle aus. „Das ist die Musik, mit der wir damals aufgewachsen sind“, so ein Zuschauer in der Konzertpause. 

Dass sich dieser Abend zu einem großen Erfolg im Festival-Rahmen entwickeln würde, stand eigentlich schon nach den ersten Minuten fest. Der Ragtime war genau der Einstieg, den das lehrreiche Konzertprogramm brauchte. Ull Möck eröffnete den Abend am Flügel. Auch Mini Schulz, entspannt am Bass, und Drummer Dieter Schumacher bekamen Gelegenheit sich einzeln zu profilieren, was sympathisch über die Bühne ging. Peter Lehel präsentierte Jazz als reine Männerwelt. Weil er sich als Moderator auf die Namen der großen, prägenden Instrumentalisten konzentrierte, blieb unerwähnt, dass auch Sängerinnen wie Ella Fitzgerald die Musikgeschichte der neueren Zeit mitgeschrieben hatten.

Komplizierte Rhythmen souverän gemeistert 

Dass keiner aus dem Quartett gesungen hat, war allerdings kein Manko. Denn es war durchaus großartig, wie die Instrumente ihre eigene Stimme unterstrichen, für dieses Solo Beifall und Bravorufe ernteten und sich schließlich wieder in die Gruppe einfügten, die selbst komplizierte Rhythmen souverän meisterte. Diese spielfreudigen Vier – abseits vom gediegenen Kaisersaal – bei einer nächtlichen Jam-Session mit vielen Improvisationen zu erleben, war ein Wunsch, der sich in Füssen allerdings nicht erfüllte.

Chris Friedrich

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