Festspielhaus kommt wohl unter den Hammer

Der Vorhang fällt

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Das Festspielhaus am Westufer des Forggensees kommt wohl unter den Hammer.

Füssen/München – Das Festspielhaus Füssen steuert offenbar unaufhaltsam auf die Zwangsversteigerung zu. Darauf lässt eine Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Dr. Marco Liebler aus München von Dienstagmittag schließen.

 Demnach läuft das Bieterverfahren zwar zunächst weiter. Doch große Hoffnung, den Prunkbau am Forggensee noch vor Monatsende zu verkaufen, hat der Münchner Rechtsanwalt offenbar nicht mehr: „Die Zeit läuft davon, da die finanziellen Mittel ausgehen“, sagte Liebler.

Wie mehrfach berichtet, wollte Liebler das Festspielhaus bis Ende dieses Monats verkaufen. Zwei Investoren waren demnach bis zum Schluss in Rennen. Während der Konstanzer Geschäftsmann Jan Dieter Leuze ein Outletcenter am Forggensee erreichten wollte, plant die zweite Investorengruppe um den Treuhänder Hartmut Oldenburg ein Luxushotel mit Theater (Link).

Zwangsversteigerung wahrscheinlich

Nach der Gläubigerversammlung vom Montag stehen die Chancen aber anscheinend schlecht, dass einer der beiden Bieter noch rechtzeitig den Zuschlag erhält. Eine Zwangsversteigerung der Immobilie am Forggensee gegenüber Schloss Neuschwanstein wird somit immer wahrscheinlicher – auch wenn Insolvenzverwalter Liebler betont, dass das offene Bieterverfahren zunächst weiterlaufe.

Mögliche Käufer und Gläubiger wollten sich zum Verlauf der Versammlung nicht äußern. Sie mussten eine Verschwiegenheitserklärung abgeben.

Allerdings kann oder will aber anscheinend keiner der Bieter, die ein seriös finanziertes Angebot abgegeben haben, einen so hohen Kaufpreis zahlen, dass es zu einer Lastenfreistellung kommen kann. „Diejenigen, die einen angemessenen Kaufpreis bieten, können keine akzeptable Finanzierung nachweisen“, so Liebler am Dienstag.

Wie hoch die geforderte Kaufsumme ist, teilte der Insolvenzverwalter zwar nicht mit. Hartnäckig ist aber in Eingeweihtenkreisen die Rede von etwa 15 Millionen Euro. Neben den finanziellen Aspekten spielt aber auch die fehlende Rechtssicherheit eine Rolle.

Geldgeber sind selbst pleite

So sind Liebler zufolge im Grundbuch zwei Grundpfandrechte zu Gunsten einer Schweizer Aktiengesellschaft eingetragen, die 2013 und 2014 knapp 2,5 Millionen Euro an das Festspielhaus gezahlt haben soll. Die RVH Kondor AG ist allerdings selbst pleite und wird abgewickelt. „Insofern ist völlig unklar“, so Dr. Liebler, „ob diese Grundpfandrechte jemals – von wem auch immer – zur Löschung gebracht werden können.“ Dieses Problem könne zeitnah nur im Rahmen einer Zwangsversteigerung gelöst werden. „Was offensichtlich ein großer Teil der Interessenten zwischenzeitlich bevorzugt“, so der Rechtsanwalt weiter.

Bereits im vergangenen Jahr sollen einige Gläubiger eine Zwangsversteigerung gefordert haben. Diese fand jedoch nicht statt. Laut Amtsgericht Kaufbeuren wegen eines fehlenden Wertgutachtens. Da dieses anscheinend immer noch nicht vor liegt, könnte sich eine Zwangsversteigerung weiter in die Länge ziehen.

Viele Unsicherheiten

Erschwert werde die Situation noch durch den schlechten Zustand des Gebäudes, die fehlende Rechtssicherheit hinsichtlich des geplanten Hotelbaus sowie urheberrechtliche Fragen hinsichtlich des Theatergebäudes, so der Insolvenzverwalter weiter. „Letztlich wird der Erwerber eine Reihe von Unsicherheiten beim Erwerb in Kauf nehmen müssen“, erklärte Liebler. „Insofern gehen die Verhandlungen/Gespräche weiter, bis die finanziellen Mittel aufgebracht sind.“

Das dürfte jedoch wohl demnächst der Fall sein. Denn anscheinend haben die Gläubiger Lieblers Wunsch nach einer kurzfristigen Finanzspritze in Höhe von 150.000 Euro abgelehnt. „Die Grundpfandrechtsgläubiger haben eine Weiterfinanzierung des Verfahrens abgelehnt“, teilte der Insolvenzverwalter mit. Mit dem Geld sollte eigentlich der Betrieb des Hauses von Oktober bis zum Ende des Jahres sicher gestellt werden.

Daher sei der Geschäftsbetrieb nun vollständig eingestellt. „Den Mitarbeitern wurde zwischenzeitlich gekündigt.“

Matthias Matz

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