Büro aus Kempten gewinnt Architektenwettbewerb für Guggemoswiese

"Stark an Umgebung angepasst"

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Dieser Entwurf des Ingenieurbüros Hagspiel aus Kempten gefiel der Jury am besten. Er konnte unter anderem durch seine geneigten Dächer punkten. Außerdem nimmt er Bezug zur Christuskirche, die im Süden an das Areal angrenzt. 

Füssen – Der Sieger des Architektenwettbewerbs für die Guggemoswiese steht fest: Das Ingenieurbüro Herman Hagspiel aus Kempten hat die Jury überzeugt. Sie sei zu einem „sehr guten Ergebnis“ gekommen, erklärte Monika Beltinger vom Büro Lars Consult.

Da das Siegermodell durch sein geneigtes Dach aber nicht auf die vorgeschriebenen 9000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche kam, stellte Beltinger das überarbeitete Modell am Dienstag im Stadtrat vor. Doch das gefiel nicht jedem.

Sechs Architektenbüros beteiligten sich an dem Wettbewerb, informierte Beltinger. Sie sollten ein familiengerechtes und barrierefreies Quartier in der Glücksstraße entwerfen, das auf die unmittelbare Umgebung, darunter die Christuskirche, Bezug nimmt. Außerdem sollte es eine Bruttogeschossfläche von 9000 Quadratmetern umfassen. In dem Wettbewerb gehe es nicht um eine „Abqualifizierung“, sondern um eine „Bewertung im Vergleich zu unterschiedlichen Arbeiten“, sagte Beltinger, bevor sie die unterschiedlichen Modelle vorstellte.

Von den sechs Entwürfen hoben sich zwei ab, die entsprechend honoriert wurden. Am besten gefiel der Jury das Modell des Ingenieurbüros Hermann Hagspiel aus Kempten. Es habe „am besten die Rahmenbedingungen umgesetzt“, so Beltinger. Es setzt sich aus drei gleichförmigen Baukörpern und zwei etwas anders gelagerten Häusern zusammen.

Die drei gleichförmigen Baukörper bestehen jeweils aus zwei versetzt stehenden Häusern, die allerdings so angeordnet sind, dass „der hintere Baukörper durch den vorderen nicht verschattet wird“, erklärte Beltinger. Das sei der große Unterschied zum Modell auf dem zweiten Platz.

Umgebung miteinbezogen

 Außerdem habe das Architekturbüro „sehr schön auf die Christuskirche im Süden reagiert. Der Baukörper tritt zurück“, so dass ein Platz für einen Treffpunkt und Spielbereich entstehe. Schließlich war auch einer der Vorgaben, dass das Quartier einen Aufenthaltsbereich bekommen soll. Zudem wurde der Entwurf „stark an die Umgebung angepasst“. Das Ingenieurbüro habe das Thema „geneigtes Dach in zeitgemäßer Form, asymmetrisch“ umgesetzt.

Allerdings ergibt sich daraus auch ein Problem: die dreigeschossigen Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss erreichen nicht die 9000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche – zumindest nicht in der Berechnung der Jury, die die Fläche unter den Schrägen im Dachgeschoss nicht voll zählten, im Gegensatz zu dem Ingenieurbüro. Deshalb sollte das Büro einen neuen Entwurf einreichen, bei dem dieses Kriterium erfüllt werde. Der überarbeitete Entwurf sei aber „in gleicher Qualität und Art“, so Beltinger.

Diese Konzeption sei für die Bauleitplanung eine „hervorragende Grundlage“. Der First sei jetzt um 0,5 Meter höher, was in der Wahrnehmung jedoch kaum auffalle, und die Häuser breiter. Die Bruttogeschossfläche umfasse nun knapp 9500 Quadratmeter. Dieser Sprung erstaunte Dr. Martin Metzger (BfF). „Den Entwurf fand ich von Anfang an am besten.“ Doch mit diesem großen Sprung in der Fläche, schieße man über das Ziel hinaus. Die Höhen seien in Ordnung, aber, „ich habe ein Problem damit, dass man auch in die Breite gegangen ist“, so Metzger. Das fehle dann bei den Grünflächen. „Das ist eh schon so eng bebaut“, so Metzger.

Günstigere Wohnungen

 Architekt Herman Hagspiel erklärte, dass die Flächen nicht um 20 Prozent größer werde, wie Metzger ausgerechnet hatte, sondern sich durch die besondere Berechnung der Dachgeschosse nur um zehn Prozent vergrößere. Bei der Überarbeitung des Entwurfs habe sein Büro die Häuser zunächst höher geplant. Aber „das hat uns nicht gefallen“, so Hagspiel, weshalb man in die Breite gegangen sei.

 Einen Vorteil in der größeren Fläche sahen dagegen Georg Waldmann, Lothar Schaffrath (beide SPD), Michael Schmück und Heinz Hipp (beide CSU). Dadurch können mehr Wohnungen entstehen und dann werde der Mietpreis günstiger. „Die Baukosten bestimmen den Mietpreis. Je mehr Wohnungen, desto größer das Angebot, desto niedriger der Preis“, so Hipp. „Deshalb sehe ich die Diskussion nicht.“ „Man muss sich doch dafür einsetzen, dass in der Stadt günstiger Wohnraum entsteht“, meinte auch Waldmann. „Wir brauchen keinen Wohnraum, wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, hielt Dr. Christoph Böhm (CSU) dagegen. Deshalb sei es „wurscht“ wie groß der teure Wohnraum sei. „Wir brauchen das nicht.“

Dem widersprach Bürgermeister Paul Iacob: „Wir brauchen Wohnraum für die verschiedensten Schichtungen. Es dürfte bekannt sein, dass man niemanden zwingen kann auf seinem Privatgrund sozialen Wohnungsbau zu bauen.“ Er bat seine Kollegen, für den überarbeiteten Entwurf zu stimmen, um eine Wettbewerbsgleichheit zu erzielen und damit in die weitere Planung zu gehen.

Außer Niko Schulte, Böhm und Metzger segneten die anderen Räte den Entwurf ab. Den Vorentwurf für den Bebauungsplan wird das Architekturbüro Arnold aus Memmingen ausarbeiten, wie der Ausschuss einstimmig genehmigte. Die sechs Modelle des Architektenwettbewerbs werden die kommenden zwei Wochen im Rathaus, im Flur vor den Sitzungsälen ausgestellt.

kk

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