Dr. Jòsef Niewiadomski spricht über Religion und Weltpolitik

"Der Tod jeder Kultur"

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Mit der These, dass der Islamische Staat auch durch die „Geburtshilfe“ des Westens entstanden ist und die Begründung dazu, erstaunt Niewiadomski die rund 250 Zuhörer in der Wirtschaftskammer.

Reutte – Die Bevölkerung in Westeuropa betrachtet Religion weitgehend als Hobby. Darin liege eine der Hauptursachen des Auseinanderdriftens der Religionen.

Dieser Meinung ist zumindest Dr. Józef Niewiadomski, langjähriger polnisch-österreichischer Dekan der theologischen Fakultät in Innsbruck. Im Rahmen der Vortragsreihe „Uni goes Reutte“ der Wirtschaftskammer (WK) Reutte sprach er vergangene Woche zum Thema „Religion im Spannungsfeld der Weltpolitik“. 

In seinem engagiert vorgetragenen Referat ging er auf das laizistisch abgesteckte Spannungsfeld und die heute sehr reale Gefahr der Verwandlung des Spannungsfelds in ein Minenfeld ein. Religion als Privatsache stehen heute auf der Agenda. Im weiteren Sinne kämpfe damit auch der Islam, in dem er sich – für den Europäer nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar – um eine moderne Erscheinungsweise bemühe. 

Diese Neugestaltung des Islams in breiter Front könne auch die Ursache sein, dass sich Jugendliche vom Terror zum Beispiel des Islamischen Staats (IS) angezogen fühlen würden. Die gegenwärtige Stimmung trage zur Eskalation bei und er befürchte, das auf weitere Sicht es zu einem Kampf der Kulturen kommen könne. „Wir sollten aus den Träumen aufwachen, denn Globalisierung und Moderne ohne Spiritualität ist der Tod jeder Kultur“, so sein Credo. 

Dabei sei Religionsfreiheit zu akzeptieren und er erkenne zunehmend, dass die katholische Religion immer mehr geschätzt werde. Er sehe die Stärkung einer vitalen Gesellschaft im Süden auch als eine pastorale Aufgabe an. „Die in unseren Breiten immer wieder sichtbare kulturelle und politische Ratlosigkeit angesichts des durch die Globalisierung angetriebenen Wiedererwachens von Religionen geht auch darauf zurück, dass religionspolitische Koordinaten unserer kulturellen Öffentlichkeit durch die Wirklichkeit überholt worden sind“, stellte Niewiadomski fest. 

Er prangerte darüber hinaus die Pseudodiskussion im Rahmen der Protestbewegung „Pegida“ (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) an. Er vermisse eine selbstbewusste Auseinandersetzung mit dem Thema und die Verteidigung von Werten, sagte er.

ed

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