"Keine harmlose Privatangelegenheit"

Dr. Paul Wengert (SPD) und Hanni Semmlin-Leix gaben im Dialog relevante Antworten auch auf die Rechte von gewaltbedrohten Frauen und deren Familien. Foto: Claus

Aufklärung, Prävention und Thematisieren statt Wegschauen. Das waren die Schlagworte anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Blick dahinter – Häusliche Gewalt gegen Frauen“, die kürzlich in den Geschäftsräumen der AOK eröffnet wurde. Initiatoren waren der Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert (SPD) und die Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses der Stadt Füssen, Hanni Semmlin-Leix.

In seinen einführenden Worten machte AOK-Direktor Josef Bauer deutlich, dass die häusliche Gewalt eines der relevanten Themen in der heutigen Gesellschaft sei. „Die Folgen kosten die Kasse, eine hohe Dunkelziffer nicht eingeschlossen, allein im regionalen Geltungsbereich rund 200.000 Euro“ erklärte er. Er betrachte die Ausstellung als hervorragende Plattform dem Thema einen wegweisenden Platz einzuräumen. „Mangelndes Vertrauen und mangelndes Selbstvertrauen sind meist die Wurzeln der Gewalt“, so Füssens Bürgermeister Paul Iacob. Auch hier in der Provinz, einer vermeintlich heilen Welt, komme dies in verschiedenen Facetten vor, oftmals sei es auch „vererbte“ Gewalt, die Betroffenen hätten häusliche Gewalt in jungen Jahren erlebt. Im Dialog forderten Semmlin-Leix und Dr. Wengert die große Zuhörerschar auf, nicht wegzusehen, wenn Frauen von ihren Partnern unterdrückt, geschlagen oder missbraucht werden. „Häusliche Gewalt geht uns alle an und darf nicht länger als Tabu gelten“ betonte Dr. Wengert, der in seiner Zeit als Amtsrichter und Staatsanwalt des öfteren mit dem Thema konfrontiert war. „Scham und finanzielle Abhängigkeit der Betroffenen ist oft der Grund für das Vertuschen“ so Semmlin-Leix, die als Lehrerin auch die Auswirkungen für Kinder erlebt. „Obwohl dies zu erkennen für mich und meine Kollegen recht schwierig ist“ fügt sie hinzu. Wichtig sei es für Betroffene, Hemmschwellen abzubauen und sich vertrauensvoll an das Frauenhaus in Kaufbeuren, die Polizei oder andere entsprechende Institutionen zu wenden. Thema war auch Gewalt gegen Männer, der ebenso begegnet werden müsse. „Häusliche Gewalt ist keine harmlose private Angelegenheit“ so der dringende Appell der beiden Organisatoren. Mangelndes Selbstbewusstsein der Frauen machte auch Doris Wenzel vom Frauenhaus in Kaufbeuren für die Gründe häuslicher Gewalt verantwortlich. Sie forderte die Betroffenen auf, sich an ihr Haus zu wenden: „Bei uns wird niemand abgewiesen und wir unterstützen soweit das in unserer Macht steht“ machte sie den Frauen Mut.

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