Lebenshilfe will auch in Füssen Ambulantes Begleitetes Wohnen etablieren

Neues Angebot

+
Berufsstarterin Klara Müller (Mitte) gehört zu zwei Teams: Martina Lutsch (links) leitet das Ambulant Begleitete Wohnen (ABW), Dagmar Rothemund (rechts) die neuen Füssener Wertachtal Werkstätten.

Füssen – Das Ambulant Begleitete Wohnen (ABW) ist ein neues Angebot, das von der Lebenshilfe Ostallgäu jetzt auch in Füssen gemacht wird. Martina Lutsch aus Kaufbeuren, die das soziale Projekt leitet, stellte auf Einladung der Wertachtal Werkstätten in Füssen das Konzept vor.

Durch ABW kann der Wunsch erfüllt werden, dass Menschen mit Handicap nicht in ihrer Familie bleiben oder ins Wohnheim umziehen müssen, sondern Eigenständigkeit als Mieter erreichen. Nach der mit Beifall aufgenommenen Präsentation vor einem allerdings überschaubaren Zuhörerkreis standen Referentin Lutsch, „Hausherrin“ Dagmar Rothemund und nicht zuletzt Mitarbeiterin Klara Müller für Fragen zur Verfügung. 

Dabei wurde nochmals deutlich, dass es beim ABW um sozialpädagogische Beratung, um Begleitung, Pflege und Versorgung von Menschen geht, die Unterstützung brauchen. „Wir sind keine Therapeuten oder Pflegefachkräfte“, betont Leiterin Lutsch. Ihr Team mit 15 Frauen ist im pädagogischen Bereich zuhause. Durch diese Qualifikation erklärt sich auch, dass die Lebenshilfe 51 Euro für eine Stunde Hausbesuch in Rechnung stellt. 

„Wir haben zwar auch Selbstzahler, der größte Teil der anfallenden Kosten wird nach Prüfung der Vermögensverhältnisse allerdings vom Bezirk übernommen.“ Persönliche Ersparnisse in Höhe von bis zu 2600 Euro stellen die Freigrenze dar – und könnten somit nicht zum Begleichen von Rechnungen „für unsere Leistungen herangezogen werden“. 

Prüfung vor Ort 

Wenn der Antrag auf ABW gestellt ist, folgt ein prüfendes Gespräch durch den Kostenträger: „Der sozialpädagogische-medizinische Dienst kommt dann zum Antragsteller ins Haus“, erklärt Lutsch, „Vor dieser Prüfung muss man jedoch keine Angst haben. Wir sind ebenfalls dabei.“ Wunsch nach Eigenheim Ist der Betreuungsvertrag abgeschlossen, erhält der Klient die von ihm gewünschte Unterstützung. 

„Im Schnitt kommen wir für drei bis fünf Stunden wöchentlich in eine private Wohnung.“ Erkrankungen, körperliche, geistige oder auch seelische Behinderungen sind laut Lutsch kein Grund, auf ein weitgehend selbst bestimmtes Leben zu verzichten. „Wir wissen aus unseren persönlichen Kontakten zu Werkstatt-Beschäftigten, dass sie gern in einer eigenen Wohnung leben möchten“, berichtet Müller, die in Innsbruck vor kurzem ihr Studium der Erziehungswissenschaften abgeschlossen hat. 

Müller arbeitet nach ihrem Berufsstart wechselweise für Lebenshilfe-Projekte. Sie übernimmt die verantwortungsvolle Aufgabe, sich in Füssen darum zu kümmern, dass ABW anläuft und dann Schritt für Schritt ausgebaut werden kann. „Zwei Anmeldungen liegen schon vor“, freut sie sich.

Hintergrund:


Klara Müller und ihre Kolleginnen aus dem Lutsch-Team unterstützen Klienten mit Handicap bei der Aufrechterhaltung oder Neuordnung der eigenen Wohn- und Lebenssituation sowie der Bewältigung der Krankheit und deren Folgen. Betreut werden Menschen, „die über ein hohes Maß an lebenspraktischen Fähigkeiten verfügen.“ Müller fährt fort: „Deshalb werden sie lediglich in wenigen Stunden der Woche unsere immer individuell ausgerichtete Unterstützung brauchen.“ Im Vorfeld des Einsatzes werde ermittelt - auch unter Einbeziehung der Angehörigen – „was unser Klient unter Lebensqualität aus seiner Sicht versteht.“ Müller ergänzt: Diese Bedürfnisse sollten im Rahmen der Möglichkeiten erfüllt werden. Das Angebot ersetze laut Müller „nicht die Unterstützung eines Klienten durch einen gesetzlichen Betreuer“. Auch übernehmen die Mitarbeiterinnen keinen Putzdienst im Haushalt. Doch sie können - auf Wunsch - eine solche „Assistenz“ vermitteln, deren Stundenlohn bei zirka 13 Euro liegt. Zu den Aufgaben von Mitarbeiterin Müller gehören Arztbesuche und Behördengänge mit dem Klienten. „Ich gebe auch Impulse zur Freizeitgestaltung.“

Chris Friedrich

Meistgelesene Artikel

"Ein Segen für unser Land"

Füssen – Gegen persönlichen Egoismus und zunehmende Respektlosigkeit setzen die „Blaulichtorganisationen“ in Füssen und im Umland weiterhin ein …
"Ein Segen für unser Land"

1649 Stunden im Einsatz

Reutte – Viel zu tun hatte die Freiwillige Feuerwehr Reutte im vergangenen Jahr. Das wurde bei der Generalversammlung der Wehr im Hotel „Goldener …
1649 Stunden im Einsatz

Arbeiten am Comeback

Füssen – Die Freien Demokraten von der FDP wollen im September zurück in den Bundestag. Der Kemptener Stephan Thomae als erfahrener Kandidat und der …
Arbeiten am Comeback

Kommentare