Kulturführer aus Leidenschaft

Rund 50 Menschen aus dem Ober- und Ostallgäu sowie aus dem Auerbergland und dem Pfaffenwinkel haben sich jetzt zu zertifizierten Kulturführern ausbilden lassen. Sie haben in einem viermonatigen Lehrgang das Rüstzeug erworben, um Touristen die Sehenswürdigkeiten der Region zu zeigen. Aber nicht alle streben nun den Nebenberuf Touristenführer an. Für einige war das pure Interesse an Kultur und Geschichte der Grund zum mitmachen, andere hingegen freuen sich darauf, Gästen ihre Heimat zu zeigen, wie sie dem KREISBOTE am Donnerstagabend bei der Verleihung der Zertifikate in Füssen verrieten.

„Sie sollen begeistern!“, meinte Simone Zehnpfennig von Allgäu Marketing zu den frisch gebackenen Kulturführern, die sich in der ehemaligen Klosterküche des Klosters St. Mang in Füssen versammelt hatten. „Ein Gast, der begeistert ist, wird das auch weitersagen“, meinte auch der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut (FW). Sein Landratsamt war federführend bei der Fortbildung. Dass das Kulturführerprogramm jedoch Landkreis und sogar Bezirksübergreifend war, hatte seinen Grund: Es standen Gelder aus dem europäischen Leader-Topf für die Stärkung des ländlichen Raums in Aussicht. „Den großen Geldkoffer des Amtes“ hatte Dr. Alois Kling vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, das für die Leader-Vergabe im Allgäu, Auerbergland und Pfaffenwinkel zuständig ist, mitgebracht – und nahm ihn ungeöffnet wieder mit. Denn nach der Endabrechnung stand fest: Das Projekt trägt sich selbst, die öffentliche Hand muss nichts beisteuern. Kostenlos waren die Kurse für die Teilnehmer nämlich nicht, sie mussten für das Basismodul sowie für einzelne Wahlmodule Gebühren bezahlen. Die Themen der Fortbildung, die von März bis Juli diesen Jahres stattfand, waren umfangreich. In Geologie, Geografie und Volkskunde wurden die Teilnehmer ebenso geschult, wie in Marketing, Finanzen und Rhetorik. Mit den Wahlmodulen konnte jeder dann Schwerpunkte setzen und sich beispielsweise auf die Römer, König Ludwig, Museen oder die Romantische Straße spezialisieren. Was die einzelnen Kulturführer nun mit ihrer Urkunde in der Tasche vorhaben ist ganz unterschiedlich. Oskar Krug aus Sulzberg wird sich jedenfalls nicht sofort auf den Job-Markt stürzen. Dem pensionierten Geschichtslehrer des Kemptener Allgäu-Gymnasiums liegt das Interesse an Kultur seit seiner Schulzeit im Blut. Ihn begeisterte vor allem „Der historische Überblick, den man bekommt, und das entziffern der lateinischen Handschriften“. Ähnlich sieht das Renate Carré aus Seeg, auch wenn sie sich als Industriekauffrau beruflich mit völlig anderen Themen beschäftigt. Vor allem „der Wunsch, mich geschichtlich weiterzubilden“, habe sie zur Teilnahme bewogen. "Die Liebe muss da sein" Seine neu erworbenen Fähigkeiten möchte Klaus Müller aus Biessenhofen hingegen auf jeden Fall einsetzen. Der pensionierte Berufssoldat freut sich bereits darauf, in Bussen bei Führungen mitzufahren oder in Kaufbeuren Nachtwächterführungen im historischen Gewand mit Laterne zu machen. Reinhard Walk, der sich als Geschäftsführer von Auerbergland e.V. beruflich um die Entwicklung des Auerberglandes kümmert, möchte gerne persönlich Gästen den neuen Römerweg auf den Auerberg zur „ältesten römischen Siedlung in Bayern“ entlang führen. „So viel muss man gar nicht wissen“, beruhigte Dr. Peter Heigl aus Wald die 50 Teilnehmer. Er selbst hatte sowohl als Teilnehmer als auch als Dozent, etwa für lateinische Inschriften, mitgewirkt. „Die Liebe muss da sein, die Identifikation, dann wird es gut“, erklärte er.

Meistgelesene Artikel

Neue Ideen

Pfronten – Für frischen Wind beim diesjährigen Neujahrsempfang der Gemeinde Pfronten im Pfarrheim St. Nikolaus sorgten jetzt die Geistlichen Andreas …
Neue Ideen

"Es geht uns ums Prinzip"

Füssen/Landkreis – Der Tierschutzverein Füssen und Umgebung kommt nicht zur Ruhe.
"Es geht uns ums Prinzip"

"Irgendjemand steuert das"

Füssen – Die erste Sitzung des Stadtrates hat noch nicht einmal stattgefunden, da erlebt die Stadtpolitik bereits ihren ersten Eklat im neuen Jahr.
"Irgendjemand steuert das"

Kommentare