Dekanat Marktoberdorf bietet in Füssen eine WG an

"Finden das cool!"

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Die Kuchen sind selbstgebacken. Auch den Gästen der jugendlichen WO der Gemeinde Christuskirche wird ein Stück angeboten. Jugendreferentin Kristin Albrecht (2. v.r.) vom Dekanat Marktoberdorf freut sich über die vielen Ideen der WGler im Füssener „Haus der Begegnung“.

Füssen – Wohngemeinschaften sind aus dem studentischen Milieu Anfang der 1970er Jahre bekannt: Die WG hatte nicht den besten Ruf, weil es damals „gegen die guten Sitten“ verstieß, wenn unverheiratete junge Frauen und Männer sich für Zimmer, Küche und Bad die Miete teilten.

Was als erste „Kommune“ in Berlin 1968 mit politischem Anspruch ins Leben gerufen worden war, wandelte sich in den Jahren um 1975 zum Kosten sparenden Model für Mieter, die nicht zur Gruppe der Besserverdienenden gehörten.

Heute ist sie gerade im Seniorenbereich eine Wohnform, die in Heimen und auf dem freien Markt die drohende Einsamkeit durch Gemeinsamkeit ablösen könnte. Vor allem Jugendliche schließen sich wieder voller Begeisterung einer WG auf Zeit an, wie im Dekanat Marktoberdorf bewiesen wird.

Eine WG ist vor kurzem in Füssen gegründet worden – unterm Dach des „Hauses der Begegnung“ der evangelischen Gemeinde Christuiskirche. „Mitbewohner gesucht!“ hieß es im Sommer überraschenderweise im Gemeindebrief der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Füssen. Angesprochen sollten sich allerdings damit jüngere Leute ab 15 Jahren fühlen, die Lust darauf haben, mit etwa Gleichaltrigen Sozialverhalten einzuüben.

Angemeldet für das Projekt haben sich neun Jugendliche in Absprache mit den Erziehungsberechtigten. Lorenz aus Weißensee gehört dazu. „Mit zwei Freunden habe ich mich für diese eine Woche in dieser WG entschieden. Wir finden das cool und unsere Eltern finden das auch gut“, erzählt er am Tisch, gedeckt mit Kaffee und drei Sorten Kuchen. „Die haben wir alle selbst gebacken“, sagt Linus.

Dass jeder Kuchen schmeckt, bestätigt später die Konfi-Gruppe mit Pfarrer Andreas Huber. Die Konfirmanden schauten in den oberen Räumen des Gemeindehauses vorbei. In der Kirchstraße 8 war die WG munter montags eingezogen. „Wir haben vier Wecker dabei, denn wir alle müssen pünktlich zur Schule“, wie Linus, der offenbar Humor hat, anmerkt.

Klare Regeln

 „Ab 22 Uhr ist Bettruhe“, bestätigt Kristin Albrecht. Der mittlerweile schon fürs dritte kirchliche WG-Projekt die Verantwortung tragenden Sozialpädagogin und Diakonin machen die Bewohner „keinen Ärger“ und weil die Regeln eingehalten werden, kann Kristin Albrecht hier in aller Ruhe schlafen. „Es geht uns darum, zusammen Alltag und Glauben zu leben. Jeder geht dabei seinen gewohnten Wochenaufgaben nach. Als Schüler oder Azubi“, so Albrecht. „Wir helfen uns bei den Schulaufgaben und sorgen fürs Frühstück und kochen Essen“, berichtet Julia aus Nesselwang über den WG-Alltag. „Immer zwei von uns gestalten mit ihren Ideen die kurze Abendandacht.“

Wie man aus der Runde hört, bleibe immer noch genügend Zeit zum Spielen. 30 Minuten länger schlafen können, weil die Nacht am Schulort und nicht im Umland von Füssen verbracht wird, sei „auch ein großer Vorteil, den uns die WG bietet“, heißt es bei Lorenz und seinen Freunden. Damit eine WG wie hier gut funktioniert, sei ein Treffen zur Vorbesprechung ganz wichtig, betont Jugendreferentin Kristin Albrecht, die im Dekanat Kempten mit neuen Ideen junge Leute begeistern will.

 Diese wiederum nutzen moderne Social Media wie Whatsapp, um denen, die wegen der begrenzten Teilnehmerzahl nicht dabei sein konnten, mitzuteilen, „was da so läuft. Wir halten alle auf dem Laufenden“, betonen die WGler. Sie akzeptieren, dass es für den Umgang mit dem Handy in dieser Woche ebenfalls ganz klare Richtlinien gibt.

Chris Friedrich

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