W43: Stadträte lehnen Parkdurchstich ab

"Wir wurden jahrelang angelogen"

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Eine Straße wird nun doch nicht den Von-Freyberg-Park teilen. Stattdessen soll jetzt ein qualifizierter Freiflächenplan für den Park erstellt werden.

Füssen – Der Durchstich durch den Von-Freyberg-Park ist vom Tisch. Den nichtöffentlichen Beschluss Anfang Oktober hat der Stadtrat am Dienstag nun öffentlich mit 21:2 Gegenstimmen abgesegnet.

Doch dabei hagelte es harsche Kritik: 15 Jahre habe man in den Sand gesetzt, weil die Experten immer nur den Durchstich als optimale Lösung empfohlen hatten, so einige Stadträte. Vor allem die Freien Wähler FW), die diese Lösung von Anfang an abgelehnt hatten, machten ihrem Ärger Luft. 

Die jüngste Verkehrsuntersuchung von Professor Gunter Kötz von der Planungsgruppe Kötz war eindeutig: Eine Umfahrung für Füssen wird „nicht möglich sein“, fasste Professor Dr. Dr. Lothar Zettler zusammen. „Das ist schmerzhaft, aber die Realität.“ Mit dem Durchstich werde man den Bebauungsplan W43 aber „nie rechtskräftig bekommen“. Denn mit dieser Lösung würde das Luitpoldpark Hotel zur Verkehrsinsel werden, wogegen das Hotel Klage angekündigt hat (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Kötz Untersuchung habe ergeben, dass durch den Durchstich die Verkehrsbelastung im Von-Freyberg-Park und der Bahnhofsstraße steigen würde. Auch eine einspurigen Lösung ändere nichts daran. „Damit haben sie gar nichts gewonnen“, so Kötz. Eine Abmilderung der Belastung sei nur „schwer oder gar nicht möglich“, sagte Zettler. „Jeder würde den Prozess gewinnen.“ Deshalb bleibt nur eine Lösung übrig: Den Bestand zu verbessern. Da sich der geplante Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) aber auf alle benachbarten Straßen auswirken werde, brauche es zuerst eine neue Verkehrsplanung, so Zettler. Die Stadtverwaltung sollte sich deshalb mit allen Beteiligten zusammensetzen. 

Er empfahl auch, den Von-Freyberg-Park und den ZOB in den Bebauungsplan mitaufzunehmen. Dadurch könnte die Qualität des Parks gesichert oder verbessert werden. Nur so bekomme die Stadt einen rechtskräftiger Bebauungsplan. Auch Kötz unterstrich: „Wenn sie den Bebauungsplan wasserdicht machen wollen, braucht es ein Verkehrskonzept, das die Gestaltung der öffentliche Räume, der Freianlagen, des ZOB und das Umfeld des Bahnhofs miteinbezieht.“

"Seelisches Vergnügen"

Über diese eindeutige Aussage waren einige Stadträte erleichtert. „Professor Zettler, ich bin so froh, dass sie eine so klare Aussage zum Hotel finden“, meinte nicht nur Dr. Martin Metzger (BFF). Allerdings wäre das schon zehn Jahre früher notwendig gewesen. „Wir hätten uns viele Diskussionen ersparen können.“ Der Meinung waren auch die Freien Wähler. „Ganz Füssen leidet unter der Situation“, sagte Jürgen Doser. Seine Fraktion habe von Anfang an den Durchstich abgelehnt und sich für Alternativen eingesetzt. Dennoch sei sie „acht Jahre nur belächelt worden. So viele Jahre so im Kreis zu fahren ist eine Schande.“ 

Das unterstrich seine Fraktionskollegin Dr. Anni Derday. 15 Jahre lang hätten drei Bürgermeister ihr Verhandlungstalent erfolglos am Hotel verbraucht. Die Freien Wähler hätten „immer versucht konstruktive Alternativvorschläge“ zu machen, so Derday. „Der 1.10 war für mich ein seelisches Vergnügen. Ich freue mich, dass Planer diese Richtung eingeschlagen hat.“ 

"Autogerechte Stadt"

 Das Gegenteil war bei Ilona Deckwerth (SPD) der Fall. Sie „bedauerte zutiefst“, dass die Entwicklung jetzt in Richtung „autogerechte Stadt“ gehe und die Beruhigung der nördlichen Luitpoldstraße aufgegeben wird. „Dieses Projekt kann ich nicht mittragen“, erklärte sie. Auch ihr Fraktionskollege Georg Waldmann hatte Bedenken. „Jetzt ist es ganz wichtig, dass es nicht nur darum geht möglichst viele Autos durch die Innenstadt zu schleusen.“ Denn je besser der Verkehr fließt, desto mehr Verkehrsteilnehmer würden durch Füssen fahren. „Das ist ein Problem. Fußgänger müssen über die Straße kommen. Wir können die Stadt nicht teilen.“ Deshalb sollten auch Radler und Fußgänger in den Gesamtplan miteinbezogen werden. 

Diese Chance sah jetzt Metzger gekommen. „Wir können Alternativen schaffen, aber vielleicht auch mit einem alternativen Planer, der das im Kopf hat.“ Magnus Peresson (UBL) kritisierte die Experten ebenfalls, die den Durchstich stets als optimale Lösung bezeichnet hatten. „Wir wurden jahrelang angelogen. In Zukunft müssen wir alle Aussagen durch den Trichter des gesunden Menschenverstands gehen lassen, sonst sitzen wir in zehn Jahren immer noch da.“ 

Diese Kritik wollte Kötz nicht auf sich sitzen lassen. „Wir waren nicht die Maßgebenden“ beim Durchstich, sondern nur fachbegleitend dabei, so Kötz. In Ludwigsburg erstelle seine Planungsgruppe gerade ein Fahrradkonzept. „Sie sagen, dass die Qualifikation nicht da ist. Das geht so nicht.“ 

Neben Michael Jakob (CSU) sprach sich auch Lothar Schaffrath für das Planungsbüro aus. Wichtig sei jedoch eine Fußgängerampel in der Luitpoldstraße am Prinzregentenplatz. Denn eine Bedarfsampel der Polizei habe ergeben, dass nicht weniger Leute die Straße queren als beim Zebrastreifen, erklärte Michael Schmück (CSU). Aber: „Nach 20 Minuten hat sich der Stau aufgelöst.“ 

Am Ende segneten die Stadträte mehrheitlich den Satzungsbeschluss ab. Jetzt soll der Busbahnhof und die Von-Freyberg-Park in den Bebauungsplan W43 Ottostraße/ Bahnhofstraße mitaufgenommen und auf einen Durchstich verzichtet werden. Grundlage dafür soll eine umfassende Verkehrsplanung in dem Bereich sein. Außerdem soll die nördliche Luitpoldstraße nicht beruhigt und der Eingriff in den Von-Freyberg-Park minimiert bzw. ganz vermieden und ein Freiflächenplan aufgestellt werden. 

Daneben will die Stadt eine planerische Grundlage für den ZOB und Busparkplätze für die Hotels vor Ort zum Be- und Entladen entwickeln. Außerdem sollen die Interessen des nichtmotorisierten Verkehrs berücksichtigt werden. Nur Deckwerth und Dr. Christoph Böhm (CSU) stimmten gegen diesen Beschlussvorschlag. Böhm lehnte die Aufnahme des Parks in den Bebauungsplan ab. Der sollte seiner Meinung nach nicht tangiert werden.

Katharina Knoll

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