Schwimmen mit Seelöwen

Artisten mit Persönlichkeit

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Die Seelöwen Chico (v.l.), Tino und Joe posieren mit Redakteurin Katharina Knoll für ein Foto.

Füssen – Seit Freitag gastiert der Circus Krone in Füssen. Unter den 200 Tieren des Zoos befinden sich auch Seelöwen: Tino, Chico, Joe und Charley heißen die vier Tiere der Familie Duss. Wie es ist, mit drei kalifornischen Seelöwen schwimmen zu gehen, durfte jetzt Redakteurin Katharina Knoll testen.

Meine neuen Verehrer sind ca. 1,80 Meter groß, etwa 180 Kilo schwer, haben schöne dunkle Augen und beeindruckende Reißzähne: Die drei Seelöwen Tino, Chico und Joe zeigen mir heute aus nächster Nähe, was sie alles können. Doch erstmal gibt es Berührungsängste – von meiner Seite. „Verdammt, ist der groß“, schießt es mir durch den Kopf, als Joe auf ein Zeichen von Roland Duss seinen Schwimmingpool verlässt und vor den zahlreichen Besuchern, die sich um das Becken drängen, posiert. „Die Seelöwen sind die Lieblinge der Kinder“, sagt Dr. Susanne Matzenau vom Pressebüro des Circus. „Da tut sich immer mehr“, als bei den anderen Tieren im Zoo.

Dass die Tiere Temperament haben, erfahre ich am eigenen Leib, als ich ins Becken steige. Sofort schießen Tino und Joe auf mich zu und drücken mir die ersten Küsschen auf die Backe – und das Eis ist gebrochen. Doch diese Liebe ist käuflich: Die zwei Seelöwen schieben anschließend ihren Trainer Richtung Fischeimer. „Tja, wer ist hier nun Chef im Becken“, frage ich mich grinsend. Trainer Duss hat den Tieren mit Hilfe von Belohnungen Kunststücke beigebracht. Nach zwei Jahren Ausbildung haben Seelöwen ca. 30 Tricks drauf. Die drei Tiere beim Circus Krone können aber viel mehr – ganze 80 Kommandos, darunter Zeichen der Taubstummensprache. Matzenau erklärt: „Seelöwen sind intelligenter als Hunde und wahrscheinlich intelligenter als Pferde.“

Verschiedene Charaktere

Und zwar so intelligent, dass sie ausgeprägte Persönlichkeiten haben. Was auch mir sofort klar wird: Der 18-jährige Tino, der größte und schwerste der Drei, ist ein richtiger Schmusepeter. Er schwimmt immer wieder an meine Seite, hält ganz still und schließt die Augen, wenn ich ihm über sein Fell streichele, das sich wie nasses Pferdehaar anfühlt. Dass Tino so anhänglich ist, liegt sicher auch daran, dass Roland Duss und seine Ehefrau Petra das Tier mit der Flasche aufgezogen haben.

Wesentlich ungestümer ist da der 13-jährige Joe. Schwungvoll kommt er auf mich zu und bläst mir seinen Atem, der leicht nach Fisch riecht, ins Gesicht, als er mir ein Küsschen nach dem anderen auf die Backe drückt. „Joe, du machst noch einen Knutschfleck“, ruft Duss. Als ich mich daraufhin leicht auf den Rücken des Seelöwen stütze, schwimmt er schon los. Ohne mich. „Jetzt hast du eine Leerfahrt gemacht“, sagt Duss, als Joe zurückkehrt. „Der ist so schnell, da brauchst du einen Ring“ zum Festhalten, erklärt Duss. Und schon dreht der Seelöwe erneut eine Runde im Pool, dieses Mal mit mir im Schlepptau. Und das so schnell, dass mir das Wasser ins Gesicht schwappt.

Etwas langsamer ist da Tino, als er mich durchs Wasser zieht. Unterstützung erhält er dabei von Joe, der seine Schnauze gegen meinen Fuß drückt und mich vorwärts schiebt. An seiner Seite schwimmt Chico, der Anführer der Gruppe, der sich ansonsten ziemlich im Hintergrund hält. Mit seinen 25 Jahren ist das Gesicht der Fernsehserie „Hallo Robbie“ weit im Seniorenalter. In freier Wildbahn werden Seelöwen nur ca. 20 bis 22 Jahre alt, erklärt Matzenau. Trotzdem ist Chico immer noch „supergut drauf“, so Matzenau. Der Senior ist „sehr professionell“, so Duss. Bei den Dreharbeiten zu „Hallo Robbie“ habe er nur so viel gemacht, wie für eine Belohnung nötig war. Jetzt müsse er nur noch das mitmachen, vorauf er selbst Lust hat, so Duss. So braucht es auch ein bisschen gutes Zureden, bevor Chico mit mir, Joe und Tino für ein Foto posiert.

Nichts geht ohne Fisch

„Wer ist der Feind von Seelöwen“, will Duss anschließend von Joe und Tino wissen. Und schon strecken die beiden jeweils eine ihrer Brustflossen in die Höhe und ziehen wie Haie einen Kreis um mich. Doch das ist noch nicht alles: Zunächst balanciert Joe einen Ball auf seiner Schnauze, während er durchs Becken zieht. Anschließend zeigt er, wie hoch er springen kann. „Das war eine Arschbombe. Der kann viel höher“, erklärt Duss, als sich Joe über unsere Arme katapultiert. Und tatsächlich: Als wir unsere Arme ein gutes Stück höher halten, meistert Joe auch dieses Hindernis ohne Probleme.

Doch allmählich geht der Fisch im Eimer zu neige. „Die merken genau, wenn sie weniger bekommen“, sagt Duss. Und dann wird auch nicht mehr ganz so bereitwillig mitgemacht. Denn „mit Fisch geht alles, ohne Fisch geht nichts“, bestätigt Matzenau.

Katharina Knoll

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