Das "Alpenfilmtheater" feiert Jubiläum

80 Jahre Kino in der Region

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Im „Filmecho“ und  dem Magazin „Blickpunkt Film“ habe  „alles drin gestanden, was ich wissen musste“,  erinnert sich Hannelore Wiedemann. Sie sammelt die Hefte.

Füssen – Statt Popcorn gab`s Schokolade und statt Drei-D-Filmen die Tagesschau vor dem Hauptfilm: Vor 80 Jahren begann in der Region die Geschichte des Kinos. Wilhelm Nebel hatte 1936 vor den Toren der Innenstadt seinen mit Holzstühlen ausgestatteten Kinosaal gebaut – das heutige „Alpenfilmtheater“.

Daneben betrieb Hans Mayr seinerzeit erfolgreich die Kammerlichtspiele in der Reichenstraße. Das „Metropol“ in der Sonnenstraße sowie das „Rex“ in der Altstadt-Passage folgten. Mit dem Siegeszug des Fernsehers verschwanden jedoch viele Kinos von der Bildfläche. Doch eines überlebte: Das „Alpenfilmtheater".

Für Mayr, Vater der heute 88-jährigen Hannelore Wiedemann, begann schon kurz nach 1936 die Karriere als „Kinokönig im Allgäu“. Er war Jahrgang 1900, betrieb mit 22 Jahren bereits eine Mechanikerwerkstatt und pflegte in der Freizeit ein für die damalige Zeit seltenes Hobby. „Er bastelte in Marktoberdorf einen Kinomatographen“, wie seine Tochter weiß, „und lud die Leute zu Filmvorführungen ein“.

Wie sie mit leuchtenden Augen erzählt, stand in ihrer Kindheit das beste Hotel der Stadt dort, wo heute das Kaufhaus Woolworth ist. In der „Alten Post“ zeigte Familie Mayr Fox`s Tönende Wochenschau und neue Spielfilme. „Damals gab es noch Filme, die ab 14 Jahren freigegeben waren. Dafür war ich noch zu jung. Also musste ich nach der Wochenschau den Saal verlassen.“

Diese Einschränkung änderte aber nichts daran, „dass mir die Leitung unseres Lichtspieltheaters in die Wiege gelegt war“. Sie schwärmt noch heute von den Filmgrößen Marika Röck, Zarah Leander und O. W. Fischer, der „im besten aller Ludwig-Spielfilme unser Märchenkönig war. Der Film lief ständig im Programm und war immer gut besucht. Ich kannte den Käutner-Film schon auswendig!“ Wiedemann erinnert sich auch an den „beliebten Pater Brown“, an Operetten- und Lederhosenfilme. Auch in Pfronten gab es damals ein Kino, blickt sie zurück.

Neue Traumpaläste

In den folgenden Jahren eröffnete ihr Vater zwei weitere Traumpaläste in Füssen, das „Metropol” und das „Rex”. Somit gab es in Füssen ab den 1950er Jahren bis Mitte der 80er Jahre vier Lichtspielhäuser. Doch dann trat das Fernsehen seinen Siegeszug in den Wohnzimmern an.

In den Städten verschwanden daraufhin viele Lichtspielhäuser von der Bildfläche. Hannelore Wiedemann, die den Betrieb mittlerweile von ihrem Vater übernommen hatte, fasste 1978 zusammen mit ihrem Mann Eduard den Entschluss, von dem noch heute viele Menschen der Region profitieren: Sie kaufte das „Alpenfilmtheater“ in der Augustenstraße.

Dort war der einzige Platz, an dem man mehrere Filme in einem Gebäude zeigen konnte: dies war die Zukunft.„Mein Mann Eduard war Architekt“, erzählt sie. „Er hat den vierten Saal im Alpenfilmtheater gebaut.“ Mit ihrer kaufmännischen Ausbildung, dem treuen Mitarbeiterteam und Ideen wie dem vom heutigen Grünen-Kreisrat Hubert Endhardt angeregten Qualitätsangebot „Lechflimmern“ überlebte das Alpenfilmtheater.

Das übrig gebliebene Füssener Kino stieg 1990 sogar zum Gildefilmtheater auf und wurde ein Jahr später für sein Programm ausgezeichnet. „Es war aber nicht leicht, einen guten Nachfolger zu finden“, sagt Hannelore Wiedemann, die 1999 den Entschluss gefasst hatte, sich aus dem Kino-Geschäft zurückzuziehen. Doch dann kam das Ehepaar Doppler.

Die Chemie habe sofort gestimmt, „als wir uns kennen lernten“, so Wiedemann. Und auch die Dopplers waren vom Haus in der Augustenstraße angetan.

Ein Hesse übernimmt

So ging am 1. April 1999 der Vorhang für Lars Doppler auf. Der Wahl-Allgäuer, Jahrgang 1971, stammt aus Kassel, begann eine Lehre bei VW und wechselte ins Kino-Business als Theaterleiter. „Zuvor hatte ich mit großer Freude in Kinos gejobbt“, wie Doppler erzählt. In seinem Büro des Alpenfilmtheaters Füssen betont er: „Als ausgebildeter Schauspieler stehe ich gern vor der Kamera, aber nicht auf der Theaterbühne.“

Ein professioneller Darsteller zu werden, sei ein Jugendtraum gewesen, den er sich später erfüllen konnte. Da war er schon Inhaber des ältesten und mittlerweile einzigen Füssener Kinos.

Neue D-Box-Stühle

Auch wenn er immer wieder für einen Film über die Agentur ein Engagement erhält: Der Großteil seiner verfügbaren Zeit gehöre freilich dem „Alpenfilmtheater“, das technisch auf dem neuesten Stand sei. „Zuletzt haben wir noch 180.000 Euro in die D-Box-Stühle investiert“, gibt er ein Beispiel für Maßnahmen, „die den Besuchern zugute kommen“ (der Kreisbote berichtete).

Er möchte allen Leuten, die an der Kasse eine Karte kaufen, „unbedingt auch etwas zurückgeben“, beispielsweise mehr Komfort, so Doppler. Das Kinoprogramm zeigt die neuen Blockbuster in Füssen, lockt aber auch – vor allem Cineasten – mit Spielfilmen der Reihe „Lechflimmern“ und in Originalversion in die Säle. „Die Besucher finden es toll, dass wir das Original zeigen. Nach einer Vorführung sind sie alle immer begeistert“, weiß Ramona Zahn an der Kinokasse.

Familiärer Charakter 

„Besonders wichtig ist mir, dass wir den familiären Charakter unseres Kinos erhalten“, unterstreicht Doppler sein Gesamtkonzept. Oft sei „das Kino“ schon totgesagt worden – angesichts der Besucherzahlen setzt dem Doppler gut gelaunt entgegen: „Wir machen ein Gemeinschaftserlebnis möglich. Wenn 200 Leute bei einer Vorführung lachen, ist das ansteckend und für mein Team motivierend, im bewährter Weise weiterzumachen.“

Von seiner Vorgängerin hat er mit Christa Michels und anderen Servicekräften „bewährtes Personal“ übernommen. Doppler bewies aber auch selbst ein gutes Händchen bei der Auswahl. „Immerhin schon 16 Jahre dabei“ sei Petra Wörishofer. Sie freut sich immer besonders, wenn im Sommer ausgewählte Filme im Rahmen der Schulkino-Wochen laufen.

Chris Friedrich

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