Grünflächenpflege: Verständnis füreinander finden

Unter den Linden am Ziegelberg: Bei der Begehung der Anlage besprechen die Fachleute die Zukunft der (Natur-)Schätze Füssens: Hans Hack (v.l.) und Walter Hundhammer (BN), Rolf Tschirschnitz (Tiefbauamt), Bürgermeister Paul Iacob, Josef Freudig (LPV) und Förster Dietmar Prantl. ab

Füssen – Josef Freudig vom Landschaftpflegeverband Ostallgäu traf sich kürzlich mit Bürgermeister Paul Iacob. Mit Fachleuten von Forstamt, Bund Naturschutz und Tiefbauamt wolle man Konzepte für den Spagat zwischen Naturschutz, Verkehrssicherungspflicht und der Meinung der Bürger entwickeln.

Der Blick zurück zeigt, wie wichtig eine Planung für die Zukunft ist. An manchen Stellen auf Füssener Fluren verwahrlosten Flächen, verbuschten und wurden nicht zuletzt unansehnlich. Dass dabei der Zweck der Naherholung ebenso verloren geht wie auch wertvolle Flächen für den Artenschutz zeigt das Beispiel Ziegelberg. Nach dessen ursprünglicher Nutzung durch den Ziegler und anschließender Obstbepflanzung verwilderte die Anlage, nachdem das örtliche Vieh auf die Flächen getrieben wurde. Durch die Stadt Füssen wurde eine Lindenallee gepflanzt, aber auch diese wurde lange Zeit sich selbst überlassen – eine professionelle Grünflächenpflege fand nicht statt. 

Diese hat sich erst richtig mit der Gründung des LPV entwickelt, erläutert Tiefbauamtsleiter Rolf Tschischnitz. Denn damit wurden „Fachwissen und Pflegekenntnis zu finanziell vertretbarem Preis“ unter einen Hut gebracht. Seit 1991 finden von der Stadt getragenen Landschaftspflegemaßnahmen statt; begonnen hat man damals am Galgenbichl. Der LPV, der sich als Dienstleister für die Kommunen sieht, pflegt verschiedene Flächen, zum Beispiel am Hopfensee, am Weißensee oder am Kalvarienberg. In vertrauensvoller Zusammenarbeit werden Schritte in Abstimmung mit dem Forstamt und auch dem Bund Naturschutz getätigt. Dabei muss man oft abwägen, ob und wie stark man eingreifen muss. „Für die einen ist ein Baum reines Nutzholz, für die anderen Lebensmittelpunkt“, so Tschirschnitz.

Allerdings sollte man bei „Stadtbild prägenden Bäumen umsichtig vorgehen“, ergänzt Walter Hundhammer vom BN. Da Bürgermeister Iacob bei Amtsantritt erklärte, dass ihm die Bäume und die Natur im Allgemeinen sehr am Herzen lägen, dürften auf öffentlichem Grund keine Bäume mehr ohne seine Zustimmung gefällt werden. Schon beim Ausbau der Augsburger Straße wurden deshalb die Fachleute in die Planung miteinbezogen. Dass die Flächen am Ziegelberg ausgelichtet werden sollten, dafür ist der BN ebenso wie Förster Dietmar Prantl. Schritt für Schritt müsse das gehen, nicht durch Tabula Rasa. Blickverbindungen zum Hohen Schloss wurden hergestellt, Flächen werden geöffnet, über ein zukünftiges Grünflächenpflegekonzept wird gesprochen. Füssener Schätze sollen bewahrt bleiben, einiges wurde schon auf den Weg gebracht wie im Faulenbacher Tal die Orchideenwiese am Obersee und die Fischhauswiese oder die Flächen an der A7, die durch Freilegung der Tümpel als Lebensraum für die Kreuzotter zurückgewonnen wurden. 

Dass absichtlich liegen gelassenes Gehölz nicht unbedingt jedermanns Geschmack, also „schön“ ist, ist verständlich. Aber „einen sanften Weg zu gehen, dabei einen Konsens mit allen Beteiligten zu finden, dauert seine Zeit“, erklärte Josef Freudig. Flächen, bei denen der Bedarf vorhanden ist, dass sie anders gepflegt werden müssen, können im Gespräch und gemeinsamer Begehung mit in die Pflege aufgenommen werden. Dringende Maßnahmen, wie einen von Hans Hack (BN) gewünschten Amphibienzaun im Bereich zum Badecafé, wolle der Rathauschef gerne bereit stellen. „Um die Rettung der Tiere müssen sich aber Ehrenamtliche kümmern.“ Dazu erklärte sich der BN bereit. ab

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