Nach Brand im Krankenhaus: OP-Räume fallen vorerst aus

"Da hat es was zerrissen"

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Zahlreiche Rettungswagen warten am Dienstagabend in der Augsburger Straße für den Fall, dass das Füssener Klinikum wegen des Kabelbrandes doch noch evakuiert werden muss.

Füssen – Am Morgen danach erinnert kaum noch etwas an den Abend zuvor. Friedlich liegt das Krankenhaus in der Morgensonne, bedächtig steigt weißer Qualm aus den Schornsteinen in den blauen Himmel. Nur im Bereich des Haupteingangs riecht es noch nach Verschmortem, Feuer und Rauch.

Dort ging es am Abend turbulent zu. Schalterkasten und Kabelschacht im Technikraum des OP-Traktes hatte sich entzündet, zahllose Kabel verschmorten. Ein Großeinsatz der Rettungskräfte folgte, die Auswirkungen für den Betrieb sind beträchtlich. Handwerker haben das Feuer gegen 18.30 Uhr offenbar zuerst bemerkt, berichtet am Mittwochmorgen Füssens Feuerwehr-Kommandant Thomas Roth gegenüber dem Kreisboten. Ihnen zufolge „hat es plötzlich einen Knall gegeben“. 

Dann sei Rauch aufgestiegen. Anscheinend war es im Sicherungskasten des für die Stromversogung des OP-Traktes zuständigen Technikraumes zu einem Kurzschluss gekommen. Das vermutete zunächst zumindest die Polizei und Dr. Philipp Ostwald, Vorstand der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Roth möchte sich da noch nicht festlegen, sagt aber: „Da hat es was zerissen.“ Der Brand im Kabelschacht selbst konnte von den herbeigeeilten Feuerwehrleuten aus Füssen und Schwangau zwar schnell gelöscht werden. Das weitaus größere Problem war aber der sehr starke Rauch, der sich schnell ausbreitete. 

Deshalb seien bald noch mehr Atemschutzgeräteträger nachalarmiert worden, so Roth weiter. Bis ungefähr ein Uhr in der Nacht seien seine Leute vor Ort gewesen. Zahlreiche Räume mussten entlüftet werden. Dabei im Einsatz waren auch vier Entlüftungsgeräte und eine Wärmebildkamera, mit der die Feuerwehrleute in dem Gebäudetrakt nach weiteren Brand- oder Glutnestern suchten. 

OP-Räume fallen aus 

Eine Gefahr für die Patienten habe aber zu keiner Zeit bestanden, betonen sowohl Dr. Ostwald als auch Feuerwehrchef Roth. „Die OPs waren auch alle fertig“, so Ostwald. Vorsorglich hatten sich trotzdem in der Augsburger Straße zahlreiche Rettungswagen aneinander gereiht, hätte das Klinikum doch noch evakuiert werden müssen. „Das lief alles unter kontrollierten Bedingungen“, betonte Klinikchef Ostwald am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Rettungskette hat perfekt geklappt“, lobte er die Einsatzkräfte unter der Leitung von Dr. Markus Hartung. 

Dennoch sind die Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb in Füssen beträchtlich – Stromversorgung und Lüftungsanlagen sind kaputt, die OP-Räume können vorerst nicht genutzt werden. „Die sind definitiv nicht einsatzbereit“, so Feuerwehr-Kommandant Thomas Roth. Die medizinische Versorgung sei aber dennoch sichergestellt, erklärte Klinikvorstand Ostwald. Der Kreissaal sei behelfsmäßig eingerichtet und ein Notfall-OP stehe ebenfalls zur Verfügung. „In ganz dringenden Fällen kann operiert werden“, betonte er. Alle bislang geplanten OPs dagegen würden nun zunächst in Kaufbeuren vorgenommen werden – selbstverständlich von Füssener Ärzten. 

Er persönlich gehe von etwa vier Wochen aus, in denen die Füssener OP-Räume voraussichtlich nicht genutzt werden können. Bereits umgehend am Mittwochmorgen ist Ostwalds Angaben zufolge eine Klinik interne Task Force zur Schadensanalyse und Behebung gegründet worden. Diese werde sich ab sofort täglich treffen und beraten. Von dem Teilausfall des Krankenhauses betroffene Einrichtungen wie die Rettungsleitstelle in Kempten oder die Bergwacht seien bereits informiert worden, so Ostwald weiter. „Wir denken in alle Richtungen.“

Matthias Matz

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