Allgäuer Verteidigungspolitiker besucht Allgäu Kaserne

"Wir müssen schneller werden"

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Bundestagsabgeordneter Karl-Heinz Brunner (Mitte), Mitglied im Verteidigungsausschuss, mit Oberstleutnant Karsten Rodde (links) und Oberstleutnant Holger Müller.

Füssen – Karl-Heinz Brunner ist nicht unbedingt ein gewöhnlicher Bundestagsabgeordneter. Anders als viele Kollegen versteckt sich der neue Betreuungsabgeordnete der SPD für das Allgäu nicht hinter den üblichen abgedroschenen Phrasen, sondern bevorzugt Klartext.

So auch beim Besuch in der Allgäu Kaserne in der vergangenen Woche. Statt der von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen propagierten familienfreundlichen Kuschelatmosphäre auf den Stuben bräuchten die Füssener Soldaten vor allem eines: „Eine vernünftige Ausrüstung“, so der Neu-Ulmer gegenüber dem Kreisboten. 

Einen ganzen Tag lang informierte sich das Mitglied des Verteidigungsausschusses in der vergangenen Woche über die Befindlichkeiten der Füssener Truppe. Nach einem Gespräch mit Brigadegeneral Michael Matz, Oberkommandierender der Gebirgstruppe, folgten Diskussionen mit den beiden Bataillonskommandeuren Karsten Rodde und Holger Müller (beide Oberstleutnant) sowie den Vertrauensleuten der Füssener Soldaten. 

Zwar konstatierte Brunner danach eine „sehr gute Stimmung“ unter den Soldaten. Doch einiges, was der Sozialdemokrat zu hören bekam, wird dem Verteidigungsausschuss in Berlin wohl nicht gefallen. So bemängeln die Gebirgsspezialisten anscheinend vor allem Alter, Zustand und Menge ihrer Ausrüstung. „Den Soldaten ist eine vernünftige Ausrüstung wichtig“, sagte Brunner gegenüber dem Kreisboten. 

Vor allem für die im internationalen Vergleich gut aufgestellte Gebirgstruppe sei eine moderne und einwandfrei funktionierende Ausstattung besonders wichtig. „Wo die Bundeswehr gut ist, muss sie auch entsprechend ausgerüstet sein“, betonte der Neu-Ulmer Abgeordnete, der von „Mangelverwaltung“ sprach. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir mit der Spezialisierung der Kräfte weitermachen.“ 

Dabei warnte er davor, dass wenige Geld im Verteidigungshaushalt nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen bzw. „nicht von oben nach unten zu rasieren“, sprich zu kürzen. Vor dem Hintergrund anstehender Haushaltsberatungen gelte es, die Weichen „für die personelle und technische Ausstattung“ zu stellen, mahnte er. Verteidigungsministerin von der Leyens Pläne, die Armee mit allerlei Wohlfühleinrichtungsgegenständen zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen, sei zwar grundsätzlich richtig. 

Allerdings dürfe das nicht zu Lasten der Kernaufgaben der Truppe gehen. „Wenn ich die Besten der Besten rekrutieren will, ist das der richtige Ansatz“, erklärte Brunner. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir beides nicht finanziell gegeneinander aufrechnen.“ Eine der künftigen Aufgaben der Politik sei es auch, bürokratische Entscheidungsprozesse für die Truppe zu verkürzen. „Wir müssen schneller werden“, forderte er. 

Das gelte sowohl für den Kauf neuer Waffensysteme als auch für die Sanierung der Unterkünfte. Brunner versicherte den Soldaten, sich in Berlin auch für ein Thema einzusetzen, dass offenbar vielen in der Truppe Sorgen bereitet – den sogenannten Tätowierungserlass, der bei der Bundeswehr streng gefasst ist. „Da müssen wir Lösungen finden, die umsetzbar sind und auch der Lebenswirklichkeit entsprechen“, sagte der Bundestagsabgeordnete . 

Möglicherweise gelingt es dann auch, personelle Engpässe zu schließen. Von diesen ist auch die Gebirgstruppe nicht verschont geblieben, wie die Kommandeure Rodde (Gebirgsaufklärer) und Müller (Gebirgslogistiker) berichteten. So fehle es vor allem an Mannschaftsdienstgraden wie beispielsweise Lkw-Fahrer. Über fehlenden Nachwuchs in den Reihen der Offiziere und Unteroffiziere könne dagegen nicht geklagt werden.

Matthias Matz

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