Länger ungestört flanieren

Man könnte sie für eine Fußgängerzone halten, dennoch gilt in der Ritterstraße „Anlieger frei“. Nächsten Sommer ist sie acht Wochen lang tagsüber für Fahrzeuge gesperrt. Foto: Archiv

Am Ende stand ein Kompromiss: Nach kontroverser Diskussion haben die Stadträte des Bau- und Verkehrsausschusses (BUV) am Dienstag beschlossen, die Ritterstraße im kommenden Sommer zwei Monate lang tagsüber für den Kraftverkehr zu sperren. Während Vertreter der SPD lieber schon ab den Pfingstferien die Straße zur Fußgängerzone erklärt hätten, war vor allem CSU-Stadtrat Niko Schulte für eine kurze Zeitspanne während der Tourismussaison. Bereits im Sommer diesen Jahres war die Straße sechs Wochen lang für Pkw- und Motorradfahrer tabu.

„Die Reaktionen waren durchweg positiv“, resümierte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) über die kürzlich abgelaufene sechswöchige Probephase der Fußgängerzone. Auch Thomas Meiler von der Polizeiinspektion Füssen war zufrieden. Übertretungen seien nur anfangs an der Tagesordnung gewesen, der Zwang zum Umfahren der Ritterstraße hätte auch nicht zu Unfällen auf anderen Straßen geführt. Einzelne Lieferanten hätten jedoch Einschränkungen angemerkt und auch Klagen über zu schnelle Radfahrer seien eingegangen, erklärte Manfred Schweinberg von der Stadtverwaltung. Eine Wiederholung im nächsten Jahr zur Tourismussaison und zwar über einen längeren Zeitraum lautete dem- entsprechend der Vorschlag von Polizei, Verwaltung und Bürgermeister. Der gefiel aber nicht jedem. „Wir muten den Bewohnern der Altstadt viel zu“, meinte Niko Schulte (CSU). Denn wer in „Füssens Kinderstube“ wohnt, müsse beispielsweise die vielen Feste und auch Probleme mit Vandalismus ertragen. Gleichzeitig soll er aber die Altstadt schön halten. Zweifel an dem Plan äußerte auch Dr. Anni Derday (FW). Der Stau an der König-Ludwig-Brücke, über die die Autos dann fahren müssen, sei schließlich schlimm. „Ich habe noch nie mehr als fünf Minuten vom Rathaus zum Kaiser-Maximilian-Platz gebraucht“, mein-te hingegen Paul Iacob. Der gefühlte Stau sei manchmal größer als der tatsächliche, pflichtete ihm Stadträtin Brigitte Protschka (SPD) bei. Ihre Fraktionskollegin Ilona Deckwerth schlug gar vor, bereits zu den Pfingstferien mit der Sperrung der Ritterstraße zu beginnen. „Hochgerechnet auf 25 Fahrzeuge tut Ihr gefühlter Stau ganz schön weh“, konterte daraufhin Stadtrat Jürgen Doser (FW) auf Protschkas Einschätzung und sprach sowohl für sich als auch für andere Füssener Unternehmer, deren Fuhrpark täglich im Einsatz ist. Eine Krux die auch Stadtrat Schulte überging: Als Durchfahrtsstraße ist die Ritterstraße ohnehin nicht gedacht, nur Anlieger dürfen sie passieren, wie Polizist Meiler klar stellte. Das schließt Lieferverkehr, aber auch Taxis mit ein, die etwa Senioren zum Arzt fahren. Der Kompromissvorschlag von Bürgermeister Paul Iacob, die Ritterstraße im kommenden Jahr vom 15. Juli bis zum 15 September zu sperren, fand letztendlich eine Mehrheit. Lediglich Protschka, Deckwerth und Peresson stimmten mit nein.

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