Kaufinteressent des Festspielhauses fühlt sich diskriminiert

Lief der Verkauf des Festspielhauses rechtmäßig ab?

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Das Festspielhaus Füssen ist vergangene Woche verkauft worden. Doch ein Kaufinteressent legt jetzt Beschwerde beim Amtsgericht Kempten ein.

Füssen – Das Drama um das Festspielhaus Füssen schien beendet zu sein. Nun tut sich ein neuer Akt auf: Einer der Kaufinteressenten, die Lens AG, fühlt sich diskriminiert. Deshalb hat sie jetzt Beschwerde beim Amtsgericht Kempten eingereicht und die Staatsanwaltschaft Augsburg informiert.

„Wir sind überzeugt, die Gläubiger, die Stadt Füssen wie auch die gesamte Region sind in dem Insolvenz- und Verkaufsprozess über den Tisch gezogen worden“, teilt die Lens AG jetzt in einer Pressemitteilung mit. Die Firma habe „erhebliche Zweifel an der Rechtsmäßigkeit und ordentlichen Abwicklung des gesamten Insolvenz- und Verkaufsvorgangs“. Da sich einer der Haupterwerber gerade in Thailand aufhalte, könne nur eine Absichtserklärung aber noch kein notarieller Kaufvertrag abgeschlossen worden sein.

Aber das ist noch nicht alles: Die Pläne der Käufer, ein Konzept mit „Kunst, Kultur und Entertainment“ zu erstellen, würden zudem stark an das 5-Säulen-Konzept der Lens AG erinnern, sagt Frieder Löhrer, Vorstandsvorsitzender der Lens AG. Dieses sah neben Theater, Kultur, Kunst, Events und Gastronomie auch ein Hotel vor. Der geplante Intendant habe bereits einen Spielplan für das Veranstaltungshaus bis ins Jahr 2018 ausgearbeitet. So sollte unter anderem die Verdi-Oper „La Traviata“ aufgeführt werden. Bereits lange vor der Insolvenz habe das Unternehmen mit den Besitzern des Festspielhauses über einen Verkauf verhandelt und sei von der Insolvenz im Juli überrascht worden.

Geringeres Angebot?

Auch am Angebot der jetzigen Käufer hat die Lens AG ihre Zweifel: Sie ist sich sicher, dass die Käufer eine niedrigeren Preis geboten haben als die Lens AG. Deren Angebot soll in der Spitze bei ca. 15 Millionen Euro gelegen haben. Deshalb bezweifelt das Unternehmen auch, „dass die Gläubiger das ,beste´Angebot vorgelegt bekommen haben“.

Nun befürchtet die Firma, dass Investor Jan D. Leuze das Outletcenter, das er ursprünglich am Festspielhaus bauen wollte (der Kreisbote berichtete), nun über die Hintertür verwirklichen möchte. Denn das Festspielhaus könne ohne langfristiges Konzept und anderer Einnahmequellen nicht funktionieren. „Wir schätzen, es fängt mit kleinen ,Shop-Konzepten´an und wenn RLM (Rietzler-Leuze-Mayer- Anmerk. d. Rd.) realisieren, dass sie nicht ,Theater´können, werden sie das ganze Haus zum Outlet-Center umwandeln“, vermutet die Lens AG.

Kritik am Verhalten des Insolvenzverwalters

Kritisch sieht sie auch das Verhalten des Insolvenzverwalters Dr. Marco Liebler. „Von einem Mitwirken des Insolvenzverwalters an einem vernünftigen Abschluss des Insolvenzverfahrens war in den vergangenen vier Monaten nichts zu spüren. Anfragen, Vorschläge und Angebote blieben größtenteils unbeantwortet.“ Für Löhrer ergibt sich daraus folgender Verdacht: Der Insolvenzverwalter „störe sich am Investorenkreis der Lens AG, weil sich darunter auch Anleger aus den arabischen Emiraten befinden.“

Uninteressantes Angebot

Dem widerspricht jedoch Insolvenzverwalter Dr. Marco Liebler auf Anfrage des Kreisbote. Ihm sei es „völlig unbedeutend, ob die Investoren aus den Arabischen Emiraten oder, wie bei Herrn Rietzler, aus Thailand kommen.“ Ihm ging es nur um die sichere Finanzierung. Alle Anfragen und Angebote der Lens AG seien im Gläubigerausschuss besprochen und geprüft worden. „Die letzten Angebote der Lens AG waren betragsmäßig uninteressant, die Finanzierung über ein Leasingmodell aus Dubai undurchsichtig“, erklärte der Insolvenzverwalter. Zudem hätte die Lenz AG nie 15 Millionen Euro geboten.

Rechtswirksamer Kauf

Auch der Kauf an sich wurde laut Liebler rechtswirksam abgeschlossen. „Es besteht hinsichtlich der Bezahlung Transaktionssicherheit“, so Liebler. Der Verkauf sei auch in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss, gemäß den Vorgaben der Insolvenzordnung, erfolgt. „Weder die Gläubiger noch die Stadt Füssen sind ,über den Tisch´gezogen worden“, erklärte der Insolvenzverwalter. „Die Gläubiger können mit einer interessanten Quote rechnen, der Stadt Füssen bleibt eine Ruine erspart und sie hat einen gebürtigen Allgäuer als Investor aus Marktoberdorf. Der Vorwurf der Diskriminierung ist abwegig.“

Katharina Knoll

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