Sinja Münchenbach blickt im Interview auf ein Jahr als Bergwiesenkönigin zurück

"Ich bereue es keinen Tag"

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Bergwiesenkönigin Sinja I. spricht im Kreisboten über ihr Leben als Königin und ihre Zukunft.

Pfronten – Seit etwas mehr als einem Jahr amtiert Sinja Münchenbach als die Pfrontener Bergwiesenkönigin Sinja I. Anlass für die Königin, dass vergangene Jahr im Kreisboten-Interview Revue passieren zu lassen.

Wie wird man eigentlich Bergwiesenkönigin? 

Münchenbach: „Man muss sich für ein Auswahlverfahren bewerben. Man muss in Pfronten wohnen, im Besitz eines Führerscheins und heimatverbunden sein. Bei mir sind meine Vorfahren aus Pfronten und ich hänge sehr an meiner Heimatgemeinde. Auch sollte man sich in der Geschichte des Ortes etwas auskennen und über seine genaue geographische Lage Bescheid wissen. Man repräsentiert ja dann später die Ortschaft in ganz Deutschland und da will man sich selbst schon nicht mit Wissenslücken blamieren. Letztendlich wird man dann in einer geheimen Wahl aus mehreren Kandidatinnen ausgewählt. Die Wahl gilt dann für zwei Jahre.“ 

Wenn du die Gemeinde in ganz Deutschland präsentieren sollst, dann bist du ja die zwei Jahre enorm viel unterwegs? 

Münchenbach: „Ja, da ist ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen. Da alles ehrenamtlich und freiwillig geschieht, muss ich noch weiterhin wie zuvor auch zum Arbeiten gehen. Ich bin da in keinster Weise von meinem Arbeitgeber für die Aufgabe freigestellt. Ich bin für die Gemeinde auf vielen Veranstaltungen präsent, soweit es mir natürlich möglich ist, da kann auch das Privatleben etwas kürzer kommen.“ 

Bezahlung gibt es gar keine? 

Münchenbach:„Nein, aber ich erhalte eine kleine Aufwandsentschädigung, wenn ich auf Reisen bin. Ich hab noch zusätzlich von der Gemeinde Pfronten und dem Autohaus Heuberger eine Art ‘Geschäftswagen’gekriegt, mit dem ich in den zwei Jahren immer unterwegs sein darf. Dieser wurde individuell gestaltet und man kann mich so schon von weitem erkennen, was ein sehr schönes Gesamtbild zu Pfronten darstellt. Ebenso habe ich für die öffentliche Auftritte ein individuelles Dirndl von der Firma Alpenstyle erhalten.“ 

Trägst du Dirndl auch privat? 

Münchenbach: „Ja, aber nicht ständig und zu jedem Anlass. Das muss passen, aber im Dirndl ist man ja sowieso immer fesch und richtig angezogen.“ 

Bergwiesenkönigin zu sein, ist also mit viel Idealismus verbunden? 

Münchenbach:„Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich bin einfach ganz ich selbst, ich repräsentiere Pfronten nur mit viel Herz, denn wir können stolz auf so ein großartiges Bergpanorama sein. Von meiner Art von Idealismus haben dann sozusagen alle was davon. Dafür nehme ich mir gerne meine Freizeit und auch Urlaub, um für meinen Heimatort da zu sein und auf Reisen zu gehen.“ 

Gingen die Tage, die du Pfronten in Berlin repräsentiert hast, von deinem Jahresurlaub ab?

 Münchenbach: „Ja, voll und ganz, aber das mache ich gern. Ich schätze, dass ich von meinen 30 Tagen Jahresurlaub ca. 20 Tage pro Jahr für Veranstaltungen benötige. Denn man muss sich auch vorbereiten und natürlich auch die Zeit der Reisen mit einkalkulieren.“ 

Wie viele Veranstaltungen sind das pro Jahr? 

Münchenbach: „Genau weiß ich das jetzt auch nicht, ich habe nicht mitgezählt. Aber da kommt oft spontan, kurzfristig noch was zu meinen festen Terminen, aber mehr als 40 werden es sicher sein. Zu einigen Terminen gehe ich auch aus privatem Interesse hin, weil mich das Thema selbst interessiert und man sollte sich ja schon auf dem Laufenden halten als gute Tourismusbotschafterin und Repräsentantin.“ 

Arbeitest du in Pfronten? 

Münchenbach: „Nein, ich bin im Kempten tätig und fahr täglich mit dem Auto vom Pfronten nach Kempten hin und zurück.“ 

Was machst du beruflich? 

Münchenbach: „Ich habe Bürokauffrau gelernt und arbeite bei einer größeren Lebensmittelkette im Büro. Ich hatte aber schon, bevor ich mich für das Ehrenamt als Bergwiesenkönigin bewarb, mit einem Fernstudium in Betriebswirtschaft begonnen. Als die Wahl dann auf mich fiel, wollte ich das Studium so schnell wie möglich abschließen. Damit ich mich auch als Botschafterin mehr engagieren und einsetzen kann. Auch habe ich mein gesamtes Studium selbst finanziert. In dieser Zeit war es zwar nicht immer ganz so einfach, alles unter einen Hut zu kriegen, das heißt, Arbeit, Ehrenamt und Studium. Aber ich habe zu guter Letzt alles sehr erfolgreich abgeschlossen, da meine Freunde und Familie mich jederzeit unterstützt haben, wo sie nur konnten. Dafür bin ich sehr dankbar, ein starkes Team an meiner Seite zu haben.“ 

Was bist du jetzt dann? 

Münchenbach: „Staatlich geprüfte Betriebswirtin in Finanzwirtschaft. So heißt die genaue Berufsbezeichnung.“ Was sind deine weiteren Ziele? Münchenbach: „Ich mache jetzt erst mal mein 2. Jahr als Bergwiesenkönigin zu Ende. Darauf konzentriere ich mich voll und ganz. Danach wird man sehen, was die Zukunft mir zu bieten hat.“ 

Wann bist du eigentlich geboren? 

Münchenbach: „Ich bin Jahrgang1989.“ 

Da hast du aber für dein Alter schone enorm viel erreicht? 

Münchenbach: „Ich tue was ich kann, um mich weiterzuentwickeln – natürlich immer mit vollem Einsatz. Das Schlimmste für mich wäre im Leben stehen zu bleiben. Wichtig dabei ist in keine Rolle zu schlüpfen, sondern einfach natürlich und man selbst zu bleiben. Geld ist auch nicht immer alles. Ich kann ja noch lange genug später Geld verdienen und mein Leben genießen. Ich bin ja noch jung. Wenn es mir nur darum ginge, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen, dann wäre ich als Bergwiesenkönigin wohl falsch am Platz.“ 

Würdest du dich nochmals bewerben, auch wenn du wüsstest, wie viel Zeitaufwand das Ehrenamt mit sich bringt? 

Münchenbach: „Ja, sofort wieder! Denn das Amt gibt mir auch sehr viel zurück. Es macht ja auch viel Spaß, so viel unterwegs zu sein. Das ist ja auch für mich eine unvergessliche Zeit, die ich keinen Tag bereue.“ 


Ralph Finger

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