"Kontakt knüpfen, Vertrauen fassen"

Sternchengruppenleiterin Kerstin Strese (rechts) erklärt das „Ich-Buch", das die Erzieherinnen mit den Kindern zusammen im Laufe der Zeit erstellen. Foto: Berkmüller

Sowohl für Eltern als auch für das Kind stellt die Aufnahme des Kindes in die Kinderkrippe eine große Herausforderung dar. Denn einerseits muss das Kind für eine längere Zeit die gewohnte und vertraute Umgebung des Elternhauses verlassen und sich auf ein neues Umfeld einlassen. Andererseits stellt diese Trennungssituation auch für die Eltern eine oft nicht zu unterschätzendes Schwierigkeit dar.

Um diese Stresssituation zu entschärfen, hat Prof. Dr. E. Kuno Beller das „Berliner Modell" entwickelt. Es bezieht alle beteiligten Personen mit ein: die verantwortlichen familiären Betreuungspersonen, das Kind, die Gruppenerzieherin und die Kindergruppe. Auch die Einrichtung im Venetianerwinkel geht nach diesem Entwurf des Kleinkindpädagogen der Freien Universität Berlin vor. Um die Eltern der neu in die „Sternchengruppe" kommenden Kinder zu informieren und vorzubereiten, wurde der inzwischen zweite Elternabend von Einrichtungsleiterin Carla Tschan einberufen. Erzieherin und Sternchengruppenleiterin Kerstin Strese erklärte ausführlich den Ablauf der insgesamt vier Wochen andauernden Phase. Dabei wird durch behutsames Begleiten schrittweise an die neue Situation herangeführt. In den ersten zwei Wochen begleiten die Bezugspersonen die Kinder. Gemeinsam lernen Eltern und Kind die Abläufe und Rituale kennen: Der „Morgenkreis" mit Begrüßungslied und spielerischer Anwesenheitsüberprüfung führt zum gemeinsamen Frühstück. Danach, mit den Eltern im Hintergrund, geht es zum Spielen, wann immer möglich draußen. Bei schlechtem Wetter im Raum, bieten die Erzieherinnen verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten an. Diese ermöglichen den sich aufbauenden Kontakt zur den Betreuerinnen und der Kinderkrippe. Da Kinder am Modell lernen, werden abschließend zum „Aufräumlied" die Spielsachen wieder an ihren Platz gebracht. Ab der zweiten Woche der Eingewöhnungszeit wird anschließend gemeinsam zu Mittag gegessen. Erst ab der dritten Woche werden vorsichtige Trennungsversuche getestet. Nach einem kurzen Morgenritual mit dem Elternteil geht dieser, nicht ohne sich zu verabschieden, in einen benachbarten Raum, während das Kind dem inzwischen gewohnten Tagesablauf mit den Erzieherinnen folgt. Nach anfangs 30 bis 60 Minuten kehrt die Bezugsperson zum Kind zurück. Diese „Abwesenheitsphase" wird individuell auf das Kind abgestimmt - und bis einschließlich zur vierten Woche verlängert. In dieser Zeit haben sowohl die Eltern als auch das Kind die Zeit, Kontakte zu den Betreuungspersonen zu knüpfen und Vertrauen zu ihnen zu fassen. Denn: „Fassen die Eltern Vertrauen zu den Erzieherinnen, dann fasst auch das Kind Vertrauen", sagt Kerstin Strese. Damit ist das „Loslösen" für alle erleichtert, und die Fremdbetreuung verliert ihren Schrecken.

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