Freunde des Füssener Bahnhofs wollen das Gebäude erhalten

Der nächste Versuch

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Ein gegen den beschlossenen Abbruch des Bahnhofs gerichteter Bürgerentscheid ist erfolglos geblieben. Die Stadträte Magnus Peresson (3.v.l.)) und Dr. Christoph Böhm (2.v.r.) sehen aber weiterhin Chancen, durch eine behutsame Sanierung das alte Gebäude zu retten. Es sollte, so die Aktivisten, keinem Neubau in Schmids Stil weichen müssen. Ob dieser Plan aufgehen könnte, hängt mit einem – noch zu erwartenden – amtlichen Gutachten zusammen.

Füssen – Über den Bahnhof wird weiter heftig debattiert. Jetzt sind die Freunde und selbsternannten „Retter“ des 125 Jahre alten Gebäudes wieder am Zug. Dr. Christoph Böhm und Magnus Peresson hatten zu einer Ortsbegehung eingeladen, der eine Gruppe von 20 Bürgerinnen und Bürgern gefolgt war.

Einmal mehr waren die bekannten Argumente zu hören, die – aus Sicht der Stadträte Böhm (CSU) und Peresson (UBL/FDP) – für eine behutsame Gebäudesanierung sprechen. Neu war die Information, dass es Böhm zu danken sei, dass eine Delegation des Landesamts für Denkmalpflege Füssen besucht hat (der Kreisbote berichtete). 

Ein zweites Gutachten aus München solle – anders als ein erstes dieses Amtes – das Gebäude „als schützenswert ausweisen.“ Für ein solches positives Signal sieht er Chancen: „In der Leitung des Amtes ist ein Wechsel erfolgt“, so Böhm. Treffpunkt war der Bahnhofvorplatz. An der Infoveranstaltung mit Stadtrat Böhm nahmen auch einige Mitglieder des von Peresson geführten historischen Vereins „Alt Füssen“ teil. 

Der gemischten Gruppe erklärte Böhm: „Wir sind als Freunde des Bahnhofs kein eingetragener Verein. Wir sind eine Interessengruppe mit dem Ziel, unseren Bahnhof zu retten. Er ist Heimat für uns alle.“ Der Bahnhof, heute 125 Jahre alt, „atmet den Geist der Vergangenheit aus“, sagte Böhm. Mit ihm wandte sich Architekt Peresson gegen eine Städtebau-Politik, „die Abreißen, Schreddern und Neubauen bedeutet“. 

Den besonderen Wert des Bahnhofs sieht Böhm auch darin, dass der Hochadel hier aus und in die Waggons stieg. Er las eine Liste solcher illustrer Namen vor. Darauf vertreten sind die Kaiserin Elisabeth von Österreich, König Ludwig III., der Schah von Persien, der preußische Kronprinz Wilhelm und andere Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Der Bahnhof in Füssen sei „der Bahnhof der Königsschlösser“ und obwohl er nicht gepflegt wirke, werde er von den Reisenden immer wieder fotografiert. 

Als „Prinzregentenbahnhof“ für die Gäste aus aller Welt gekennzeichnet, wäre dieser Bahnhof eine echte touristische Attraktion, meinte Böhm. Hier könnte nach einer Gebäudesanierung Füssen Tourismus und Marketing (FTM) einziehen, fuhr er fort. 

Wann kommt Gutachten? 

Neu für einige in der Gruppe dürften auch die aktuellen Besitzverhältnisse sein: Das Hauptgebäude und die Wartehalle gehören laut Böhm der Baufirma Hubert Schmid. „Schmids Großvater hatte den Bahnhof erbaut.“ Auch mit diesem Argument treten die Freunde des Füssener Bahnhofs an den Unternehmer aus Marktoberdorf heran, um den Abbruch des Gebäudes zu verhindern. Weil Teile des Gebäudes der Stadt Füssen gehören, habe man „auch Verantwortung, dort für die Sauberkeit zu sorgen“, so Böhm. 

Wie lange es dauern könnte, „bis das neue, amtliche Gutachten zum Bahnhof vorliegt, wissen wir nicht. Wir hoffen, dass es hilft, unseren Füssener Bahnhof zu retten. Wir sind gegen einen Neubau“, betonte Böhm zum Abschluss des eine Stunde dauernden Außentermins. Es hatte dabei keine Gelegenheit gegeben, den Füssener Bahnhof auch von innen zu erleben. Die Türen waren schon verschlossen, als die Führung begann, die später auch zu dem modernisierten Mittelbahnsteig ging.

Chris Friedrich

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