Jean Louis Schlimm stellt sein Buch über Otto I. von Bayern vor

Eine königliche Tragödie

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Jean Louis Schlim signiert nach seiner Lesung Bücher.

Schwangau – In seinem neuesten Buch hat sich der dezidierte König Ludwig II.-Kenner Jean Louis Schlim mit dessen jüngerem Bruder Otto beschäftigt. Im Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau stellte der gebürtige Luxemburger nun das Werk über König Otto I. von Bayern vor.

Nicht ganz auf den Tag genau 100 Jahre nachdem König Otto I. von Bayern verstorben ist, wurde nun eines der vielleicht umfänglichsten Werke über diesen unglücklichen Bayernkönig vorgestellt. Erstmals erhielt Jean Louis Schlim Zugang zu vielen, bislang unveröffentlichten Dokumenten und sogar zum geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher.

Herausgekommen ist ein über 200 Seiten umfassendes Werk mit zahlreichen, größtenteils unveröffentlichten Bilder. Dieses zeichnet das Leben Ottos von Wittelsbacher auf das Genaueste nach. Ein Leben, das untrennbar auch mit der bayerischen Geschichte verwoben ist, und in sich selbst eine Königstragödie darstellt. Um das außergewöhnliche Leben Ottos I. von Bayern besser verstehen zu können, müsse man die Umstände betrachten, in die er hineingeboren wurde, so Jean Louis Schlim zu Beginn seines Vortrages, der eine Mischung aus Lesung und Geschichtsstunde wurde.

Königliche Tragödie

Ottos Geschichte beginnt schon mit dessen Ahnen, seinem Vater und dessen Großväter, die zu einem gewissen Teil die späteren Ereignisse mit steuern sollten. So hatte Ludwig I., Ottos Großvater, über eine Verfassungsänderung nachgedacht, nachdem sein Sohn Max II. Anzeichen für eine Nervenkrankheit gezeigt hatte, von der er aber vollständig genesen sollte. Und auch Ludwig I. sorgte für Unruhe im Volk durch seine Affäre mit der Tänzerin Lola Montez.

So wird Sohn Otto mitten in die revolutionären Verhältnisse in München 1848, hineingeboren, zwei Monate zu früh, wie Schlim in seinen Ausführungen anmerkt. Zwar erholt sich der Knabe rasch von den Strapazen, doch die Ängste, die seine Mutter Marie von Preußen angesichts der Umstände erlebt haben musste, müssen sich auch auf Otto übertragen haben, wie Schlim aus Gesprächen mit Psychotherapeuten weiß. Otto und Ludwig werden auf ihre Rolle im Herrscherhaus vorbereitet und sind darüber hinaus Burschen, die auf die Jagd rund um das Familienschloss Hohenschwangau gehen.

Otto zieht in den Krieg

Schlim hat nicht nur Fotos mit privaten Momenten der beiden Königskinder gefunden. Er kann auch auf das genaueste die sich anbahnende Freundschaft bzw. Liebe zwischen Otto und der Tochter von Prinzessin Auguste und Luitpold, Therese, nachzeichnen. Eine Liebe (Königin Marie übernimmt die Erziehung der Prinzessin nach dem Tode Augustes 1864), die sich Therese ein Leben lang erhalten und sich doch nie erfüllen sollte. Denn Otto muss, anstelle Ludwigs, in den Krieg ziehen, während Ludwig quasi nur die Staatsgeschäfte führt. Und Jean Louis Schlim findet einen Auslöser für die Krankheit Ottos. Es ist die Schlacht von Bazeilles oder vielmehr das Massaker am ersten September 1870, das die deutschen Truppen anrichten, und dessen Zeuge Otto wird.

Hatte der Knabe bis dahin mit seinen Zinnsoldaten gespielt, bekommt er nun zu hören, wie Menschen und Tiere gleichermaßen schreien können vor Schmerzen, erklärte Schlim. Als Kriegsheimkehrer neigte er zu Aggressivität und Wut – so wird er beschrieben – und der so vehement wie erfolglos versucht die Proklamation des deutschen Kaisers zu verhindern. Wie viel mehr hinter diesen wenigen Zeilen steckt, zeigt die Tatsache, dass von höchster Stelle verhindert wurde, eine Brief, den Ludwig angeblich geschrieben haben soll, grafologisch untersuchen zu lassen.

