Streit um Tuberkulose-Tests

Wurden fälschlicherweise gesunde Rinder positiv auf Tuberkulose getestet und getötet? AbL und BDM sind sich mit Landrat Johann Fleschhut darüber uneins. Foto: Archiv

Ostallgäu – Auch im Ostallgäu werden Rinder auf Tuberkulose (TBC) getestet. Die Tests kritisierten jetzt aber Georg Martin von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Bayern sowie Waltraud Högner und Engelbert Vogler vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) Ostallgäu. 

Zwar finden der BDM Ostallgäu und die AbL Bayern die Bekämpfung von TBC wichtig, allerdings seien zuvor im Landkreis Oberallgäu „hunderte von Rindern voreilig, ohne zuverlässiges Testergebnis, grundlos getötet worden“, so die Unterzeichner in ihrem Brief an Landrat Johann Fleschhut. Bei „weniger als einer handvoll Tieren“ soll der Erreger tatsächlich nachgewiesen worden sein. Im Oberallgäu aber habe man laut Fleschhut zum Großteil den sogenannten Interferon-Gamma-Freisetzungstest verwendet. Der war aber „fü̈r den Einsatz bei Reihenuntersuchungen nicht geeignet“, wie sich später herausstellte. Deshalb seien die Rinder im Ostallgäu von Anfang an mit dem viel genaueren „intrakutanen Tuberkulintest“ untersucht worden. 

 "Ein besseres Verfahren steht nicht zur Verfügung" 

Doch genau diesem Test haben der BDM Ostallgäu und die AbL Bayern nur eine Genauigkeit von 80 Prozent vorgeworfen, weshalb sie in ihrem Brief einen beinahe zu 100 Prozent genauen Test forderten. Nach Auskunft des Friedrich-Löffler-Instituts, Nationales Referenzlabor für Tuberkulose, so der Landrat, soll der Tuberkulin-Simultantest aber genau so ein Test sein, denn seine Spezifität liege zwischen 94 bis 100 Prozent. „Dass dieser Test, der im Übrigen seit Jahrzehnten in Deutschland verwendet wird, bei jedem fünften Rind falsch interpretiert wird, ist daher unzutreffend und stark vereinfacht“, sagt Fleschhut und fügt an, „ein besseres Testverfahren steht nicht zur Verfügung.“ 

Laut den beiden Organisationen sollen vor allem trächtige Kühe, deren Immunabwehr geschwächt ist, unter dem Test leiden. Dann würden sie häufig irrtümlich positiv auf TBC getestet. Nach der Geburt seien die Ergebnisse jedoch oft negativ, so Martin, Högner und Vogler in ihrem Brief. Doch Fleschhut beschwichtigt: Da die Untersuchungen mehrere Monate dauern, sei es „ü̈berhaupt kein Problem“, wenn der Landwirt in Absprache mit dem Tierarzt hochträchtige oder kranke Tiere erst später untersuchen lässt. Außerdem könnten die Tiere, die positiv getestet werden, nach sechs Wochen noch einmal untersucht werden. Das birgt jedoch ein Problem: Bis zur zweiten Untersuchung müsste der Betrieb dann nämlich gesperrt bleiben. Fleschhut ist aber nach eigener Aussage dafür, „auf eine Sperre bis zur Nachuntersuchung zu verzichten.“ 

 Fleschhut besteht auf TBC-freie Höfe 

Die Aussage der beiden Organisationen, dass die genauen Übertragungswege der Krankheit unbekannt seien, sei falsch, sagte der Landrat in seiner Stellungnahme. Allerdings seien die Ursachen der jetzigen Einzelfälle nicht klar. Hier soll die flächendeckende Untersuchung aufdecken, ob die Haltung auf Gemeinschafts-weiden, der Kontakt mit Wildtieren oder der Viehhandel eine Rolle spielen. 

Auch die Frage, warum nur Rinder und Rotwild Träger der Krankheit sein sollen und nicht auch Haustiere beantwortete Fleschhut. Zwar könnten Pferde und andere Haustiere auch an TBC erkranken, allerdings wisse das Landratsamt in den letzten zehn Jahren von keinem einzigen Fall, weshalb „eine Reihenuntersuchung hier nicht verhältnismäßig wäre“. 

Zum Abtöten von TBC-Keimen reicht es nach Ansicht der drei Unterzeichner, die Milch zu pasteurisieren. Dem widersprach Fleschhut. Zwar würden die Bakterien beim Pasteurisieren getötet, gibt Fleschhut zu: „für eine Region, in der Rohmilch und Rohmilchprodukte einen hohen Stellenwert haben, kann dies aber keine Lösung sein“, so der Landrat. Durch die Untersuchung erhalten die Betriebe außerdem den Status „TBC-frei“, was laut Fleschhut derzeit das höchstmögliche Sicherheitsniveau in Deutschland ist. 

Entgegen der Behauptung der beiden Organisationen sollen die krankheitserregenden Bakterien schon im Fleisch der Tiere vorkommen, so der Landrat. So könnten sich theoretisch Menschen anstecken, wenn sie Fleisch essen, das noch teilweise roh ist. Nach der neuen Rindertuberkulose-Verordnung soll man das Fleisch von positiv getesteten Tieren aber verwenden können, wenn eine molekularbiologische Untersuchung nach dem Schlachten negativ ausfällt. kk

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