Dass man dem König in dieser Causa die Hand geführt und er quasi gegen seine Überzeugung das Bayernreich an die Preußen abgegeben habe, wurde schon des Öfteren gemunkelt. Und hier beginnt auch die Geschichte wirklich interessant zu werden. Es gibt nicht nur die ersten Versuche Ludwig zu diskreditieren, man prangert die angebliche Geldverschwendung des Königs an und zerrt sein Privatleben in die Öffentlichkeit.

Zwei Ottos

Schlim hat auch Belege gefunden, dass Ludwig seinen kleinen Bruder auf dem Thron lieber sähe. Doch der ist mittlerweile schwer krank, sein Zustand lässt sich nur noch schwer vor der Öffentlichkeit verbergen. Etwas, was Ludwig I. vorhergesehen hatte bzw. aus Furcht vor einer solchen Konstellation die Verfassung hatte ändern wollen. Wenn nämlich ein psychisch kranker König gekrönt werden müsste, der nicht mehr in der Lage ist zu regieren.

Und noch immer gibt es zwei Personen Otto, nämlich den Soldaten aus dem Deutsch-Französischen Krieg. Und jenen Otto, wie ihn Therese erlebt, erzählt Schlim. Ludwig II. stellte fest, man müsse Otto aus der Öffentlichkeit bringen, aus dem Schussfeld.

Rückzug aus Öffentlichkeit

Es beginnt das Verstecktspiel mit Schloss Nymphenburg und Schleißheim, mehrere Landaufenthalte in Franken und in Elbigenalb im Lechtal. Schließlich kommt Otto nach Schloss Fürstenried südlich von München wo er bis zum seinem Tod leben sollte. Hier kümmern sich zehn Ärzte um den Patienten, erklärt Schlim. „Und dann kommt es zu der Tragödie für Bayern, ja für die Welt“, so Schlim: Ludwig II. stirbt. Es muss, glaubt man Schlims Worten, eine wahre Tragödie weil Unglücksfall sein. Doch vorerst setzt Schlim diesen Ablauf in den Konjunktiv, man müsse zuerst weiter recherchieren, es könnte sich aber tatsächlich so abgespielt habe. Und hier kommt auch die Lektorin Schlims beim August Dreesbach-Verlag ins Spiel, Stefanie Weiß. War es doch nicht nur ihre Aufgabe, das „luxemburger Deutsch“, wie Schlim anfangs gemeint hatte, in ein Hochdeutsch zu bringen, sondern den Autoren auch daran zu erinnern, worum es im Buch gehen sollte. Schlim habe tatsächlich so viel Material zusammengetragen, so Weiß, dass es für mehrere Bücher reiche.

Doch „Im Schatten der Macht“ dreht sich ausschließlich um den fünften bayerischen König, Otto I. Von Bayern. Der nach Ludwigs Tod ernannt wird, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, je regieren zu können. An seiner statt übernimmt Luitpold, der Vater Thereses, die Regentschaft, formal ist Otto der König, deshalb heißt es auch Prinzregent Luitpold. Der beim Volk sehr beliebt sein sollte. Und er ist auch nicht der Königsmörder, für den ihn viele halten, stellt Schlim richtig. Der alleinerziehende Vater soll sogar gesagt haben: „Lasst mir meine Ruhe“. Anders als sein Sohn Ludwig, der sich zum Bayernkönig Ludwig der Dritte krönen lässt, obwohl Otto noch immer lebt.

Bücher zu gewinnen

Und mit Ende des ersten Weltkrieges auch der letzte Bayernkönig sein sollte, wurde doch 1918 der Freistaat ausgerufen. Ein Umstand, den Otto aber nicht mehr erleben sollte. Er stirbt, quasi in den Armen Thereses, mit 65 Jahren am 13. Oktober in Fürstenried.

Bei der Obduktion stellt man zwar alle möglichen organischen Probleme fest. Ein Nachweis aber über die psychische Erkrankung gibt es nicht. Die Geschichte Ottos kann jeder nun im vorliegenden Werk nachlesen, das im Museum der bayerischen Könige exklusiv vorgestellt wurde und derzeit auch nur dort erhältlich ist.

Oliver Sommer

Der Kreisbote verlost zwei signierte Exemplare von „Im Schatten der Macht – König Otto I. von Bayern“. Wer gewinnen will, sollte ab sofort bis Mittwoch, 19. Oktober, unsere Hotline 0137/826020506 (50 Cent pro Anruf aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreis ggfs. abweichend) anrufen und die Lösung „Im Schatten der Macht“ nennen. Die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!

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